Wemding Als Festredner für ihren "Tag der Heimat" hatte der Ortsverband der Wemdinger CSU Bernd Posselt (München) gewinnen können - Mitglied des Europäischen Parlaments, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland.

"Europa verbindet mehr, als es trennt", betonte Posselt gleich zu Beginn seines Vortrags, "Europa kann nicht gelingen, wenn es nicht die Kraft seiner Wurzeln bewahrt." Der Europa-Parlamentarier wagte einen Rückblick auf das Ende des Ersten Weltkriegs, als viele dachten, es breche eine freie Zeit der Demokratie und der Völker an. Doch wenige Jahre später "legte sich Europa wieder selbst in Schutt und Asche". Danach seien bis zur Wendezeit 1989 die wichtigen politischen Entscheidungen nur in Washington und Moskau getroffen worden. "Umso wichtiger ist der heutige Zusammenhalt Europas als Friedensmacht", appellierte Posselt.
Aus der Geschichte heraus Gegenmittel finden
"Die Bedeutung der Heimatvertriebenen und der Landsmannschaften im 21. Jahrhundert ist, nicht Gegensätze zu konservieren, sondern aus der Geschichte heraus Gegenmittel zu finden", machte der Festredner deutlich. Die Verbände könnten stolz sein, auch nach 65 Jahren eine beachtliche Stärke zu haben. Diese müsse aber auch an die Jugend weitergegeben werden. "Wir sollten die Kultur nicht nur bewahren, sondern auch fortentwickeln."
Posselt stellte die - nach anfänglichen Problemen - mehr als gelungene Integration der Heimatvertriebenen heraus. "Die Stärke unseres Freistaats ist, dass man gleichzeitig Bayer - aber auch Schwabe, Franke oder eben Sudetendeutscher sein kann", betonte der CSU-Politiker. Er beklagte jedoch, dass im neuen ADAC-Atlas die einst deutschen Ortsnamen in Polen und Tschechien nur noch in der jeweiligen Landessprache aufgeführt sind, das "ist auch nicht im Sinn unserer osteuropäischen Nachbarn".
Für die hervorragende Zusammenarbeit in den betroffenen Gebieten zählte Posselt mehrere Beispiele auf, darunter den deutschen Bürgermeister im rumänischen Hermannstadt oder die Kulturhauptstadt Pecs mit ihrem dreisprachigen Ortsschild (in Ungarisch, Deutsch, Kroatisch). Verheerend wäre es nach seiner Ansicht, infolge der Vertreibung aus der Heimat auch den Platz in der Geschichte zu verlieren. Deswegen sei es von Bedeutung, die Historie wahrheitsgemäß zu dokumentieren. "Außer der CSU setzt sich keine Partei derart für die Vertriebenen ein", betonte der Parlamentarier. "Heimat und Europa gehören zusammen", leitete Bernd Posselt seinen Schlussgedanken ein, in dem er an die Vertriebenen appellierte, mit ihren interessierten Kindern oder Enkeln zu reden und ihre Erlebnisse aufzuschreiben, um Geschichte lebendig zu bewahren. "Wir sind nicht die Nachhut der Vergangenheit, sondern die Vorhut der Zukunft, die auf Wahrheit und Gerechtigkeit aufgebaut ist", meinte Posselt zum Ende seines rund 45-minütigen Vortrags.
CSU-Ortsvorsitzender Gottfried Hänsel und Johann Heppner überreichten dem Redner als Gastgeschenk eine Rieser Bauerntorte sowie ein Buch über die Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein.
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