Dienstag, 16. Januar 2018

06. April 2017 14:23 Uhr

Dillingen

Zwei Minuten für eine Untersuchung beim Arzt?

Der Dillinger Chefarzt Dr. Geisser hält nichts von der Regelung einer Abklärungspauschale. Er plädiert für andere Lösungen.

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Seit Anfang April gibt es in den Notaufnahmen die sogenannte Abklärungspauschale.
Foto: Karl Aumiller (Symbolbild)

 Seit drei Tagen tut der verstauchte Finger weh. Auch am Wochenende wird es nicht besser. Und so marschiert der Mann schließlich in die Notaufnahme des Krankenhauses.

Fälle wie dieser sind selten, aber es gibt sie immer wieder. Seit Anfang April gibt es deshalb eine sogenannte Abklärungspauschale. Ärzte in den Notaufnahmen sollen zunächst kurz abchecken, ob der Patient überhaupt eine Notfallbehandlung braucht oder ambulante Hilfe reicht. Doch die neue Regelung stößt auf viel Kritik.

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Auch Dr. Wolfgang Geisser, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin am Dillinger Kreiskrankenhaus, ist nicht begeistert davon. „Das wird uns jetzt gesetzlich übergestülpt und geht völlig am Problem vorbei“, sagt Geisser.

Fakt sei: Auch in die Dillinger Notaufnahme kommen immer mehr Patienten. „Die Kassenärztliche Vereinigung wirft uns vor, wir würden Patienten behandeln, die wir nicht behandeln sollten. Aber wir rufen die Leute ja nicht, die kommen einfach“, sagt Geisser.

Die Gründe, warum Patienten gleich in die Notaufnahme fahren, seien vielfältig. Einige wüssten nicht, wie man einen niedergelassenen Arzt erreicht. Heute hätten diese vielfältige Dienstmodelle. Dass man, wenn der eigene Hausarzt nicht mehr erreichbar ist, die 116 117 wählen kann, sei immer noch vielen nicht bekannt.

Doch selbst wenn die Patienten einen niedergelassenen Arzt erreichen, komme es vor, dass sie am Ende in der Notaufnahme landen. Etwa weil der Arzt gerade keinen Termin frei hat. „Da verstaucht sich zum Beispiel einer das Sprunggelenk.

Der Hausarzt schickt ihnen zu einem niedergelassenen Chirurgen zum Röntgen, da kriegt er aber nicht so schnell einen Termin. Und so kann es sein, dass er schließlich zu uns kommt, weil er nicht so lange warten will.“ Man versorge die Patienten dann so gut wie es geht, sagt der Mediziner. „Wo klar ist, dass sie eigentlich zu einem niedergelassenen Arzt gehören, versuchen wir es ihnen zu sagen. Aber wir lassen sie nicht stehen.“

Problematisch werde es in der Notaufnahme dann, wenn ohnehin schon viele Menschen da seien. „Patienten, die nicht zu uns gehören, verlängern die Wartezeit für alle.“ Da entstünden unter den Wartenden schon einmal Spannungssituationen, die zu unschönen Szenen führen, sagt Geisser.

Innerhalb von zwei Minuten abzuklären, ob ein Patient tatsächlich in die Notaufnahme gehört, das sei ohnehin kaum möglich. „Schließlich gehört dazu eine Anamnese und eine basiskörperliche Untersuchung, das ist unmöglich umzusetzen.“ Und selbst wenn es das wäre, hätten die Patienten dann mitunter lange gewartet, nur um nach zwei Minuten wieder weggeschickt zu werden. „Das kann es nicht sein.“

Geisser fordert vielmehr, dass das System der niedergelassenen Notfallversorgung und die krankenärztliche Notfallversorgung stärker miteinander arbeiten. „Man müsste eine gemeinsame Versorgung hinkriegen, die ordentlich vergütete ist.“ So sollen am Wochenende und nachts an der Kreisklinik bald Notfallpraxen die Notaufnahme entlasten. „Das ist ein erster Schritt. Da können wir die rüberschicken, die nicht im Rahmen der Klinik versorgt werden müssen.“

Am Augsburger Klinikum hat diese Bereitschaftspraxis, die mit niedergelassenen Ärzten besetzt ist, auch die ganze Woche über außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten geöffnet. Das, glaubt Geisser, sei in Dillingen nicht darstellbar. Allerdings könnte es für die Stoßzeiten ein gangbares Modell sein.

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Ein Artikel von
Katharina Indrich

Donau Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Dillingen

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