Wie Günther Stark versucht, einen Ausgleich herzustellen und die Interessen von Jägern, Umweltschützern und Bauern unter einen Hut zu bringen


Bäumenheim-Hamlar Ob er jemals die innere Ruhe findet, die er sich im Einklang mit der Natur wünscht? Das ist angesichts der vielfältigen Reibungspunkte, die seine Tätigkeit mit sich bringt, fraglich. „Aber ich versuche, mit allen zu reden: Naturschützern, Fischern, Landwirten. Über das Zusammenwirken bin ich nicht unzufrieden“, sagt Günther Stark. Er ist Jagdpächter in Bäumenheim und Hamlar. Bei ihm ballen sich die Probleme, die ein Jäger hat, auf engem Raum: Mit 380 Hektar betreut er ein relativ kleines Revier.
Unumwunden gibt Stark zu, ein „Hasen-Freund“ zu sein. Er versuche wirklich alles, um den Bestand in seinem Revier ansteigen zu lassen, so der 37-Jährige. Für sein Engagement und die Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz hat er den Hegepreis der Jäger-Kreisgruppe Donauwörth erhalten.
Zweimal jährlich geht Günther Stark gewissermaßen auf Pirsch – allerdings nicht, um zu jagen. Er zählt den Bestand der Feldhasen in seinem Revier. „Wenn er höher als 25 Hasen pro 100 Hektar ist, kann man sie bejagen“, erklärt er. Noch besser seien 30 pro 100 Hektar.
Die Zunahme des Bestands verdanken die Hasen – so paradox dies klingen mag – auch Jägern wie Günther Stark. Sie bejagen bewusst zurückhaltend und richten das Gewehr stattdessen ehr auf Füchse. Die haben nämlich kaum mehr natürliche Feinde und sind deshalb wohl hauptsächlich für den Hasenrückgang verantwortlich.
Es ist der ökologische Ausgleich, dem sich Stark verschrieben hat. Damit liegt er nicht immer auf einer Linie mit manchen Jagdkollegen. „Da – gleich mehrere Rebhühner“, unterbricht er. Im ersten Licht des Tages überqueren sie einen Feldweg. Wenig später erspäht Stark einen Fasan. Leider sei die Zahl der Singvögel rückläufig, „weil die Natur ein komplexes System ist und manches, was der Mensch macht, dieses durcheinanderbringt“.
Wenn der Winter kommt, sorgt sich der Waidmann um seine Hasen. Die würden jedes Gramm Fett benötigen, um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen. Der Jagdpächter wird nicht müde, Hundehalter darauf hinzuweisen, dass sie doch, wenn sie mit dem geliebten Vierbeiner unterwegs sind, diesen anleinen sollen. Erspähe ein Hund im abgeernteten Feld einen Hasen, sei dieser zur Flucht gezwungen, „was jedenfalls viel Energie frisst“.
Vorträge im weiten Umkreis
Günther Stark ist nicht nur im Revier unterwegs, wird er in einem weiten Umkreis doch immer wieder zu Vortragsversanstaltungen eingeladen. Dort erzählt er dann über die Elstern, welche die Nester von Singvögel plündern, von Kohlmeisen und Rotschwänzchen, deren Bestände zurückgehen, und von der Natur und dem Menschen, die eine Symbiose bilden müssten.
In den vergangenen Jahren hat Stark auf Hamlarer Flur einiges bewirkt, wie er erzählt. „Viele Landwirte haben erkannt, dass es ohne ein Miteinander nicht geht.“ So sei es geglückt, mehrere Bienenweiden in einer Art Verbundsystem anzulegen. Dort fänden Insekten, Hasen, Rebhühner, Bienen, Hummeln und Amphibien Unterschlupf. Hinzu kommen Deckungsflächen, die ebenfalls wichtige Lebensräume für verschiedenste Tiere seien.
Im Winter richtet der Jäger Futterstellen ein, „man glaubt gar nicht, wie viele Tiere dort anzutreffen sind“. Auch bei Schnee und Eis ist Stark in seinem Revier präsent. An seiner Seite: Hündin Fara, Bayernsieger bei den Jagdhunden.
Andernorts hat der Jäger Lupinensamen gesät, was nicht nur die Hasen, sondern auch die Rehe zu schätzen wissen. Die Landwirte hat er überzeugt, die Ränder der Feldwege nicht mehr mit Chemikalien abzuspritzen. Jetzt werden sie gemäht. „Topinambur“ heißen die Wildkartoffeln, die an anderer Stelle wachsen, eine unverwüstliche Pflanze, „die den Tieren eine gute Deckung vor allem im Winter gibt“.
Wenn nun im Herbst die Felder bald abgeerntet sind, seien Hasen und Fasane den Raubvögeln ausgeliefert, weil sie sich nicht mehr verstecken könnten. Aber – da mache er sich keine Illusion – das sei der Jahreskreislauf.
Tiere sind flexibel
„Wir müssen gegenseitig Rücksicht nehmen“, sinniert Stark, der ausdrücklich herausstellt, dass er in Bäumenheims Bürgermeister Otto Uhl eine große Unterstützung findet. Nach dem Herbst gelte es nun, möglichst viele Tiere über den Winter zu bringen. Bange ist Stark nicht, denn er hat etwas beobachtet, was ihn – wie er mehrmals sagt – fasziniert: „Man glaubt nicht, wie flexibel die Tiere sind.“
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