Freitag, 19. Januar 2018

10. November 2013 15:45 Uhr

Donauwörth

Kriseninterventionsteam: Hilfe in den schwierigsten Situationen

Norbert Schuster und seine Kollegen vom Roten Kreuz kümmern sich um Menschen, die Schreckliches erlebt oder einen Angehörigen verloren haben.

i

Verletzten oder akut erkrankten Menschen zu helfen – diesen Beruf hat Norbert Schuster gelernt. Er ist ausgebildeter Rettungsassistent und seit vielen Jahren beim Roten Kreuz im Kreisverband Nordschwaben tätig. Bei einigen Einsätzen können die Ärzte und die Sanitäter nicht mehr helfen. Das hat Schuster oft erlebt. Es sind Momente, die unter die Haut gehen, gerade auch,weilverzweifelteAngehörige von der Trauer überwältigt werden und zutiefst schockiert sind. „Die bräuchten jetzt jemanden, der für sie da ist“ – dieser Gedanke ließ den Tagmersheimer nicht mehr los. Also entschloss er sich, sich für solche Situationen ausbilden zu lassen.

Den Angehörigen die Todesnachricht überbringen

Krisenintervention heißt der Fachbegriff für dieses Betätigungsfeld. Schuster war 1996 der Erste im Donau-Ries-Kreis und darüber hinaus, der sich auf diesem Gebiet ehrenamtlich engagierte. Inzwischen ist der 50-Jährige das erfahrenste Mitglied in einem achtköpfigen Kriseninterventionsteam, kurz Kit, des Roten Kreuzes im Landkreis.

ANZEIGE

Schuster, der hauptamtlich beim Kreisverband Sachgebietsleiter für die Bereiche Fahrdienst und Ausbildung ist, hat in seiner Kit-Funktion immer einen Piepser dabei, um schnell erreichbar zu sein. Automatisch gerufen wird er beispielsweise von der Integrierten Rettungsleitstelle Augsburg bei bestimmten Szenarien, die schreckliche Umstände oder aufgelöste Personen im Umfeld vermuten lassen: Wenn ein Unfall an einem Bahngleis passiert ist, wenn ein Kleinkind bewusstlos ist oder wenn jemand in Gegenwart von anderen Menschen plötzlich zusammenbricht und stirbt.

Wenn Polizei und Rettungsdienst am Unglücksort Bedarf sehen, fordern sie die Kit-Kräfte ebenfalls an. Dies geschieht, wenn ein schwerer Unfall passiert, der Verursacher körperlich unversehrt bleibt, aber andere Beteiligte erheblich verletzt werden.

Kommt bei einem Unfall jemand ums Leben, hat die Polizei die Aufgabe, den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. „Dann holt man uns dazu“, so Schuster, der in diesen Fällen stets seine gelbe Einsatzjacke anzieht. An der jeweiligen Adresse versichere man sich erst einmal ganz genau, ob man bei der richtigen Person ist. Ebenso machen Polizei und Kit-Helfer vorher aus, wer das Gespräch führt.

Bei aller Einfühlsamkeit müsse in diesem Klartext geredet werden: „Man muss die Worte ,tot‘ oder ,gestorben‘ auch so aussprechen. Das ist sehr hart, aber wichtig.“ Dies bestätigten die Hinterbliebenen hinterher immer wieder. Die Reaktionen, welche die Kit-Kräfte erleben, sind völlig unterschiedlich: „Die einen Menschen fangen an zu schreien, schütteln einen und wollen es nicht glauben.“ Andere reagierten dagegen total nüchtern. Hier müsse man besonders aufpassen, schildert Norbert Schuster, denn: „Meist brechen diese Leute wenig später zusammen.“

Das Kit-Team nimmt sich deshalb Zeit und bleibt so lange, bis es merkt, dass der Betroffene in der Lage ist, einen klaren Gedanken zu fassen. Da können schon einmal bis zu fünf Stunden vergehen. Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter versuchen währenddessen, Verwandte oder Freunde der Trauernden zu erreichen, damit diese weiter einen Ansprechpartner haben. Die würden auch darüber informiert, was alles zu tun ist, so Schuster.

Bei Selbstmorden sei besondere Zuwendung gefragt: „Das ist eine ganz andere Trauer.“ Oft stellten sich die Angehörigen die Frage, was sie falsch gemacht hätten. In dieser Situation versuchen die Helfer klarzumachen, dass es hier meist keine Antwort gebe, weil die Motive unbekannt seien: „Da muss man sagen, dass die Person einfach nicht mehr leben wollte.“

"Das steckt man nicht einfach weg"

Wichtig sei es auch, die Hinterbliebenen darauf vorzubereiten, wie andere Menschen ihnen begegnen: „Viele wissen nicht, wie sie sich gegenüber den Angehörigen verhalten sollen.“ Die sollten sich nicht wundern, warum ihnen jemand ausweicht. Es sei in aller Regel pure Unsicherheit. Die Kit-Helfer raten den Hinterbliebenen in solchen Fällen, einfach auf diese Leute zuzugehen.

Weil die Einsätze bisweilen schwierig sein können, sind die Kit-Kräfte stets zu zweit unterwegs: „Dann spricht man anschließend noch einmal alles durch, um das Thema wieder abhaken zu können.“ Dennoch: Wenn sich Parallelen zwischen dem Schicksal der Betroffenen und dem eigenen Umfeld ergeben, ist laut Schuster die Belastung groß.

„Das steckt man nicht einfach weg“, sagt der Familienvater. Wenn ein Kit-Mitglied das Gefühl habe, dass es zu viel wird, nehme es sich eine Auszeit von mehreren Monaten: „Da kann man den Akku wieder aufladen.“ Ohnehin müsse man „manches gesehen haben“ und „gut mit den Leuten umgehen können“, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Selbstverständlich freut und motiviert es die Kit-Kräfte jedes Mal, wenn sich Menschen, denen sie in den schwersten Stunden beigestanden sind, später melden und erzählen, wie wertvoll der erste Zuspruch gewesen sei.

i

Ihr Wetter in Donauwörth
19.01.1819.01.1820.01.1821.01.18
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
	                                            Wetter
	                                            Schneeregen
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
Unwetter0 C | 5 C
-1 C | 4 C
-4 C | 2 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Fussball-Tippspiel Donauwörth

Ein Artikel von
Wolfgang Widemann

Donauwörther Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Donauwörth

Top-Angebote


Alle Infos zum Messenger-Dienst
Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region

Partnersuche