Sonntag, 19. Mai 2013

03. November 2011 07:00 Uhr

Projekt im Kreis Donau-Ries

Kormoran - der umstrittene Vogel

Der Kormoran polarisiert. Die Einen feiern ihn als „Vogel des Jahres 2010“ und für die Anderen ist er ein Problem. Von David Reitsam

Günther Feller, Obmann für Fischerei im Landkreis Donau-Ries (links) lud Matthias Ruff, Kormoranbeauftragter des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, zu einem Vortrag ein.
Foto: Reitsam

Die Anderen sind vor allem Fischer und Angler. Sie kritisieren, dass der Vogel zu häufig auftrete und Gewässer leer fresse. Um das Problem zu lösen, hat das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) ein Kormoranprojekt an Mindel und Schmutter ins Leben gerufen.

Die Kormorane bereiten aber auch den hiesigen Fischern Kopfzerbrechen. Da die Donau im Gebiet des Donauwörther Fischereivereins noch Teil des Projekts ist, hat Günther Feller, Obmann für Fischerei im Landkreis Donau-Ries, Matthias Ruff eingeladen. Dieser ist einer der beiden Kormoranbeauftragten des LfU und führt das Projekt an Schmutter und Mindel durch.

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285 Tiere gezählt

Vor 38 Jägern und Fischern beschrieb Feller zunächst die aktuelle Lage. „Seit Anfang der 90er Jahre ist bekannt, dass die großen Kormorankolonien eine Gefahr sind.“ Allein in der Umgebung des Altisheimer Sees sind im November vergangenen Jahres 285 Vögel gezählt wurden. Laut Feller eine kaum tragbare Belastung der Gewässer, da ein Vogel bis zu 500 Gramm Fisch am Tag fresse.

Auch Matthias Ruff kennt die Probleme und erklärt, dass zwischen den Kormoranen zu unterscheiden sei, die in Bayern leben und jenen, die in der kalten Jahreszeit durch den Freistaat ziehen oder hier überwintern.

Der Forstingenieur schätzt, dass 2000 bis 4000 Vögel von den heimischen Seen und Flüssen noch tragbar wären. Allerdings leben bereits im Sommer 2000 Kormorane in Bayern. Wegen der Zugvögel steige die Zahl im Winter aber auf 8000. Um die heimischen Fischbestände zu entlasten, wollen das LfU und die Fischer den Durchzug beschleunigen und deshalb gezielt vergrämen.

Dies soll durch den Abschuss einzelner Vögel erfolgen. Inzwischen liegen den Jägern auch Allgemeinvergütungen vor, die es erlauben, bis Ende April Kormorane zu jagen.

Diese Regelung gelte auch für die Vogelschutzgebiete an der Donau. Allerdings ist die Jagd dort nur bis Mitte März erlaubt. Außerdem müssen Helfer bei den Vergrämungsaktionen in den Naturschutzgebieten, wie zum Beispiel am Lechstausee bei Feldheim, die Kormorane aufscheuchen.

Da die Vögel bei Gefahr einfach weiterziehen und sich in der Nähe niederlassen, koordinieren die Jäger ihr Vorgehen. Ruff betonte, dass das Projekt nur dann Erfolge habe, wenn die Fischer und ihre zuständigen Jagdpächter gut zusammenarbeiten. Die Angler müssen die Kormorane beobachten und große Kolonien melden. „Kormorane zu jagen ist aufwendig“, meint Werner Siegl aus Dillingen, „da die Vögel intelligent sind, müssen wir uns gut tarnen und frühzeitig, am besten noch im Schutz der Dunkelheit, am Stand oder Schirm sein.“

Für Hubert Bayer, Jäger und Koordinator der Vergrämung in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen, geht es um die Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts.

„Zu viele Kormorane sind nicht gut. Und da es in Bayern kaum natürlich Feinde, wie den Waschbären oder Seeadler, gibt, ist es jetzt unsere Aufgabe, einzugreifen.“ Dies sieht auch Matthias Ruff so: „Wir wollen einen artenreichen und sich selbst reproduzierenden Fischbestand in unseren Gewässern.“

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