Der versoffene Uhrmacher Jean Fredmann kam ebenso vor wie der schwindsüchtige Musiker und die Liebesgöttin Ulla, mal Hure, mal Priesterin. Das sind einige der Figuren, die in den Liedern Carl Michael Bellmans Hauptrollen spielen. 55 Jahre alt wurde der 1740 geborene Liedermacher - ein Mann, den in Schweden jeder kennt. Als eine Art Reminiszenz an einen der ganz Großen gaben die Mehlprimeln ein Heimkonzert auf ihrer Kleinkunstbühne Thaddäus, das Bellman in den Mittelpunkt rückte.

Erotische Phantasien
Stephan Bachter brachte dem Publikum in wohlgeformten Worten zur Einstimmung den berühmten Schweden näher, der 1768 den Domkapitular in Lund dazu veranlasste, alle Kopien des Liedes Gubbe Noah einzusammeln, um sie dann verbrennen zu lassen. Der geistliche Herr sorgte sich um das Seelenheil der Menschen, die Bellmans gottlosen Liedern zuhörten.
Ein Saufbruder soll dieser Mann der Gegensätze gewesen sein. Reiner und Dietmar Panitz, die Mehlprimeln, taten alles, um das Klischee aufrechtzuerhalten. Sie schafften es, die sonnigen Idyllen, die erotischen Phantasien und das von Leichtigkeit getragene Lebensgefühl herüberzubringen. Alles Kennzeichen des vielseitigen Sängers und Lieddichters, der seinerzeit bewundert und gefeiert wurde; sogar so sehr, dass ihn Gustav III. aus seiner Privatschatulle finanziell unterstützte.
Die Panitz-Brüder, die 2007 in Stockholm Bellman-Lieder sangen und das schwedische Fernsehen nach der Begeisterung des Publikums dazu animierten, in Kaisheim zu drehen, interpretieren Texte und Melodien des Schweden so gekonnt, dass Mitglieder der deutschen Bellman-Gesellschaft aus ganz Deutschland zum Konzert nach Kaisheim gekommen waren.
Hannes Wader, Harald Juhnke, Fredl Fesl - viele haben versucht, Bellmans Lieder zu singen. Aber die Mehlprimeln gehören zu jenen, die Trinklieder und Gesellschaftssatiren brillant lebendig werden lassen und dabei eine Kneipenatmosphöre schaffen, wie sie der Meister geliebt haben muss. Man merkt, dass die Hauptfiguren (auch bei den Episteln) der Realität entnommen sind. Die Mehlprimeln setzten Akustikgitarre, Hackbrett, Tuba und Harfe ein - aber auch ihr scharfsinniges Wortspiel. Genial die Persiflage auf den digitalen Friedhof, die Zukunft der anlogen Ruhestätten ...
Bellman schrieb Parodien auf die Kirche, gleichzeitig dichtete er ernsthafte Verse für die Messe. Selbst war er ein Gegner des Krieges, doch wenn es notwendig war, verfasste er Kriegsgedichte für Gustav III. Den Panitz-Brüdern glückte der Spagat: Bellman als Mann der Gegensätze darzustellen. Hier der liebevolle Vater für drei Söhne, dort der sorglose Lebemann, der es mit der Treue zu seiner Ehefrau Lovisa nicht besonders genau nahm.
Detailliert sind seine Schilderungen über den rauschhaften Alkoholgenuss und dessen Folgen. Reiner Panitz gönnte sich zwischen den Liedern immer wieder einen köstlichen Schluck Wein aus der Wachau. Nur böse Zungen könnten behaupten, dass er sich damit jene Leichtigkeit antrank, die auch Bellman liebte. Der jedoch soll häufig genauso betrunken gewesen sein, wie die Figuren seiner Lieder.
Ein Abend, der Sehnsüchte weckte: nach tobenden Trollen, nach der dampfenden Mälarsee, dem Weingott Bacchus, der Göttin Venus ... und vielem mehr.
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