Sonntag, 22. Oktober 2017

22. Oktober 2015 00:32 Uhr

PolitikBayernkuriers

Mensch und Staatsmann

Beim 70-Jährigen der Wemdinger CSU spricht der frühere Chefredakteur des Von Bernd Schied

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Feindbild für die einen, Idol für die anderen: Kaum ein Politiker polarisierte das Nachkriegsdeutschland so sehr wie Franz Josef Strauß. Für Wilfried Scharnagl, früherer Chefredakteur des Bayernkurier und enger Weggefährte, war der CSU-Übervater vor allem eines – ein Mann, der mit kräftiger Handschrift die Geschichte der Bundesrepublik mitgeschrieben und die Entwicklung des modernen Bayern entscheidend beeinflusst hat.

Scharnagl war Festredner bei der Feier zum 70-jährigen Gründungsjubiläum der CSU Wemding in der Wallfahrtsgaststätte, zu der Ortsvorsitzender Gottfried Hänsel neben den amtierenden und früheren Mandatsträgern im Landkreis zahlreiche Mitglieder und Freunde der Christsozialen eingeladen hatte.

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Der Geburtstag der örtlichen CSU geriet dabei fast etwas in den Hintergrund ob des gut einstündigen Vortrags von Scharnagl über seine Erlebnisse mit dem langjährigen CSU-Vorsitzenden. Auch die persönliche Nähe zu Strauß brachte er zwischendurch immer wieder zum Ausdruck, indem er fast wehmütig über zahlreiche gemeinsame Reisen, Ausflüge, Begegnungen mit früheren Staatsmännern, aber auch persönlichen Schicksalsschlägen, wie dem Tod von Marianne Strauß, erzählte. Um das enge Miteinander zwischen ihm und Strauß zu beschreiben, zitierte der Journalist Scharnagl eine Aussage des Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten über ihn: „Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt.“

Wilfried Scharnagl nimmt für sich in Anspruch, Strauß so gekannt zu haben, wie er wirklich war. „Er war anders als das über ihn in der Öffentlichkeit gezeichnete Bild.“ Seine politischen und menschlichen Fähigkeiten würden, vor allem vom politischen Gegner, nicht hinreichend wahrgenommen, befand der Ex-Chefredakteur. Zwar sei FJS oft gegen den Strom geschwommen. Dabei habe er jedoch stets politische Weitsicht gezeigt und die CSU wie kein anderer geprägt und zur erfolgreichsten Partei Europas gemacht.

Einen wesentlichen politischen Meilenstein habe Strauß gesetzt, als auf sein Drängen hin die Klage gegen die Anerkennung einer Zweistaatlichkeit Deutschlands beim Bundesverfassungsgericht eingereicht und positiv beschieden worden sei. Dadurch sei die deutsche Wiedervereinigung offen gehalten worden.

Eine Maxime von Strauß und gleichzeitig ein Erfolgsrezept der CSU sei gewesen, dem Volk aufs Maul zu schauen, ohne ihm nach dem Mund zu reden, erklärte Scharnagl weiter. Freilich – oft habe es auch innerhalb der CSU heftigen Streit gegeben. „Gegenwind richtete Strauß auf.“ Bis heute sei die CSU keine Harmonieveranstaltung. Wenn nötig, müssten auch mal die Fetzen fliegen. „Auch im lokalen Bereich fehlt es der CSU nicht an Streitkompetenz“, meinte das Partei-Urgestein mit Blick auf die heftigen Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Nachfolge von Georg Schmid im Stimmkreis. Dem früheren Fraktionsvorsitzenden im Landtag, der in Wemding dabei war, zollte Scharnagl Respekt für dessen „großartiges Engagement“ für den Landkreis Donau-Ries.

Durch die zahlreichen gemeinsame Erlebnisse mit Strauß zeichnete Scharnagl in Wemding ein Bild des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten nach, das dem Titel seiner Festrede entsprach: Franz Josef Strauß – der Mensch und der Staatsmann.

Zuvor hatte Ortsvorsitzender Hänsel die Geschichte der CSU in Wemding aufgezeigt und einen Bogen von den Männern der ersten Stunde, wie die beiden Bürgermeister nach dem Krieg, Otto Bruckmeir und Engelbert Bayr, über Willy Fackler bis hin zu den aktuell politisch Handelnden gespannt. Die Christsozialen hätten die Stadtpolitik Wemdings in den zurückliegenden 70 Jahren entscheidend mitgeprägt, sagte Hänsel. „Dabei stand der einzelne Mensch stets im Mittelpunkt.“

Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren die Ehrungen einer ganzen Reihe von Mitgliedern, die sich in ihrem politischen Wirken für die CSU und das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Grußworte gab es vom Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Wolfgang Kilian und Bürgermeister Martin Drexler.

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