Kreisheimatpfleger Erich Bäcker referiert über die Monheimer Alb und Blossenaus interessante Geschichte des Eisenerz-Bergbaus



Tagmersheim-Blossenau In der Monheimer Alb ist der geografische „Stachus“ Bayerns. Hier treffen die schönsten Landschaften Deutschlands zusammen. Mit diesem charmanten Kompliment hatte Kreisheimatpfleger Erich Bäcker die Blossenauer sofort auf seiner Seite.
Es wäre freilich gar nicht notwendig gewesen, denn die Fülle der historischen Informationen und die vielen Anekdoten sorgten per se für einen sehr unterhaltsamen Abend über den Blossenauer Bergbau. Übrigens, die Landschaften, die am „Blossenauer Stachus“ zusammentreffen, sind das Urdonautal, der Naturpark Altmühltal mit seinen weltberühmten Fossilienfundstätten, die Monheimer Alb, das Ries, das Wörnitztal, das fränkische Seenland und das Donautal. Im Mittelpunkt des kurzweiligen Vortrages stand die Geschichte des Eisenerzabbaus in der kleinen Jura-Gemeinde, die vor 150 Jahren zuende ging.
Tradition des Barbaratags
Für Bäcker ein schöner Anlass die Tradition des Barbaratags nochmal im ehemaligen Stammlokal der Erzgraber aufleben zu lassen. Zu Ehren ihrer Schutzpatronin war der 4. Dezember der Festtag der Bergleute. Auch in Blossenau war der Eisenerzabbau zwischen 1813 und 1860 ein wichtiger Erwerbszweig. Rund um das Dorf gab es zahlreiche Gruben. Das Erz wurde im Tagebau in acht bis zehn Meter Tiefe gewonnen und musste anschließend gereinigt werden. Dies geschah beispielsweise im Berger Weiher, in der Fuchsgrube (heute Sportplatz), im Stippach oder in der Ussel. Das Bohnerz beförderten Pferdefuhrwerke nach Obereichstätt in die Eisenhütte, wo es verarbeitet wurde. Aus fünf bis sechs Zentnern Letterz wurden ein bis zwei Zentner Eisen gewonnen. Das Blossenau Erz war durchaus von guter Qualität, wie Bäcker betonte.
Schon ab dem 6. Jh. v.Chr., zur Zeit der Kelten, gab es nachweislich Eisenerzabbau in der Monheimer Alb. Einen hohen Wert hatten zu dieser Zeit Eisenbarren, die etwa fünf Kilogramm wogen und für Notzeiten vergraben wurden. Bäcker forderte die Blossenauer auf, die Augen offen zu halten, denn es könnten auch heute noch welche gefunden werden. Die Römer legten ihre Straßen um den Verlauf des Limes so an, dass sie die Eisenerzvorkommen zum Waffen- und Werkzeugbau nutzen konnten.
Die Leitung des Eisenerzabbaus in Blossenau übernahm 1844 Thomas Ritter ein ausgebildeter Bergmann. Der Steiger, wie er genannt wurde, war hoch angesehen und stellte Männer aus dem Dorf und der Umgebung ein.
Es war sicher eine harte Arbeit winters wie sommers, brachte aber ein verhältnismäßig gutes Einkommen. Von der Bergbauzeit zeugen das gusseiserne Schild im Gasthaus Daum mit der Aufschrift „Glück auf. Gott segne den Bergbau!“ und die gusseiserne Vorgrabtafel der Steigerin und Frau Thomas Ritters im Blossenauer Friedhof. Beides laut Bäcker Raritäten, die es nur in Blossenau gibt.
Große Feiern
Der ganze Stolz der Bergleute, insbesondere der Steiger, war ihre Knappenuniform, die sie natürlich auch am Barbaratag trugen, wenn in der Dorfwirtschaft groß gefeiert wurde.
Musik gehörte da unbedingt dazu und so spielte auch am Vortragsabend Hans Löffler mit seiner Steyrischen auf. In gemütlicher Runde wurden noch manche Erinnerungen und Geschichten ausgegraben, zur Freude des Kreisheimatpflegers: „Oft wissen die Leute mit ihrer Ortskenntnis viel mehr als ich und geben mir wichtige Mosaiksteinchen für die Geschichte unserer Heimat.“ Die nächste Exkursion plant Bäcker im Frühjahr, dann geht es zu den Bodendenkmälern der vorrömischen Zeit des Erzabbaus in der Monheimer Alb. (evm)
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: