Kreis gibt Analyse in Auftrag, die diese Frage beantworten soll Von Martina Bachmann
Landkreis Rein rechnerisch wird 100 Prozent des Stroms, der im Landkreis Dillingen verbraucht wird, mit regenerativen Energien erzeugt. Doch ist das Erzeugungspotenzial aller erneuerbarer Energien damit ausgeschöpft? Das soll nun eine Analyse beantworten. Der Umweltausschuss des Landkreises beschloss gestern Nachmittag einstimmig, eine solche Untersuchung in Auftrag zu geben. Die Ergebnisse sollen bis zur Jahresmitte vorliegen. Werden die beantragten Fördermittel bewilligt, dann muss der Kreis dafür noch rund 22000 Euro investieren. Doch vor diesem Beschluss gab es eine längere Diskussion – auch weil SPD-Kreisrat Reinhold Sing noch am Vormittag eine Ergänzung eingereicht hatte.
Darin heißt es unter anderem: „Unabhängig davon legt der Ausschuss Wert darauf, dass die im Landkreis beantragten Maßnahmen wie der Bau der Windkraftanlagen bei Zöschingen, Wittislingen und Ziertheim durchgeführt werden.“ Landrat Leo Schrell meinte, er habe angesichts der Ergänzung „Bauchschmerzen“. Die begründete er zum einen damit, dass das Schreiben von Sing erst am Vormittag eingegangen war und die Fraktionen deshalb nicht darüber beraten konnten. Zum anderen verwies Schrell auf den Unterschied zwischen dem staatlichen und dem kommunalen Landratsamt. Denn über den Bau einer Windanlage entscheide das staatliche – als verlängerter Arm des Ministeriums. Das kommunale könne mit seinen Gremien (etwa dem Umweltausschuss) nicht über diese Frage beschließen.
Bettina Merkl-Zierer (Grüne) begrüßte die Potenzialanalyse, gerade, weil in den erneuerbaren Energien ein wichtiges Wirtschaftspotenzial stecke. Günter Hiesinger (FDP) schlug vor: „Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir uns an der Realität orientieren.“ Dabei verwies er konkret auf eine Petition aus dem Landkreis, wonach ein Windrad von der Wohnbebauung 1500 Meter Abstand haben müsse. „Wir wollen doch Energie erzeugen und nicht Prozesse führen.“ Dem widersprach Norbert Beutmüller (FW): Man solle in der Analyse keinesfalls Grenzen setzten, die rechtlich noch gar nicht abgeklärt seien. Sing selbst forderte energisch, die Energiewende voranzutreiben und Zöschingens Bürgermeister Norbert Schön zu unterstützen. Reinhold Schilling (CSU) befürwortete die Potenzialanalyse, die erleichtere den Kommunen die Diskussion. Christian Knapp (CSU) meinte, sie sei eine Handreichung für die Gemeinden, bei denen aber nach wie vor die Planungshoheit liege. Zustimmung für die Untersuchung kam auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der von Stephan Böhm vertreten wurde. Und Elmar Sinning (Zukunft) freute sich über sie – angesichts immer wiederkehrender Fragen, wie lange das Holz im Landkreis für die Hackschnitzelheizungen reichen werde.
Albert Sporer vom Bayerischen Bauernverband sagte, die größte Herausforderung sei es, die Bürger zu begeistern. Auch Dr. Ludwig Zierer (CSU) meinte, man müsse der Bevölkerung Zeit geben, mitzugehen. Den Vorschlag, auch den Wasserstoff in die Untersuchung einzubeziehen, machte Elmar Greck vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. Michael Waldenmayr (Imker) befürchtete dagegen, dass die notwendigen Leitungen für die Stromverteilung nicht ausreichend seien. Schrell antwortete, er sei sicher, dass innerhalb weniger Jahre die Netzstrukturen ausgebaut würden. Wolfgang Schenk (SPD) schlug vor, die Ergänzungen von Sing als Resolution zu verabschieden. Man einigte sich auf eine Ergänzung des Beschlusses.
Konkrete Windkraftprojekte werden darin nicht genannt.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: