Donnerstag, 21. September 2017

26. August 2017 14:00 Uhr

Rain

Mörderisches an vertrauten Orten

Hobbyautor Günter Schäfer lässt an Schauplätzen im Landkreis kriminelle Dinge passieren – freilich lediglich auf dem Papier

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Hobby-Autor Günter Schäfer am Schauplatz seines Krimis „Der Rain-Fall“, der in der Tillystadt spielt. Dort an der Staustufe des Lechs finden Jugendliche eine ermordete Frau.
Foto: Barbara Würmseher

Regionalkrimis haben ihren ganz besonderen Reiz. Seit der Allgäuer Kommissar Kluftinger – einer der ersten Helden dieses Genres – im Kemptener Raum ermittelt, sind viele Autoren der Versuchung erlegen, einen ähnlichen Charme zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Heimat – das ist dort, wo man sich auskennt. Wo es anders zugeht, als in den doch ferneren Welten einer Donna Leon, einer Agatha Christie oder eines Henning Mankell. Wo eine überschaubare Idylle herrscht, in deren mehr oder minder gleichförmigen Alltag nun in der Krimi-Handlung plötzlich willkommene Spannung einbricht.

Auch der aus Rain stammende Hobby-Autor Günter Schäfer macht sich diese Atmosphäre zunutze. Sieben Kriminalromane hat der 56-Jährige mittlerweile schon verfasst und lässt sie in jenem ländlichen Raum spielen, der für die Landkreisbewohner Heimat bedeutet: In Nördlingen, in seinem jetzigen Wohnort Reimlingen und im Tillystädtchen Rain, wo er geboren und aufgewachsen ist, und wohin es ihn immer noch zu Schwester und Freunden zieht.

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Wenn Günter Schäfer seinen Kommissar Robert Markowitsch von der B16 in Richtung Südzucker abbiegen lässt, dann weiß der einheimische Leser einfach Bescheid. Wenn die Tour weitergeht, an TSV-Heim und Schulzentrum vorbei, durch die Kraftwerkstraße Richtung Lech, dann sagen sich viele: Dort bin ich auch schon oft gewesen. Und wenn der Kommissar schließlich die 17 Treppenstufen mitzählt, die er zum Lech-Damm erklimmen muss, dann kann man darauf wetten, dass es tatsächlich auch in der Wirklichkeit exakt 17 sind. So fühlt sich Heimat im Krimi an: vertraut, nah – und dennoch irreal, denn was Hauptkommissar Markowitsch dort erlebt, gehört – glücklicherweise – bislang nur ins Reich der Fantasie.

Zwei Tote sind es, die ihn in Rain ermitteln lassen: Eine 75-Jährige, die mit einem Vogel im Mund im Lech nahe der Staustufe gefunden wird, und deren Enkel, der ja eigentlich dringend tatverdächtig war. Auf der Suche nach dem wahren Täter recherchieren Polizei und Staatsanwaltschaft in „Der Rain-Fall“ zwischen Tilly-Denkmal und Lechwald, zwischen Karpfenweg, Brachetstraße und Rathaus. Dass dann noch das Blumenhotel eine Rolle spielt wie auch der Schuppen an dessen Einfahrt, lässt den ortskundigen Leser schmunzeln.

„Die Örtlichkeiten in meinen Romanen sollen zu hundert Prozent stimmen“, hat sich Schäfer ehrgeizig vorgenommen. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, fährt er die Szenerie immer und immer wieder ab, um auch ja jede Kleinigkeit zu registrieren. Während die Handlung stets pure Erfindung ist, soll der Leser die Schauplätze unbedingt wiedererkennen.

Günter Schäfer kommt eigentlich beruflich aus einer ganz anderen Ecke als der kreativen. Der gelernte Kfz-Mechaniker, der nach der Bundeswehr erst auf dem Bau gearbeitet hat, dann zum Fachinformatiker umgeschult hat und heute Netzwerkadministrator in der Oettinger Brauerei ist, geht zum Broterwerb einer eher nüchternen Materie nach. Freilich schlummert in ihm seit Kinder- und Jugendtagen schon auch eine andere Seite. So hat ihm schon sein Deutschlehrer in Rain geraten, er solle in seinen Aufsätzen „ein bisschen mehr bei den Tatsachen bleiben und weniger dichten“. Außerdem hat er leidenschaftlich gerne als DJ in Discos moderiert und Platten aufgelegt. Fantasiebegabt und eloquent – diesen Eindruck hat er also auch damals schon hinterlassen.

Doch der Weg zum Hobby-Schriftsteller war noch ein weiter. Auslöser war letztlich eine längere Krankheit, in deren Verlauf er sich dazu hat ermuntern lassen, sich vieles einmal von der Seele zu schreiben. Sein Erstling, das Kinderbuch „Emmili ist da“, war 2008 das Ergebnis dieser Selbst-Therapie. Darin erzähl er von einem freundlichen, fröhlichen Mädchen, das immer dort zur Stelle ist, wo es gerade helfen kann.

Damit war der schriftstellerische Anfang gemacht und Günter Schäfer, ein Krimi-Fan, für den der sonntägliche „Tatort“ Pflichtprogramm ist, verlegte sich nun auf spannende Unterhaltung. In seinem unkomplizierten Erzählstil im Plauderton hat er „Tod auf dem Daniel“ um den spektakulären Mord an einem Nördlinger Türmer verfasst, hat „Der Schneemann“ über einen toten Golfspieler in Augsburg geschrieben, „Endstation alte Bastei“, der sich um den sinnlosen Mord an einem betrunkenen Jugendlichen in Nördlingen dreht, „Der Henker von Nördlingen“ über einen enthaupteten Leichnam, „Drohnenflug“, das in Schloss Reimlingen spielt, und „Unser Lehrer hat nen Vogel“ über den Tod eines Tierpflegers.

Sobald er sich in sein Dichterstübchen im Keller seines Hauses zurückzieht, wissen Ehefrau Angelika und die erwachsenen Kinder Doris und Ulrich, dass Störungen in diesem Refugium unerwünscht sind. An Schreibtisch und Notebook entstehen dann weitere mysteriöse Begebenheiten. Angelika ist für Günter Schäfer eine wichtige Kritikerin, Rat- und Impulsgeberin. „Ihre Meinung ist mir wichtig“, sagt der Freizeit-Autor. Sie managt auch seine Lesetermine, wenn er mit den Krimis zu seinen Lesern unterwegs ist.

Und das ist er jetzt auch wieder – gleich zwei Mal – in nächster Zeit: Am Donnerstag, 28. September, 19.30 Uhr, in Harburg in der Bücherei im Strölinhaus, und am Freitag, 29. September, in der Rieser Kulturnacht in Nördlingen im Weinladen Rath.

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Ein Artikel von
Barbara Würmseher

Donauwörther Zeitung
Ressort: Lokales und Kultur



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