Lauinger Service besteht seit einem Jahr. Mitgründerin Friedlies Hopf-Schirm zieht Bilanz

Lauingen Seit rund einem Jahr gibt es den Bürgerservice „Bürger helfen Bürgern“ in Lauingen. Zeit für eine Bilanz mit Mitgründerin Friedlies Hopf-Schirm.
Ein Blick in Ihre eigene Nachbarschaft: Wie stark ist der Zusammenhalt unter den Menschen?
Hopf-Schirm: In meinem Umfeld wird Nachbarschaftshilfe gelebt. Man weiß voneinander. Man nimmt wahr, wenn einer fehlt. Es ist das Gefühl zu wissen, da ist jemand nebenan, zu dem ich kommen kann.
Trotzdem hört man immer wieder: Früher unterstützten sich die Nachbarn mehr.
Hopf-Schirm: Das war eine anders konzipierte Gesellschaft. Die Familien waren größer, die Verwandten lebten in der Nähe. Viele Frauen waren nicht berufstätig und arbeiteten viel im Garten. Der Ratsch über den Zaun wurde da mehr gepflegt. Heute sind die Grundstücke tagsüber oft verwaist, die Kinder sind anderweitig verplant.
Haben Sie den Zusammenhalt selbst in ihrer Kindheit so erlebt?
Hopf-Schirm: Ich bin Einzelkind und in Gundelfingen aufgewachsen. Wenn meine Mutter in der Gaststätte beschäftigt war, wusste ich immer, wohin ich gehen konnte. Bei einem Nachbar gab es zum Beispiel Schafe und ich habe auf die Kinder aufgepasst. Manchmal bin ich schon um sechs Uhr morgens vor der Schule zu den Nachbarn rüber, um bei der Babypflege zuzusehen. Man hat sich verbunden gefühlt. Heute hat man oft Berührungsängste.
Vor einem Jahr wurde „Bürger helfen Bürgern“ ins Leben gerufen. Sind solche Berührungsängste auch da Thema?
Hopf-Schirm: In dem Sinn, dass die Leute vorsichtiger geworden sind und zum Beispiel nicht mehr jeden in ihre Wohnung lassen. Und manche ältere Menschen trauen sich nicht, sich zu melden, weil sie nicht zeigen wollen, dass sie einsam sind.
Wie viele Anfragen gibt es?
Hopf-Schirm: Etwa sechs bis sieben pro Monat. Es läuft an. Man braucht einen langen Atem für das Projekt, aber es gibt viele Ideen, wie etwa einen für alle offenen Spielenachmittag.
Welche Art von Hilfe wird am häufigsten gebraucht?
Hopf-Schirm: Fahrdienste zur Kirche, zum Arzt oder Friseur, wenn Familie oder Bekannte ausfallen, oder jemand, der einem Kind beim Hausaufgabenmachen über die Schulter schaut. Und dann gibt es auch gerade ältere Menschen, die gerne etwas Gutes tun wollen, Kleider spenden zum Beispiel, aber es selbst nicht mehr schaffen, diese zusammenzupacken.
Wie erleben die Bürger, die sich unentgeltlich für ihre Mitmenschen engagieren, ihre Aufgabe?
Hopf-Schirm: Sie fühlen sich wertgeschätzt und profitieren für sich selbst davon.
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