Wallfahrt von Wemding nach Oettingen findet heuer am 5. Mai statt. Männer haben Kerze nun aus Kloster abgeholt

Wemding Ein seltenes Ereignis wirft in Wemding seine Schatten voraus. In diesem Jahr – genauer gesagt am 5. Mai – findet die traditionelle Pestprozesson nach Oettingen statt. Dabei wird eine Kerze in die Nachbarstadt getragen. Der Brauch der Pestkerze geht auf ein Gelübde des Wemdinger Magistrats aus dem Jahr 1647 zurück, der in Zeiten der Not dem Heiligen Sebastian gelobte, eine Kerze nach Oettingen zu tragen, damit die Pest in der Stadt nicht weiter grassiert.
Seit dieser Zeit wiederholt die Stadt Wemding diese Wallfahrt in unregelmäßigen Abständen, seit 1832 alle 20 Jahre.
Die Pfarrei Sankt Emmeram in Wemding feierte nun ihren zweiten Stadt- und Kirchenpatron, den Heiligen Sebastian. Er ist der Schutzheilige gegen die Pest und gilt als Helfer in vielen Nöten.
Zu dem Festtag begrüßte Pfarrer Wolfgang Gebert den Bürgermeister von Wemding, Dr. Martin Drexler, die Mitglieder des Stadtrats, die Wemdinger Vereine mit ihren Fahnenabordnungen und viele Bürger am Marktplatz. Singend und betend setzte sich von dort, begleitet von der Stadt- und Jugendkapelle, ein langer Kirchenzug in Richtung Karmelitinnenkloster in Bewegung. Dort übergab der Konvent der Schwestern die von ihnen gefertigte Pestkerze an die Stadt und Pfarrei. Dabei sprach die Priorin Eva Maria Heigl ein Gebet.
2,30 Meter lang und 60 Kilogramm schwer
Stolz trugen nach altem Brauch die unverheirateten Männer der Kolpingfamilie die 2,30 Meter lange und 60 Kilogramm schwere Kerze in die Stadtpfarrkirche, um den kirchlichen Segen zu erbitten. Im Festgottesdienst erinnerte Pfarrer Gebert in seiner Predigt an das Leben des Heiligen Sebastian und rief die Gläubigen auf, wie unsere Vorfahren in schwierigen Lebenslagen auf die Hilfe Gottes zu vertrauen und dieses Jahr zu nutzen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen.
„Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken“
Er griff auch die Gedanken der Schwestern auf, welche die Kerze gefertigt haben und zitierte dabei die Heilige Theresia von Avila: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken, alles vergeht, Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts, Gott allein genügt.“
Im Anschluss an die Heilige Messe nutzten viele Gottesdienstbesucher die Möglichkeit, die Kerze aus der Nähe zu betrachten und sich mit einer Reliquie des Heiligen Sebastian segnen zu lassen. (dz)
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