Donauwörth An der Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate scheiden sich die Geister. Während die Regierung ihre Reform verteidigt, melden sich Kritiker. Roland Eigen, der zurzeit seinen Wehrdienst in Donauwörth ableistet, sieht die Bundeswehr noch vor einigen Aufgaben, um die Umstellung zu meistern: "Nach der Grundausbildung und weiteren Kursen, wie zum Beispiel dem Bundeswehrführerschein, würden mit der Reduzierung noch ein bis zwei Monate richtige Dienstzeit bleiben. Damit man weiterhin effektiv arbeiten kann, muss sich deshalb in der inneren Struktur des Wehrdienstes noch etwas tun."


Nach der Allgemeinen Grundausbildung (AGA) ist der Kaisheimer nun seit Mitte Oktober als Kommandeursfahrer aktiv. "Neben dem Fahrdienst muss ich Unterlagen vorbereiten und andere Verwaltungsaufgaben erledigen", erzählt der 23-Jährige. Er ist zum Beispiel für die Karten zuständig, die zur Planung von Übungen und Geländemärschen dienen.
Sein Arbeitstag beginnt um 6.45 Uhr und endet um 16.15 Uhr, außer am Freitag, denn da ist schon um 12 Uhr Feierabend. "Ich kann allerdings nicht um Viertel nach Vier den Bleistift fallen lassen", berichtet Roland Eigen, "wenn ich noch den Kommandeur wohin fahren muss, dann mache ich auch Überstunden". Aufgrund der Nähe zu seiner Heimatgemeinde wohnt Eigen nicht in der Kaserne, sondern zu Hause. "Momentan ist es fast wie ein normaler Beruf", sagt der Kaisheimer, "nur dass ich eine Uniform trage".
Im Gegensatz dazu war die Grundausbildung deutlich militärischer geprägt. "Ich übernachtete in der Kaserne und feste Arbeitszeiten gab es nicht", schildert der junge Mann seinen Alltag in der AGA.
In dieser Zeit lernte er das korrekte Verhalten im Feld und den richtigen Umgang mit der Waffe. Daneben gab es Unterrichtsstunden zur politischen Bildung. "Der Umgangston war in der Grundausbildung schon härter, aber daran gewöhnt man sich schnell", so der Soldat. Ansonsten sei die Stimmung aber durchwegs angenehm und mit seinen Kameraden hat sich der Kaisheimer in der AGA gut verstanden: "Zusammen sind wir durch dick und dünn gegangen, und wenn einer ein Problem hatte, dann haben wir ihm geholfen." Schade sei nur, dass man sich nach dem AGA kaum noch treffe, "da wir auf unterschiedliche Züge aufgeteilt wurden".
Für die Bundeswehr entschied sich der junge Mann, weil er sich eine Herausforderung wünschte. "Vor allem, dass man viel Sport macht, erschien mir reizvoll", sagt er und fügt hinzu: "Ich wollte mir außerdem einmal ein Bild von der Truppe machen, da ich von vielen gehört habe, dass der Wehrdienst ein Erlebnis ist."
Disziplin gehört dazu
Große Erwartungen hatte Roland Eigen aber nicht. Er erzählt, dass am Anfang alles sehr geordnet wirke und Disziplin natürlich dazugehöre, dass man sich aber auch schnell eingewöhnen könne, wenn man sich an die Spielregeln halte. Das hat der Kaisheimer offensichtlich gemacht, denn jetzt hat er großen Spaß an seiner Tätigkeit. "Die Aufgaben gefallen mir." In der Grundausbildung habe er mit seinen Kameraden oft Fußball und Völkerball gespielt. Der Wehrdienst sei eine "Abwechslung zur Routine des Alltags".
Angst davor, im Ernstfall die Waffe gegen andere Menschen zu richten, hat der Kaisheimer nicht: "Natürlich macht man sich seine Gedanken darüber, aber das ist zu hypothetisch, da ein wirklicher Ernstfall unwahrscheinlich ist und ich als Wehrdienstleistender nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen muss."
Ein einzigartiger Moment in seinem Dienst sei das Gelöbnis auf der Harburg gewesen: "Es war eine tolle Atmosphäre. Wir standen in Reih und Glied, die Militärkapelle spielte. Und plötzlich merkt man, welche Verantwortung man durch den Eid auf sich genommen hat." Gleichzeitig sei er aber auch stolz, dem Vaterland zu dienen und Recht und Freiheit zu verteidigen.
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