Freitag, 23. Februar 2018

02. Februar 2018 09:45 Uhr

Nationalpark Donau-Auen

Jetzt melden sich die Befürworter

Ein volles Bürgerhaus in Niederschönenfeld zeugt vom hohen Interesse der Landkreisbürger. Bund Naturschutz ist überzeugt von der Idee – auch wenn die Töne aus München ruhiger geworden sind.

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Volles Bürgerhaus in Niederschönenfeld. Die Naturschützer zeigten sich selbst überrascht ob des regen Interesses der Menschen am Thema Nationalpark Donau-Auen. Sowohl befürwortende als auch kritische Stimmen erhielten Beifall. Der Ton blieb indes sachlich und konstruktiv – auf beiden Seiten.
Foto: Simon Bauer

Niederschönenfeld Flussschnecken, Feuchtwiesen, liebliche Auenlandschaften – ja, selbst seltenste Libellenarten locken meist nicht hunderte Bürger nach Feierabend noch in die Dorfgemeinschaftshäuser. Doch im Falle des anberaumten Nationalparks Donau-Auen, der am Rande auch den Kreis Donau-Ries berühren würde, verhält es sich völlig anders: Das Niederschönenfelder Bürgerhaus ist proppenvoll am Mittwochabend, gut und gerne 300 Interessierte hören sich die Argumente und umfangreichen Informationen der Nationalpark-Befürworter an, die erstmals im Landkreis in dieser Form Gehör finden wollen. Derweil sorgt eine Nachricht aus München für Verwirrung an diesem Abend – gleichsam bei Unterstützern und Skeptikern der Idee.

„Wir sind schon fast ein wenig spät dran“, eröffnete Christine Markgraf den Abend in Niederschönenfeld. Markgraf ist Artenschutzreferentin des Bund Naturschutz (BN) für Südbayern. Diesen Satz konnte Rudolf Schubert, zweiter Vorsitzender des Bund Naturschutz Donau-Ries, nur unterschreiben: „Bislang sind bei diesem Thema fast durchgehend die Gegner zu Wort gekommen – und das teils mit bitterböser Polemik.“ Die Gegner, das seien einige Vertreter von Jagd- und Fischereiverbänden, die sich im Falle eines Nationalparks Donau-Auen eingeschränkt sähen. Zwar sei der Landkreis Donau-Ries „sicher nur am Rande betroffen“, wie Schubert gegenüber unserer Zeitung äußerte, doch die Stimmen der Skeptiker seien auch hier laut, wenngleich es zahlreiche Befürworter des Projektes in der Region gebe.

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BN-Referentin Markgraf untermalte das mit Zahlen aus einer repräsentativen Umfrage. Demnach unterstützen über 80 Prozent der Bayern die Idee eines neuen Nationalparks. Dass dieser an der Donau gut angesiedelt wäre, wollte Markgraf dem aufmerksam lauschenden Publikum mit Fakten verdeutlichen: „Die Auenlandschaften an den Flüssen sind in Mitteleuropa unsere Tropenwälder.“Will heißen: Hier finde sich in geballter Form eine immense Artenvielfalt, deren Erhalt eine Verpflichtung sei. Zwei Drittel aller bayerischen Pflanzengesellschaften kämen in den Auen vor. Aufgrund des „dramatischen Rückgangs“ von Insektenarten, den man an den für die Gesamtökologie so relevanten (Wild-)Bienen am besten beobachten könne, bestehe dringender Handlungsbedarf. Es existiere zwar ein gewisses Bewusstsein in der Politik für notwendige Renaturierungsmaßnahmen, wie sie an der Donau etwa bei Ingolstadt angegangen würden, dennoch ermögliche ein Nationalpark einen tiefer gehenden Schutzstatus. Abgestorbene Bäume, die wichtig für viele Tierarten seien, dürften dann nicht mehr ohne Weiteres von der Forstwirtschaft entfernt werden – die Natur könnte sich frei entfalten, ein ursprüngliches Ökosystem zumindest in gewissem Maße konserviert werden. Renaturierungen, die im Falle eines Nationalparks verstärkt umgesetzt werden müssten, böten darüber hinaus einen natürlichen Hochwasserschutz. Des Weiteren beobachte man in renaturierten Gebieten der Donau schier ausgestorbene Fischarten, die zurückgekommen seien.

Hinsichtlich des Gebietes in der Region betonte Markgraf, das Ängste vor weiteren Ausuferungsmöglichkeiten des Flusses unbegründet seien, da „ein großer Teil heute bereits Überschwemmungsgebiet ist“. Auch seien Fischerei und Jägerei in einem Nationalpark nicht gänzlich unmöglich, sondern räumlich begrenzt durchaus denkbar. „Blaupause“ sei auch hierfür der existierende Nationalpark an der Donau östlich von Wien.

Franz Leibl, Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, berichtete aus den Erfahrungen, die man dort seit den 1970er-Jahren gemacht hat. Die Aussage, dass in Nationalparks aktuell begehbare Wege nicht mehr zugänglich seien, stimme so nicht: Im Bayerischen Wald seien 60 Prozent der Wege für Jedermann frei begehbar. Grundsätzlich sei aber ein anderes Argument ausschlaggebend für einen Nationalpark: „Diese Gebiete sind wichtig für den Erhalt der Schöpfung.“

Im Rahmen einer Fragerunde sollten sämtliche Haltungen gehört werden. Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg etwa sah das Ansinnen eher kritisch. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Nationalpark an der Donau, der wegen des Charakters eines Flusses eben eher ein langes Band wäre, keine Einschränkungen mit sich brächte. Dem entgegnete Markgraf, der Nationalpark wäre in verschiedene Teile untergliedert: In Bänder oder auch tiefer gehende Gebiete an der breit fließenden Donau zwischen Ingolstadt und Kelheim. Nun wurde es tagesaktuell: Jene Nachricht aus dem Umweltministerium, der Besuch von Ministerin Ulrike Scharf in Ingolstadt zum Thema Nationalpark in Ingolstadt am 9. Februar wurde verschoben, sie trage zur Verunsicherung bei, so die BN-Frau aus München. Sie füge sich aber ein in eine momentane Politik des Hin und Her. Eine Entscheidung aus München, ein Park werde kommen – dann ein vermeintliches Zurückrudern nach den ersten kritischen Stimmen, vor allem seitens der Interessensverbände der Land- und Forstwirtschaft. Bis dato gebe es noch nicht einmal genaue Anfangs- und Endpunkte zum Nationalparksgebiet: Würde er nun bei Donauwörth oder bei Marxheim beginnen? Es gebe verschiedene Überlegungen zur Gebietskulisse. Aber Gewissheit – nein, die gebe es noch nicht.

Wie Markgraf letztlich anmerkte, wären seitens des Ministeriums eigentlich ab März Dialogveranstaltungen in den infrage kommenden Regionen angedacht. Doch momentan scheint das einst so gewollte Thema erst einmal auf die lange Bank geschoben.

Zwei Politiker aus der Region konnten sich mit dem Nationalpark anfreunden: Stellvertretend für Stefan Rößle sprach sich Dr. Peter Thrul für einen Nationalpark aus. Auch Niederschönenfelds Bürgermeister Peter Mahl meinte, ein solches Schutzgebiet sei ihm allemal lieber als ein Flutpolder. »Kommentar

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth

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