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19. März 2010 19:20 Uhr

Altern kann man nicht auf morgen verschieben

Donauwörth "Wir alle haben uns auf ihn gefreut", sagt Oberbürgermeister Armin Neudert im Tanzhaus und meint damit Dieter Hildebrandt, der bald darauf die Bühne betreten wird. Muss man erklären, wer Dieter Hildebrandt ist? Unvorstellbar. Und dennoch. Angesichts der Tatsache, dass er seit der letzten Sendung "Scheibenwischer" in 2003 nicht mehr regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist und es unter den Lesern dieser Zeitung sicher viele gibt, die den etwas höher liegenden Altersdurchschnitt der im Tanzhaus anwesenden Zuschauer bei Weitem unterschreiten, sei hier erwähnt, dass es sich bei Dieter Hildebrandt um einen heute 82-Jährigen, in München lebenden Kabarettisten handelt, der das politische Geschehen in der Bundesrepublik seit über einem halben Jahrhundert scharfzüngig und überaus humorvoll kommentiert. Von Barbara Sagel

Und als er nun also als Gast des Donauwörther Kultur-Frühlings oder als Teil desselben die Bühne des sehr gut besuchten Tanzhauses betritt, fällt zunächst auf: Er hat sich gar nicht verändert. Ein höflicher Austausch mit dem Oberbürgermeister, ein paar Worte zu früheren Besuchen in Donauwörth, und schon ist er mittendrin im aktuellen politischen Geschehen.

Dass Guido Westerwelle darin eine große Rolle einnimmt, ist eine Tatsache. Und dass Dieter Hildebrandt - von dem das SPD-Blatt "Vorwärts" schreibt, er sei seit Jahren SPD-Mitglied - den FDP-Chef und Außenminister nicht schont, überrascht niemanden. Dass man darüber so herzlich lachen kann, liegt an Hildebrandts Begabung, in der Realität das Absurde zu entdecken, trockene Fakten in Wortspiele zu kleiden und überraschende gedankliche Wendungen zu vollziehen. Mühelos reißt er das Publikum mit in seinen selten versiegenden Redefluss mit unvorhergesehen auftauchenden Abzweigungen in gelegentlich unvollendete Sätze und Wörter, die die Zuhörer ebenso mühelos gedanklich vervollständigen. Dankbar lohnen sie die rasante Fahrt mit fast ununterbrochenen freudigen, schadenfrohen, erleichterten Lachern. Tut es doch so gut, die weitgehend freudlose politische Realität mal von der komischen Seite zu betrachten.

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"Ich lese gleich", merkt Hildebrandt immer wieder an und meint damit die angekündigten Zitate aus seinem Buch "Nie wieder achtzig". Scheinbar schnodderig geht er jedoch immer wieder darüber hinweg und schafft es so schließlich bis zur Pause, ohne das Buch auch nur aufgeschlagen zu haben. Was er jedoch im zweiten Teil nachholt; somit das thematische Spektrum auf vielfältigere und zuweilen etwas persönlichere Inhalte erweiternd.

"Das Altern kann man nicht auf morgen verschieben", stellt der jung gebliebene Kabarettist fest, "weil man dann noch älter ist". Und wieder offenbart er die etwas andere Sichtweise der Dinge: "Zweiundachtzig - die Zahl schreckt mich in keiner Weise, weil, das wird mir ja nie mehr passieren." Eine schöne Feststellung, ein besonderer Abend, Höhepunkt im Kultur-Frühling.

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