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19. März 2010 19:20 Uhr

Gestörte Gartenidylle

Rain Das Frühjahr ist die Hauptsaison bei der Firma Dehner. Mit jedem Sonnenstrahl strömen mehr Kunden in die Filialen des Gartencenters. Sie kaufen Blumen, Pflanzen, Werkzeug oder Gartenmöbel, um sich daheim eine besondere Form von Idylle zu schaffen. Doch diese beschauliche und friedliche Atmosphäre scheint bei dem Familienunternehmen derzeit zumindest intern etwas gestört. Jetzt geht die Firma in die Offensive.

"Das Vorgehen der Gewerkschaft ist bodenlos", schimpft der Geschäftsbereichsleiter Personal, Peter Kreil. Sein Ärger richtet sich gegen die von Verdi in dieser Woche ausgerufenen Warnstreiks, die am Dienstag und Mittwoch in mehreren Filialen durchgeführt wurden. Damit protestierte ein Teil der Beschäftigten gegen den Ausstieg des Unternehmens aus den Arbeitgeberverbänden und den Wechsel in den sogenannten OT-Status, also ohne Tarifbindung, im vergangenen Jahr (DZ berichtete). "Wir haben uns diesen Schritt gut überlegt und werden ihn sicher nicht, wie von der Gewerkschaft gefordert, rückgängig machen", betont Kreil und legt Wert auf die Feststellung, dass die Arbeit bei Dehner deshalb immer noch "menschenwürdig" ist. Das stellen verschiedene Arbeitnehmergruppen seit vergangenem Jahr mit der Gründung einer "Allianz für menschenwürdige Arbeit" nämlich infrage.

"Von Dumpinglöhnen sind wir weit entfernt", erklärt der Personalchef und nennt Fakten, die den Mitarbeitern aus dem gesamten Bundesgebiet in den vergangenen Monaten im Rahmen von Informationsveranstaltungen im Stammhaus in Rain erläutert wurden. So bekommen neue Mitarbeiter die Gehälter, die vor der für den Einzelhandel vereinbarten Gehaltserhöhung bezahlt wurden. Zudem hält sich das Unternehmen weiter an die Leistungen des Manteltarifvertrags für den Einzelhandel, der zum Beispiel die Altersversorgung, die Urlaubstage oder die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld regelt.

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Positives Signal

Dieser Manteltarifvertrag läuft Ende dieses Jahres aus und wird dann neu verhandelt. "Wir haben uns aber erst vor ein paar Wochen freiwillig verpflichtet, diese Leistungen unabhängig von den Verhandlungen auf jeden Fall bis Ende 2012 zu garantieren", erklärt Kreil. Dieses Signal sei bei der Belegschaft sehr positiv aufgenommen worden, weshalb er die scharfe Gewerkschaftsrhetorik derzeit nicht versteht. "Die wollen uns schaden und ihre eigenen Pfründe sichern". Auch die Behauptung der Gewerkschaft, dass derzeit Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht die im vergangenen Jahr für den Einzelhandel vereinbarte Lohnerhöhung erstreiten wollen, relativiert Kreil: "Es sind fünf Klagen bei über 5000 Mitarbeitern eingereicht worden. Die Verfahren laufen noch."

Zu der Entscheidung für den OT-Status steht auch Dehner-Geschäftsführer Dr. Hansjörg Flassak. Ohne Zahlen zu nennen, räumt er ein, dass die Wirtschaftskrise die Firma getroffen hat. Deshalb wurde im vergangenen Jahr in verschiedenen Bereichen ein Strategiewechsel vollzogen, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wieder auf das gewohnt hohe Niveau zu bringen. Neben dem Wechsel in den OT-Status zählt dazu auch die Absage der geplanten Expansion in die Schweiz. Dort hätte in Pratteln bei Basel in diesem Frühjahr ein Gartencenter mit einer Größe von 6500 Quadratmetern eröffnet werden sollen. Dieses Vorhaben wurde von Senior-Chef Albert Weber trotz des Bestehens eines Mietvertrags vor ziemlich genau einem Jahr abgesagt.

Das will der Schweizer Investor, der die Filiale bauen wollte, jetzt aber nicht so einfach akzeptieren und fordert von der Firma laut DZ-Informationen Schadensersatz in Höhe von 6,5 Millionen Schweizer Franken (circa 4,5 Millionen Euro) wegen Vertragsbruchs. "Wir haben den Mietvertrag nicht gebrochen und sehen der Klage gelassen entgegen", kommentiert Dr. Flassak, zumal das Gebäude nicht gebaut wurde und der Investor sogar die Option verstreichen lassen haben soll, eine Baugenehmigung zu beantragen.

Ein Schlichtungsverfahren Anfang März brachte trotz eines Angebots der Firma Dehner keine Lösung, weil der Kläger nicht von seiner Forderung abwich. Somit wird die Angelegenheit wohl vor dem Bezirksgericht in Liestal geklärt werden. Bis Ende März kann dort Klage eingereicht werden. (mer)

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