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18. März 2010 19:05 Uhr

Grüne Lichtgestalt im blauen Anzug

Donauwörth Boris Palmer weiß genau, wie man sich inszeniert. "Im Medienzeitalter braucht man etwas, an das sich die Leute erinnern. Man muss auffallen", sagt der 38-Jährige im Rahmen eines Pressegesprächs im Café "Ubuntu" in Donauwörth. Deshalb präsentiert er sich im knallblauen Maßanzug. Den findet er selber hässlich, doch er funktioniert. Denn auch der Verfasser dieses Artikels konnte sich den Einstieg mit diesem Alleinstellungsmerkmal nicht verkneifen.

Grüne Lichtgestalt im blauen Anzug
Foto: ALFA

Doch den Oberbürgermeister von Tübingen auf seine selbstbewusst zur Schau getragene Originalität zu reduzieren, wird ihm sicher nicht gerecht. Der Grüne lebt, was er sagt und sagt, was er ist: nämlich ein zutiefst ökologisch motivierter Mensch. "Die Uhr tickt für mich", sagt Palmer, denn Energieeinsparungen und die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes gehen im Zeitalter des Klimawandels alle an. Dass diese Überzeugung alleine aber nicht reicht, um politisch erfolgreich zu sein, weiß auch Palmer. Trotzdem muss er sich keine Sorgen machen. Denn bei ihm verbindet sich die Einstellung mit Authentizität. Diese Kombination hat ihm eine Blitzkarriere in der Politik beschert. 2001 und 2006 wurde er in den Baden-Württembergischen Landtag gewählt, aus dem er 2007 wieder freiwillig ausschied. Palmer wurde nämlich Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen und verfolgte vom ersten Tag an vor allem seine ökologischen Ziele.

"Eine Stadt macht blau"

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Das ist an sich noch nichts Besonderes. Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt er vielmehr deshalb, weil er es schaffte, aus seiner Überzeugung gleich eine Bewegung zu machen. "Eine Stadt macht blau" heißt der Slogan, mit dem die Stadt Energie und damit Geld sowie Kohlendioxid einspart. Der Oberbürgermeister selber trägt dazu beispielsweise mit dem Verzicht auf ein Dienstfahrzeug bei, und fährt lieber mit dem Fahrrad oder der Bahn. "Mein ehemaliger Fahrer ist jetzt Hausmeister einer Kindertagesstätte", erklärt Palmer schmunzelnd. Auch immer mehr Bürger machen mit: So verachtfachte er beispielsweise seit 2007 die Zahl der Ökostrombezieher auf über 5000, 1200 schwören in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken mittlerweile auf eine Hocheffizienzpumpe. Nur ein paar Beispiele aus einem umfassenden Katalog. "Die Bürger sparen Geld, der Zusammenhalt in der Stadt wächst und die Lebensqualität steigt", fasst Palmer die von im ins Leben gerufene "blaue Bewegung" zusammen.

Kein Wunder also, dass das Tübinger Modell auch andere Kommunen interessiert. Palmer wird oft eingeladen und nicht selten als grüne Lichtgestalt gefeiert. Alleine 2009 hielt er im Schnitt pro Woche eine Veranstaltung ab und ist bei Kongressen gern gesehen. "Vor allem in mittelgroßen Städten fallen meine Ideen auf fruchtbaren Boden", resümiert er. Da hinterlässt er bei seinen Zuhörern bleibende Eindrücke. Und das nicht nur wegen seines blauen Anzugs ...(mer)

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