Dienstag, 21. Mai 2013

16. Oktober 2009 19:10 Uhr

Archäologen bauen auf Ehrenamtliche

Donauwörth (wwi) - Rund 10 000 Menschen in Bayern interessieren sich so stark für im Boden verborgene Reste menschlicher Kultur aus vergangenen Jahrtausenden, dass sie sich in verschiedenster Weise ehrenamtlich engagieren - als Heimatpfleger, Mitarbeiter der amtlichen Denkmalpflege, in Arbeitskreisen und in Vereinen. Einer dieser Menschen ist Kreisheimatpfleger Erich Bäcker (Donauwörth), der laut Landrat Stefan Rößle als "wandelndes Geschichtsbuch" im Donau-Ries-Kreis unterwegs ist. An diesem Wochenende kommen bei der Jahrestagung 2009 "Archäologie in Bayern" in der Großen Kreisstadt rund 250 Menschen zusammen, die sich der Bodendenkmalpflege verschrieben haben.

Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern wollen mit dieser Veranstaltung alle zwei Jahre die Ehrenamtlichen mit den Archäologen zusammenbringen und die Hemmschwelle gegenüber staatlichen Institutionen abbauen.

Modelprojekt gestartet

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Das Verhältnis zwischen Archäologie und Ehrenamt steht dem bayerischen Generalkonservator Professor Dr. Egon Johannes Greipl zufolge diesmal besonders im Mittelpunkt. Grund: Am 1. September startete ein Modellprojekt. Bei diesem betreuen ab sofort zwei Wissenschaftler die ehrenamtlich Tätigen im Freistaat, die nach Angaben der Experten unverzichtbar sind. Diese Menschen, Museen und Vereine sollen besser vernetzt werden. Im Zentrum stünden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, betonen die Verantwortlichen. Es sind Vorträge, Seminare und praktische Schulungen geplant. Den Interessierten soll beispielsweise gezeigt werden, wie Funde aufbewahrt und gekennzeichnet werden oder wie Ausstellungen am besten präsentiert werden. Es soll nicht nur bloßen Rat der Experten geben. Viele Initiativen können auch finanziell gefördert werden.

Ansprechpartner für Schwaben und Altbayern ist Mario Bloier (Telefon 089/2114-350). Landeskonservator Dr. Sebastian Sommer bezeichnete die beiden Archäologen als "enorme Verstärkung" für das Landesamt für Denkmalpflege. Professor Dr. Bernd Päffgen, Vorsitzender der Gesellschaft für Archäologie in Bayern, hofft, dass das zunächst auf zwei Jahre befristete Modell "dauerhafte Strukturen annimmt". Es sei richtungsweisend für ganz Deutschland. Bernd Sibler, Mitglied des Landtags und Vorsitzender des Landesdenkmalrats, sieht in dem Projekt einen enormen Imagefaktor: "Er wird das historische Bewusstsein in Bayern schärfen."

Wie wichtig das Engagement vieler Bürger in der Bodendenkmalpflege ist, betonte auch Gudrun Reißer, Leiterin der Museen der Stadt Donauwörth: "Die Hauptfunde in unserer Region kommen von Ehrenamtlichen." Ohne die gäbe es zum Beispiel das Archäologische Museum in der Stadt gar nicht. Oberbürgermeister Armin Neudert und Landrat Rößle verwiesen auf die Vielzahl von Boden- und Baudenkmälern im Donau-Ries-Kreis und die Notwendigkeit der Denkmalpflege. Die Teilnehmer der Jahrestagung werden in insgesamt 24 Vorträgen über die neuesten Ergebnisse von Ausgrabungen in Bayern informiert. Dabei geht es auch um den Mangoldfelsen in Donauwörth, die Via Claudia bei Bäumenheim und die römische Siedlung in Munningen (wir berichteten).

Heute hält Dr. Helmut Schlichtherle um 20 Uhr im Tanzhaus einen öffentlichen Vortrag zu vorgeschichtlichen Pfahlbauten. Eine 110 Kilometer lange Exkursion zu Bodendenkmälern im Landkreis steht am Sonntag auf dem Programm.

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