Mittwoch, 22. Mai 2013

31. Januar 2012 18:45 Uhr

Jagd bei Mertingen

Blutiger Kampf im Moor

Josef Steidle hat eine gefährliche Situation überstanden. Sein Gegner war ein angeschossenes Wildschwein. In einem Moorgebiet bei Mertingen spielten sich dramatische Szenen ab.

Mit einem angefahrenen oder angeschossenen Wildschwein ist nicht zu spaßen. Das weiß jeder Jäger. Wenn es sich um einen kapitalen Keiler handelt, der schätzungsweise 80 Kilogramm auf die Waage bringt, ist höchste Vorsicht geboten. Ein solches Tier hat in Extremsituationen keine Scheu mehr, kann auch einen Menschen angreifen und diesen – wie in der Region bereits geschehen – schwer verletzen. Vor diesem Hintergrund bekommen die Szenen, die sich am Montagnachmittag in einem Moorgebiet nahe Mertingen abgespielt haben, durchaus dramatischen Charakter.

Bei dem Versuch, ein angeschossenes Wildschwein von seinen Leiden zu erlösen, geriet Josef Steidle in eine ziemlich gefährliche Lage. Mit Glück und Geschick blieb er unversehrt. Zwei Hunde kamen nicht so glimpflich davon.

ANZEIGE

Doch der Reihe nach: Am späten Sonntagnachmittag entdeckte Steidle neben der Ortsverbindungsstraße zwischen Mertingen und Heißesheim im Schnee die Fährte einer Wildsau. Diese hinterließ aber auch eine deutliche Blutspur. Der passionierte Waidmann – er geht seit über 25 Jahren auf die Jagd und hat das Revier „Mertingen II“ gepachtet – erkundigte sich bei der Polizei, ob in der Nähe ein Wildunfall gemeldet worden war. Fehlanzeige. Steidle und ein Beamter folgten der Spur ein Stück weit und stellten fest, dass der Schwarzkittel angeschossen worden sein muss.

Am folgenden Tag trommelte Josef Steidle gut ein Dutzend Jäger zusammen, um systematisch nach dem Tier zu suchen, das allem Anschein nach von stattlicher Größe war. Die Fährte führte ins „Langweidle“. Dort wurde einst Torf gestochen. Das Gebiet ist noch immer sumpfig und schwer zugänglich.

Wildschwein schleuderte die Hunde weg

Als einer der Hunde ein Stück weit entfernt laut bellte, war sich Steidle sicher, dass er das Wildschwein aufgestöbert hatte. Das Problem: Die Stelle war mitten im dichten Schilfrohr. Zudem erschweren dort Büsche und Bäume die Sicht und das Vorankommen. Der Waidmann ließ sich nicht abschrecken und stapfte auch dann noch weiter, als er bis zum Knie im nassen und weichen Untergrund versank. Bei einer Temperatur von mehreren Grad minus liefen dem Mann die Gummistiefel voll Wasser. „Man merkt das in diesem Moment nicht“, wiegelt der bärtige, kräftige Mann ab. Er ließ auch seinen zweiten Hund von der Leine. Plötzlich sei aus dem Schilf ein Keiler in eingangs besagter Größe „voll auf mich zugekommen“, schildert der Mertinger. Der war in diesem Moment ganz auf sich alleine gestellt. Ein anderer Jäger steckte etwa 20 Meter entfernt ebenfalls tief im Moor. Auf die Hunde konnte Steidle – was er in diesem Augenblick nicht wusste – nicht mehr zählen. Der mächtige Keiler mit den spitzen, etwa 20 Zentimeter langen unteren Eckzähnen hatte die beiden Terrier weggeschleudert und erheblich verletzt.

Das Tier mit dem Messer getötet

Josef Steidle konnte mit einer sogenannten Saufeder – einem rund 1,70 Meter langen Spieß – den Angriff des Wildschweins abwehren. Mit einem Messer gelang es schließlich dem 58-Jährigen, der sich in dem Sumpf nur eingeschränkt bewegen konnte, das Tier zu töten. „Man bringt das zu Ende – zum Schutz der Hunde, und damit das Schwein erlöst wird“, sagt der Jäger unaufgeregt. Im „Jagdbetrieb“ sei so etwas eigentlich nichts Besonderes, merkt er an: „Das ist Tagesgeschäft. Man vertraut auf seine Hunde, seine Waffen und seine Erfahrung.“ Er habe schon mehrere Erlebnisse dieser Art gehabt, berichtet der ausgebildete Hundeführer.

Während Josef Steidle heil blieb, setzte der Keiler den Hunden Igor und Birka böse zu. Einem schlitzte das Wildschwein das Fell an der Brust auf, dem anderen biss es in ein Vorderbein. Beide Hunde mussten zum Tierarzt gebracht werden und tragen jetzt dicke Verbände.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Die neuesten Kommentare

Schlagworte

Mertingen | Wildschwein | Jagd

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Anzeige

Neu in den Foren

Veranstaltungen vom 22.05.2013
Partnersuche