Höchstädt Der Fußball lässt ihn nicht los. In seiner früheren Bäckerei in der Herzogin-Anna-Straße hatte Josef Kommer nicht den Meisterbrief aufhängt, sondern Bilder berühmter Kicker. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 verfolgte der Höchstädter am Radio. "Der 3:2-Sieg im Finale gegen Ungarn war für mich die größte Sensation, die ich bisher erlebt habe." Die Freude über den Gewinn der Fußball-WM schrie Kommer, der vor wenigen Wochen seinen 75. Geburtstag feierte, aus dem Fenster in die Herzogin-Anna-Straße hinaus. "Fußball ist meine Leidenschaft, mein Leben", sagt Kommer. Von Berthold Veh


In einem Mitglieder-Heft hat die SSV Höchstädt dem ehemaligen Linksaußen einen Beitrag zu seinem runden Geburtstag gewidmet. Dort ist auch von einem Spiel zu lesen, das Kommer nicht mehr vergessen hat. Denn in einer A-Jugendpartie in der Saison 1952/53 stellte der Fußballer einen Rekord auf und traf zehn Mal ins Netz. Der Gegner war der FC Diemantstein. "Beim 1:0 lief ich allein auf den Torwart zu. Und nach meinem sechsten Treffer dachte ich, dass dies ein Rekord werden könnte." Am Ende machte Kommer zehn Kisten, Diemantstein musste mit einer 0:19-Schlappe abreisen. Zehn Treffer in einem Punktspiel seien in Bayern ganz selten, sagt der Höchstädter, der 1953 Torschützenkönig wurde.
Kommer hatte als 13-Jähriger seine Fußballer-Laufbahn beim damaligen TSV Höchstädt gestartet. 1948 wurde er mit der Schüler-Mannschaft nordschwäbischer Meister. 1953 gelang ihm das Meisterstück mit der Jugend, Kommer wurde in die Kreisauswahl berufen. 1955 und 1956 gewann er mit der ersten Mannschaft die B-Klassen-Meisterschaft. Kommer feierte mit seinen Freunden den Aufstieg in die A-Klasse und schoss, wie er mitteilt, auch in den Aufstiegsspielen die meisten Tore. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn im Jahr 1962 trainierte Kommer zehn Jahre lang Höchstädter Jugendmannschaften.
Der Brot-Beruf des heute 75-Jährigen war Bäckermeister. Kommer trat in die Fußstapfen seines Vaters, absolvierte mit einem Schnitt von 1,3 die Meisterprüfung und führte bis 1981 die Bäckerei in der Herzogin-Anna-Straße. Dann machte ihm das Bronchial-Asthma einen Strich durch die Rechnung. Der "Untere-Kommer-Bäck" musste wegen der Krankheit seinen Beruf aufgeben und die Backstube schließen. 2005 folgte ein Schicksalsschlag, seine Frau Käthe starb nach einer schweren Krankheit.
Ein FC-Bayern-Fan
Inzwischen hat Josef Kommer eine Seniorenwohnung beim Alten- und Pflegeheim der AWO bezogen. Der Bayern-Fan schwärmt von goldenen Zeiten seines Klubs und den "glorreichen Vier Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier und Uli Hoeneß". Er fiebert der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika entgegen. "Ich hoffe, dass wir den Titel holen." Nach 20 Jahren, sagt Kommer, sei der wieder einmal fällig.
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