Klaus Buchner hält System Tetra 2000 für verträglicher
Kaisheim Auf die Gefahren des geplanten digitalen Behördenfunks hat bei einer Veranstaltung der Grünen-Ortsverbände Kaisheim und Donauwörth der Münchner Universitäts-Professor und frühere ÖDP-Bundesvorsitzende Klaus Buchner (München) hingewiesen. Buchner sprach vor rund 30 Interessierten in der Kaisheimer Hofwirtschaft über das System Tetrafunk, mit dem Polizei und Rettungsdienste künftig kommunizieren sollen.
Der Kaisheimer Gemeinderat Hubert Renelt berichtete, dass der Marktgemeinderat beide von den Behörden bisher vorgeschlagenen Funkmast-Standorte Neuhof und Bertenbreit abgelehnt habe wegen zu geringer Entfernung zu Wohngebieten. Renelt sagte, er sei hellhörig geworden, weil Kommunen vom Innenministerium dahin gehend informiert worden seien, dass der Tetrafunk völlig harmlos und unbedenklich wäre, verbunden mit unsachlichen Verleumdungen der Kritiker dieser Technik.
Buchner reagierte deutlich: „Bei der Verharmlosung der Gefahren durch Tetrafunk lügt die bayerische Staatsregierung.“ Viele Studien über Mikrowellen belegten Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie sogar Genschäden und erhöhtes Krebsrisiko. Zu den Mikrowellen zählten Mobilfunk, Dect, WLAN, Bluetooth und Tetra, wobei Letzteres besonders schädlich sei.
Aufgrund der weltweit anwachsenden Anzahl alarmierender Untersuchungen sah sich dem Professor zufolge die Weltgesundheitsorganisation WHO im Mai 2011 dazu veranlasst, Mikrowellen in die Kategorie „möglicherweise krebserregend“ einzustufen. Gleiches gelte für Benzindämpfe, Chloroform und DDT. Auch der Europarat reagierte im Mai 2011 und forderten die drastische Absenkung des Grenzwerts bei Mikrowellen. Ein wie in der Praxis auf maximale Leistung hochgerüsteter Tetrafunkmast bestrahlt nach Aussagen von Buchner Menschen in 200 Meter Entfernung mit dem Siebenfachen und in 500 Meter Entfernung noch mit dem Doppelten dieses geforderten, aber noch nicht beschlossenen Grenzwerts.
Veraltet und nicht funktionsfähig
Das Tetra-System ist laut Buchner darüber hinaus veraltet und nicht funktionsfähig. Dies hätten unter anderem abgebrochene Probebetriebe in München und Hamburg bewiesen. Für Buchner ist es unverständlich, warum die Politik in Deutschland und Bayern nicht das deutlich verträglichere System Tetra 2000 umsetzt.
Deshalb müsse er an die Stadt- und Gemeinderäte derzeit appellieren, die Errichtung der Tetrafunkmasten zu verhindern, bis bessere Systeme verbunden mit niedrigeren Grenzwertern politisch akzeptiert würden. Auch in der Haftungsfrage sei die Gemeinde dadurch abgesichert. Zurückhaltung sei auch deshalb geboten, weil von den vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebenen Tetra-Studien erst 2013 Ergebnisse zu erwarten seien. Sollte die Errichtung vom Landratsamt gegen den Willen der Gemeinde angeordnet werden, dann könnte die Gemeinde vertraglich noch Einfluss nehmen auf die Intensität des Senders, so Buchner. (dz)
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