Das Ensemble Gregorianika aus der Ukraine sorgt im Kaisersaal in Kaisheim für ein besonderes Hörerlebnis
Kaisheim Mit festen Schritten betraten sieben, in schlichte, grau-blaue Mönchskutten gehüllte Gestalten die Bühne des Kaisheimer Kaisersaals, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Sofort verstummte das Gesprächsgemurmel im Publikum und wich einer erwartungsvollen Stille, die sogleich durchbrochen wurde von einer sonoren Bassstimme, in welche die anderen sechs Sänger umgehend einstimmten. Das Ensemble Gregorianika aus der Ukraine präsentierte eine Mischung aus mittelalterlichen Chorälen und eigenen Kompositionen. Der Bassist und Leiter des Ensembles, Oleksiy Semenchuk, sowie die anderen sechs Mitglieder hatten in der Ukraine eine klassische Gesangsausbildung absolviert und lernten sich 2002 in Lwiv am Gesangskonservatorium kennen. Sie entdeckten ihre gemeinsame Leidenschaft für die gregorianischen Gesänge, also den einstimmigen, ursprünglich unbegleiteten liturgischen Gesang in der katholischen Kirche, der fester Bestandteil der Liturgie war.
Doch Gregorianika singt nicht nur gregorianische Choräle im herkömmlichen Sinn, sondern auch vierstimmige Kompositionen aus dem Spätmittelalter beziehungsweise der Renaissance wie das „Ave verum“ und „Ave Maria“ sowie eigene Kompositionen und Werke und Songs zeitgenössischer Komponisten.
Enorme Klangdichte und ungeheuere Bühnenpräsenz
Wohltuend minimalistisch, völlig ohne Effekte, dafür mit einer in sich ruhenden Ausstrahlung intonierte das Ensemble seine Lieder und Choräle. Dabei überzeugten die Musiker mit äußerster Präzision und Homogenität im Chorklang sowie einer enormen Bandbreite an dynamischer Differenziertheit, vom leisesten Pianissimo bis hin zum strahlenden Forte. Die fließenden Melodien ließen nur erahnen, wo die Sänger ihre Atemzäsuren setzten. Durch geschicktes chorisches Atmen erreichen sie eine enorme Klangdichte und eine ungeheure Bühnenpräsenz.
Begeistert von der Atmosphäre und den Darbietungen des Chores erklatschte sich das Publikum zwei Zugaben, ehe Gregorianika den erbaulichen Abend in Kaisheim mit „Guten Abend, gut Nacht“ ausklingen ließ.
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