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03. Juni 2010 18:20 Uhr

Wenn der Polizist selbst zum Opfer wird

Nach einer Schlägerei will ein Polizist das blutende Opfer zum Rettungswagen begleiten. Doch plötzlich beginnt der Betrunkene wild um sich zu schlagen, verletzt den jungen Beamten im Gesicht. Von Katharina Gaugenrieder

Landkreis Nach einer Schlägerei will ein Polizist das blutende Opfer zum Rettungswagen begleiten. Doch plötzlich beginnt der Betrunkene wild um sich zu schlagen, verletzt den jungen Beamten im Gesicht. Von diesem Fall, der sich erst vor Kurzem im Bereich Donauwörth ereignete, berichtet Armin Sailer, Vorsitzender der Kreisgruppe Schwaben Nord in der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Seit 27 Jahren ist Sailer schon bei der Polizei. "Und seitdem hat die Gewalt zugenommen", sagt er. Auch deshalb sei er nicht von den Ergebnissen der kürzlich veröffentlichten Studie überrascht worden, die eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten feststellte. "Es kommt immer wieder einmal vor, dass ein Polizist angegriffen wird. Wenn auch in unserem ländlichen Gebiet nicht so häufig, wie in den Großstädten. Aber man merkt eine deutliche Zunahme."

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Früher, sagt Sailer, sei der Respekt vor den Ordnungshütern generell noch höher gewesen. "Wenn man heute in Uniform an einem Kinderspielplatz vorbeiläuft, wo Zwölf- oder Dreizehnjährige rauchen, dann wird man schnell als Bulle oder schlimmeres beleidigt. Das hätte sich früher keiner getraut." Das Gros der Übergriffe, so Sailer, passiere im Zusammenhang mit Familienstreitigkeiten, zu denen die Beamten gerufen werden. Oft sei dabei auch Alkohol im Spiel. "Da kann aus einem zunächst banal wirkenden Einsatz schnell Ernst werden", sagt der Beamte der Verkehrspolizeiinspektion Donauwörth. Auch deshalb unterstützt Sailer die Forderung der GdP nach dem Paragrafen 115, der eine unvermittelte Attacke auf einen Streifenbeamten im täglichen Dienst auch dann bestraft, wenn sie quasi aus dem Nichts heraus stattfindet und nicht in Zusammenhang mit einer "Vollstreckungssituation", zum Beispiel einer Festnahme oder einer Räumung, steht. Denn das ist bislang nicht der Fall.

Verbesserungen bei der Bestrafung von Übergriffen auf Polizisten fordert auch Reinhard Habesreiter, Vorsitzender der GdP-Bezirksgruppe Schwaben Nord. "Für normale Körperverletzung ist das Strafmaß bis zu fünf Jahren. Wenn sie aber einen Polizisten schlagen, dann gibt es höchstens zwei Jahre, denn das ist dann Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte", sagt er. "Einen Polizisten zu schlagen ist also quasi billiger. Diese Wertigkeit ist für uns alle unverständlich."

Nur bei Bestrafung kommt der Respekt

Nur wenn Gewalt gegen die Polizei knallhart bestraft würde, habe man eine Chance, sich heutzutage noch Respekt zu verschaffen. Daneben sei aber dringend eine Verstärkung der ausgedünnten Personaldecke notwendig. Ebenso wie ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen. Denn häufig seien die Angreifer stark alkoholisiert. Auch Habesreiter stellt fest, dass derartige Übergriffe vor allem im Zusammenhang mit Einsätzen wegen häuslicher Gewalt vorkommen. "Dann gehen die Schläger eben auf die Polizei los und greifen uns mit allem an, was ihnen zur Verfügung steht - mit Schlag-, Hieb- und Stichwaffen. Früher habe man noch den Respekt vor dem Uniformträger gespürt. "Aber das gibt es heute so nicht mehr", sagt Habesreiter.

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