Michael Widmann aus Bergheim fühlt sich noch lange nicht als Oldtimer und gibt im „Histo-Cup Austria 2011“ Vollgas. Starke Ergebnisse in der ersten Saisonhälfte Von Günther Hödl
185 Pferdestärken kitzelt der Bergheimer „PS-Schmied“ aus dem Motor seines Alfasprint. Mit Baujahr 1978 ist der italienische Renner ein sogenannter „Youngtimer“. Zumindest im Vergleich mit seinem Tuner und Fahrer Michael Widmann. Der vermeldet für sich stolz „Baujahr 1936“ – und fühlt sich noch lange nicht als Oldtimer. Im nur etwas über 1,70 großen Motorsportler steckt jedenfalls jede Menge Power.
Dies beweist der 75-Jährige heuer wieder bei den Rennen des „Histo-Cup Austria 2011“, einer Serie für historische Fahrzeuge. Sind Autos mit mehr als 20 Jahren auf dem Fahrgestell sonst reif für die Schrottpresse, dürfen sich die liebevoll gepflegten Wagen der 60er- und 70er Jahre hier nochmals auf der Rennstrecke austoben.
Und ihre Lenker mit, wie zuletzt auf dem Pannoniaring in Ungarn: „Im ersten Lauf hatte ich mich mit dem Wetter verschätzt und Slicks aufgezogen. Ich dachte, dass es zu regnen aufhört – was nicht der Fall war. So langte es nur für Platz zwei“, erklärt Michael Widmann und fügt lakonisch hinzu: „Der zweite Lauf war trocken, da habe ich dann auch gewonnen.“
Rund ein Dutzend Gegner seiner Gruppe gilt es jeweils hinter sich zu lassen, wobei pro Lauf 40 bis 50 Autos der verschiedenen Klassen gleichzeitig ins Rennen gehen. Beim Saisonauftakt in Spielberg/Österreich hatte Widmann mit Platz eins und zwei der Spezialtourenwagen-Klasse seine Anwartschaft auf den Titelgewinn deutlich gemacht.
Weil der gebürtige Oberbayer in Brünn/Tschechien nicht am Start war, liegt er aber nicht in Führung. Seine aktuelle Platzierung im Gesamtklassement kennt Michael Widmann nicht: „Ich kann gar nicht genau sagen, wo ich stehe. Der Punktestand interessiert mich erst am Schluss der Saison. Irgendwo im Vorderfeld dabei bin ich auf jeden Fall.“
Mit dem Motorsport begann der Bergheimer Kfz-Experte schon in seiner Jugend, machte dann aus beruflichen Gründen aber 20 Jahre Pause. 1981 startete er neu durch, wurde unter anderem bayerischer Bergmeister, war beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring unterwegs und fuhr den ADAC-GT-Cup. Den Gesamtsieg des „Histo-Cup Austria“ feierte er 2009.
Am kommenden Wochenende, 18./19. Juni, hat Widmann Hockenheim im Visier: „Vorher wird das Auto nochmals durchgecheckt. Dann kann’s flott weitergehen.“ In diesem Jahr noch bei Renntagen auf dem Salzburgring, Slovakiaring und schließlich beim Finale vom 23. bis 25. September auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza/Italien.
Wie lange Michael Widmann noch Vollgas geben will? „Bis sie mich aus dem Auto schießen“, lacht der 75-Jährige, der auf der Rennstrecke seine Gaudi hat: „Wenn ich gewinne, macht es Spaß, weil dann die Konkurrenz allerweil recht blöd schaut …“ Etwas ernsthafter fügt er hinzu: „Solang ich noch vorne mithalten kann. Ich will schließlich nicht, dass mich die Gegner aus Mitleid überholen lassen.“
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