Donauwörth (hgs) - Schon die Musik war voller Bilder. Die lyrischen und erzählenden Texte natürlich erst recht. So war es ein Bilderbogen, den die Musiker der "Grupo Sal" und der Erzähler Professor Fulbert Steffensky in der Christuskirche Donauwörth aufschlugen. Das Donauwörther Publikum erlebte einen Abend ganz anderer Art. Nachdenkliche Texte wechselten sich mit lateinamerikanischer Musik ab.
Als Höhepunkt erschien die allererste Lesung über den "Zöllner Zachäus". Die biblische Geschichte rezitierte Steffensky zu Kontrabass, Klarinette und Bassquerflöte, eine faszinierend außergewöhnliche Klangkombination. Immer wieder unterbrochen von puren Wortbildern wie dem "Steinherz" des Zachäus', dessen Name unpassenderweise "Gerechter" bedeutet. Der nur reich ist aufgrund der Anderen, der Alten, der Fischer, des Kindes. Jesus aber spricht ihn an, als wäre er dieser Gerechte, kitzelt so dessen Seele heraus und macht aus dem Herz aus Stein ein Herz aus Fleisch, was viel schwerer ist, als einen Sturm zu stillen. Murrende Halbtöne interpretierten die Zeitgenossen Zachäus'. Ein Höhepunkt wegen der lyrischen Sprache und der Verquickung der beiden Elemente Wort und Musik auf der Bühne.
Am übrigen Abend zeigten sich die beiden Akteure getrennt, im steten Wechsel miteinander (siehe weiteren Bericht).
Wegen der Jahreszeit thematisierte Fulbert Steffensky die Toten und erinnerte an die Pogromnacht. "Seht, welch ein Mensch." "Die Toten wärmen uns." "Wer ein Problem mit den Eltern hat, muss sich selbst beweisen, immer ein Original sein. Wer dagegen Tote und eine Herkunft hat, muss nicht an sich selbst verhungern", so einige Wortfetzen.
In einer anderen Sequenz erfindet der Professor für Religionspädagogik einen Dialog zwischen der Bürgerkirche St. Katharinen und der Armenkirche St. Annen in Hamburg. "Das Evangelium trennt auch, es ist niemals nur ein fauler Kompromiss."
Die Bilder und Gedanken des 75-jährigen Wahl-Hamburgers flirren schnell vorbei. Sein Tonfall ist etwas monoton, das mutet zunächst unpersönlich an, doch wirken dadurch die Worte und Bilder umso mehr.
Und dann wird es doch persönlich, als er über seine Besuche am Grab seiner Frau philosophiert. 1969 heiratete Steffensky die Theologin Dorothee Sölle, die 2003 verstarb. "Das Leben geht weiter, Männer trinken Bier, Kinder spielen Verstecken." "Die Bank vorm Grab war eine Marterbank, eines Tages hörte ich wieder einen Vogel singen, Frühling spross aus den Zweigen."
Publikum erklatschte sich eine Zugabe
Steffenskys letzter Text des Abends widmete sich seinen Enkeln. Drei Wünsche gab er ihnen mit auf den Weg: Brot für alle Menschen und dass sie nicht ums Überleben kämpfen müssen. Grenzen, die zeigen, dass nicht alles möglich ist. Christen werden, als Sprache der Hoffnung, Freiheit und Würde der Menschen, denn die Schöpfungsgeschichte sagt vom Anfang: es war gut.
Insgesamt standen Texte und Musik gleichwertig nebeneinander. Da war nicht einer der Rahmen des anderen. Manchmal war es schwierig, aus der Tiefgründigkeit der Worte wieder umzuschalten auf die leidenschaftliche Spielfreude der Musiker und doch erklatschte sich das angerührt-begeisterte Publikum von beidem eine Zugabe.
In einer Pause wurden neben Getränken Infos, eine Spendensammlung für Bolivien, Bücher, CDs, Artikel aus dem Weltladen, Autogramme und vieles mehr angeboten. Genug Stoff, um den Bilderbogen zu Hause weiter malen zu können.
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