Freitag, 23. Februar 2018

24. Dezember 2017 11:59 Uhr

Donauwörth

Hilfe aus Donauwörth ins Kriegsgebiet

Vor gut drei Jahren hat der Mediziner Josef Tozman mit Freunden selbst eine Hilfsorganisation gegründet. Seitdem ist viel passiert – und man erlebte tragische Schicksale.

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Christliche Aramäer bei einer Demonstration in Augsburg gegen die Vertreibung der Christen im Irak und in Gebieten Syriens. Der Donauwörther Josef Tozman hat gemeinsam mit Freunden über 200000 Euro für seine Hilfsorganisation gesammelt.

Das, was Josef Tozman berichtet, klingt wie das Drehbuch zu einem tragischen Film – bei dem der halbwegs mitfühlende Zuschauer aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr rauskommt und sich fragt, ob Wut oder Trauer denn angebrachter wären ob der teuflischen Gräuel. Dem Donauwörther Zahnarzt und überzeugten Christen Tozman wurde die Unterstützung für die Menschen in den krisengeschüttelte Region in Syrien und im Nordirak letztlich so wichtig, dass er gemeinsam mit einigen Bekannten eine eigene Hilfsorganisation gründete: „We are Christians“. Seitdem sind gut drei Jahre vergangen. Tozman und seine Freunde konnten viel Geld sammeln. Sie sind zudem um viele Erfahrungen reicher – auch wenn das eben nicht immer die erträglichsten waren.

Zuletzt wurde der Verein „We are Christians“, der rein ehrenamtlich geleitet wird, selbst ins Mark getroffen: Der Vorsitzende und Freund Tozmans, Josef Gabriel, erlag mit Anfang 40 einem Herzinfarkt. Er war der Mann mit den Kontakten in den Krisengebieten, der Anpacker, der sich nicht scheute, in seiner Freizeit Hilfstransporte für die Notleidenden auch in das Bürgerkriegsland Syrien zu fahren. Gabriel hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Doch trotz des Verlustes heiße es jetzt für Tozman und die anderen Aktiven: weitermachen. Die Not der Menschen verlangt nach Hilfe, Gabriel hätte ein Aufgaben wohl nicht gewollt.

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Überörtliches Netzwerk

In der Tat hat sich Gabriels und Tozmans Verein zu einem überörtlichen Netzwerk der Hilfe entwickelt. Tozman ist christlicher Aramäer, er fühlt sich mit den Menschen in der Krisenregion daher stark verbunden. Es sind vor allem Aramäer aus ganz Deutschland, die sich in dem Verein engagieren. Mit Erfolg: 178 Mitglieder hat „We are Christians“ mittlerweile, 200000 Euro haben die Helfer bereits gesammelt. Doch das reicht nicht.

„Wir wollen – nachdem wir zunächst Nothilfe geleistet haben – jetzt langfristige Projekte aufbauen“, sagt Tozman. Nachhaltig wolle man agieren, Hilfe leisten, nachdem der erste Hunger gestillt ist. Als Beispiel nennt der Donauwörther Mediziner jene tragische Geschichte. Vor einigen Jahren lernte ein Helferteam von „We are Christians“ nahe der irakischen Stadt Mossul eine christliche Familie kennen, deren zweieinhalbjährige Tochter von Terroristen des „Islamischen Staates“ entführt worden war. Viele Christen mussten damals aus der Region vor dem mordlüsternden Mob des IS fliehen, Familien wurden auseinandergerissen.

Auch Moment der Hoffnung

Doch es gibt auch Momente der Hoffnung. Vor einem halben Jahr tauchte das Mädchen wieder auf, zeitgleich mit dem Zurückdrängen des IS. Es ist jetzt sechs Jahre alt und lebt wieder bei den Eltern, die allerdings wirtschaftlich vor dem Nichts stehen. Tozman berichtet: „Der IS hat dort alles platt gemacht.“ Der Verein hilft der Familie nun, ihr Haus wieder aufzubauen, „damit sie wieder Wurzeln schlagen können“. Langsam kämen die Christen wieder zurück in ihre Dörfer, Gott sei Dank.

Ein weiteres, finanziell noch anspruchsvolleres Projekt möchten Tozman und seine Freunde im Verein in Syrien angehen. Dort planen sie den Bau eines Waisenhauses. Einfach sei das nicht. Nicht wegen des IS, der ja längst nicht überall in Syrien sei. Zwischen 300000 und 400000 Euro benötige der Verein dafür. Zwischen 50 und 100 Kinder sollten dort ein neues Zuhause finden. Der Bau werde auf einem Grundstück der syrisch-orthodoxen Kirche entstehen, die auch die Arbeiten vor Ort mit unterstütze.

Tozman erklärt, dass man zwar Ansprechpartner in den Krisengebieten brauche – aber ein Hilfsengagement sei sogar im Falle Syriens keineswegs unmöglich: „Der einzige Ort, an dem unser Hilfstransport aufgehalten wurde, war die Türkei“, erklärt Tozman.

Die Hilfe komme allen Notleidenden zugute, erklärt der Donauwörther Arzt. Dafür stehe schließlich auch der Vereinsname: „Als Christen sollen wir jedem, der Hilfe braucht, helfen. Ein Christ hilft allen. Und unsere Motivation ist ganz klar christlich.“

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth

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