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07. Juni 2009 21:40 Uhr

Ein ganzes Dorf ist "verrückt" nach erneuerbarer Energie

Monheim-Wittesheim (wwi) - Wittesheim zählt nur gut 200 Einwohner, hat zwei Wirtshäuser, liegt auf der Monheimer Alb versteckt in einem Talkessel und ist umgeben von Wäldern. Ein Außenstehender vermutet dort auf den ersten Blick nicht unbedingt einen Ort des Fortschritts. Doch das ganze Dorf ist energieverrückt.

Monheim-Wittesheim (wwi) - Wittesheim zählt nur gut 200 Einwohner, hat zwei Wirtshäuser, liegt auf der Monheimer Alb versteckt in einem Talkessel und ist umgeben von Wäldern. Ein Außenstehender vermutet dort auf den ersten Blick nicht unbedingt einen Ort des Fortschritts. Doch bereits auf den zweiten Blick fallen Kollektoren auf vielen Dächern und das große Windrad auf einer Anhöhe über dem Dorf auf. Und wer mit Hans Glaß spricht, erfährt schnell, dass die Wittesheimer ein Kernproblem unserer Zivilisation längst erkannt und eine Vorbildfunktion übernommen haben. "Das ganze Dorf ist energieverrückt", erklärt Glaß. Soll heißen: Die Bewohner erzeugen auf vielerlei Weise alternativen Strom, bereiten sich durch die Kraft von Sonne ihr Warmwasser und heizen ihre Wohnungen mit dem Brennstoff Holz aus den Wäldern der Umgebung.

Dank des Windrads - es ist das einzige im Donau-Ries-Kreis -, einer Biogasanlage und der Fotovoltaik auf den Dächern jedes zweiten Anwesens bringe es Wittesheim auf über 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr, rechnet der Geschäftsführer der Erneuerbare Energien Wittesheim GmbH & Co. KG - die betreibt das Windrad - vor: "Die Wittesheimer produzieren somit das etwa 20-fache des Stroms, den sie selbst verbrauchen."

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Um vielen Menschen zu zeigen, "dass es eigentlich sehr einfach ist, die Energiereserven zu schonen und kohlendioxidneutral Energie zu erzeugen", veranstaltete die Dorfgemeinschaft gestern einen "Energietag". Zum Programm gehörten Führungen an den Energieanlagen. Aussteller aus dieser Branche präsentierten ihre Produkte und ein 360-PS-Häcksler verwandelte unter großem Getöse Kiefernstämme in Hackschnitzel. Solche produziert Hans Herb in seinem Forstbetrieb massenweise. Der Landwirt verarbeitet jährlich rund 20 000 Festmeter Holz zu Brennstoff. In seinem Heimatort hat er nicht allzu viele Kunden: "Die meisten machen noch selbst ihr Holz im Wald."

Der "Holz-Hans", wie sie Herb im Dorf rufen, ist inzwischen ein Verfechter der erneuerbaren Energie. Er ist einer von 65 Bürgern, die am Windrad beteiligt sind und er hat auf dem Dach seines Anwesens eine Fotovoltaikanlage montiert: "Den Leuten soll bewusst werden, dass es auch anders geht."

Ihren Ursprung hat die Wittesheimer Energie-"Verrücktheit" in den 1990er Jahren. Nach dem sonntäglichen Kirchgang, beim Dämmerschoppen oder bei anderer Gelegenheit hätten die Bewohner viel über erneuerbare Energien diskutiert, schildert Glaß, auch "Wind-Hans" genannt. Die ersten Fotovoltaikanlage im Dorf entstand 1994. Zwei Jahre später ging es mit den Warmwasserkollektoren los. "Dann ging es Schlag auf Schlag", so Glaß. Immer wieder hörte er den Einwand, das würde sich doch nicht rentieren. "Ich habe nie nachgerechnet. Ich wollte das haben", lautete die Antwort, denn: "Andere kaufen sich Alufelgen für ihr Auto. Das rechnet sich doch auch nicht."

Größere Projekte derzeit nicht mehr möglich

Die Bewohner in dem Monheimer Stadtteil investieren unverdrossen weiter. In der vorigen Woche gingen zwei weitere Fotovoltaikanlagen auf Dächern in Betrieb. Größere Projekte können die Wittesheimer derzeit allerdings nicht mehr anpacken, so Glaß. Die 20 Kilovolt-Leitung, die aus dem Ort führe, sei "voll": "Wir kriegen den Strom nicht mehr raus." Mancher Bewohner sei deshalb schon in auswärtige Anlagen - beispielsweise Windparks - eingestiegen. Vielleicht haben die Wittesheimer den ein oder anderen Gast mit dem "Energie-Fieber" angesteckt. Einige tausend Besucher informierten sich beim "Energietag" aus erster Hand.

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Bilder vom "Energietag" unter www.donauwoerther-zeitung.de/bilder

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