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Handwerk: Ein Stück Geschichte

Handwerk

Ein Stück Geschichte

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    Wirklich ein kleines Kunstwerk ...
    Wirklich ein kleines Kunstwerk ...

    Wolferstadt Eigentlich wäre Gregor Bosch gerne Schreiner geworden. Dass der 71-Jährige auch großes Talent für diesen Beruf gehabt hätte, zeigt sich an seinem ungewöhnlichen handwerklichen Hobby: In einer kleinen Werkstatt bei ihm zu Hause fertigt er detailgetreue landwirtschaftliche Modellwägen aus Holz.

    Früher standen in seiner selbst-eingerichteten Werkstatt nicht Kreissäge und Hobelmaschine, sondern Nutztiere – Kühe und ihre Kälber, um genau zu sein. Denn Bosch lebt in Wolferstadt auf dem ehemaligen Milchhof seines Vaters, auf dem er aufgewachsen ist. Mittlerweile sind die Tiere und Gerätschaften des Hofes lange verkauft, was aber bleibt, sind die Erinnerungen an eine Zeit, in der Traktoren noch Luxus waren. Und genau diese Zeit hat Bosch noch lebhaft vor Augen. Aus dem Gedächtnis baut er rund 40 Zentimeter lange und 15 Zentimeter breite Modell-Holzwägen, wie sie früher für die Arbeit auf dem Hof notwendig waren. „Schon als kleiner Junge habe ich auf dem Hof meines Vaters mitgeholfen“, erzählt Bosch. Daher fällt es dem Hobbyschreiner auch nicht schwer, sogar nach über 60 Jahren noch genau zu wissen, wie die Wägen auf dem Hof aussahen, um sie nachbauen zu können.

    „Wenn ich ohne Unterbrechung an einem Wagen arbeiten würde, würde es ungefähr drei bis vier Wochen dauern, bis er fertiggestellt wäre“ erklärt Bosch. Gerechnet an der Anzahl der Arbeitsstunden sind die Mini-Nachbauten also eigentlich unbezahlbar. Zudem sind sie ein echtes Stück Geschichte. Denn nicht nur das Aussehen der Wägen ist detailgetreu. Sie funktionieren auch genauso so wie die realen Vorbilder. Da Bosch früher auf dem Hof seines Vaters auch die Reparaturarbeiten an Maschinen übernahm, holte er sich so das Allgemeinverständnis für die Funktionsweise der landwirtschaftlichen Geräte. „Es wäre viel zu teuer gewesen, die Maschinen reparieren zu lassen“. Ähnlich aufwendig ist der Herstellungsprozess der Modelle. Aus bis zu 70 Einzelteilen kann ein Wagen bestehen. Dafür arbeitet der 71-Jährige mit einer Handfräse und hobelt einzelne Kleinteile von Hand nach. Die Räder der Wägen drechselt er an der Maschine und denkt auch dabei an jedes Detail: Wie es früher üblich war, kommt auf die Felgen ein Beschlag, den Bosch aus einem Eisenring biegt und mit Nägeln befestigt.

    Vom Oktoberfest inspiriert

    Nach und nach entstanden rund 30 Nachbauten von Leiter-, Heu-, Kasten- oder auch Festwägen aus Fichten- oder Buchenholz. Bei zwei dieser Festwägen hat er sich vom Münchner Oktoberfest inspirieren lassen, denn neben dem originalen Schriftzug des Münchner Hofbräuhauses schmücken zahlreiche kleine Holz-Bierfässchen die beiden Miniwägen. Mit einem Wagen verbindet Bosch besondere Erinnerungen. „Mit so einem Langholzwagen habe ich früher selbst das geschlagene Holz nach Wemding gebracht“, erzählt er und zeigt auf ein Modell, auf dem originalgetreue Mini-Holzstämme gelagert sind.

    „Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ich sehr gerne Schreiner geworden, aber ich wurde für die Arbeit am Hof gebraucht und dann war es für eine Ausbildung zu spät. Irgendwann war der Hof nicht mehr rentabel und man hätte viel investieren müssen, um weiter landwirtschaftlich zu arbeiten. Also blieben meine Familie und ich zwar auf dem Hof wohnen, gearbeitet habe ich dann aber als Sicherheitsfachkraft“, erzählt der 71-Jährige. Seinen Berufswunsch hat Bosch aber nie aufgegeben und ihn schließlich zu seinem Hobby gemacht. Und die Ergebnisse seines Hobbys zeigt Bosch auch gerne her. Bereits auf zwei Ausstellungen war er dabei – und es können mehr werden. „Wer sich für meine Wägen interessiert, kann sehr gerne mit mir Kontakt aufnehmen.“ (pm/dz)

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