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12. Juli 2011 00:07 Uhr

Konzert

Psychogramm von zwei schwierigen Charakteren

Briefe und Musik von Wagner und Liszt zum 200. Geburtstag von Franz Liszt Von Reiner Pfaffendorf

Mit ihrer „Konzertlesung“ gestalteten sie in Leitheim ein beeindruckendes Psychogramm von Franz Liszt und Richard Wagner (von links): Schauspieler und Musiker Paul Sonderegger alias Franz Liszt, der Pianist J. Marc Reichow, Klaus Kowatsch als Richard Wagner und Ralph Krause am Cello.
Foto: rpf

Kaisheim-Leitheim Franz Liszt, einer der prominentesten Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts, bewunderter Komponist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller wurde anno 1811 in Raiding, im heutigen Burgenland, geboren. Seinen 200. Geburtstag nahm der Schauspieler und Musiker Paul Sonderegger zum Anlass, den Schriftwechsel zwischen Franz Liszt und Richard Wagner zu durchleuchten und diese Schreiben mit Musik und Werkbearbeitungen der beiden Komponisten – nach einem musikalischen Konzept von Scott Curry – in assoziative Beziehung zu setzen. So entstand im herrlichen Ambiente des Schlosses eine atmosphärisch dichte „Konzertlesung“ mit Klaus Kowatsch alias Richard Wagner, Paul Sonderegger als Franz Liszt, mit Ralph Krause am Violoncello und dem Pianisten J. Marc Reichow eine Performance, die zu einem äußerst interessanten, kurzweiligen, sehr informativen Psychogramm von zwei schwierigen Charakteren geriet.

Steckbrieflich gesucht

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Sonderegger beschränkte sich bei der Darstellung des Briefwechsels der beiden im Wesentlichen auf die sog. „Züricher Jahre“ (1849-1858) von Richard Wagner; schwierige Jahre für diesen: nach steckbrieflicher Suche Flucht aus Dresden ins Züricher Exil und permanente Geldnot. In dieser Zeit entwickelte sich zwischen Franz Liszt, dem rastlosen Superstar und klavierspielendem Lebemann, der Wagners Kunst uneingeschränkt bewunderte, und dem exzentrischen Wagner ein reger Briefwechsel, der die freundschaftliche Annäherung der beiden Künstler dokumentierte, Wagners Verzweiflung und unverblümte Geldforderungen an Liszt, den entstehenden Zorn und Streit zwischen den beiden extremen Charakteren, die Versuche, die zerbrochene Freundschaft wieder zu kitten.

Und schließlich die resignierende Einsicht Liszts, dass Richard Wagner, rastlos tätig nur für sich selbst, teilnahmslos und rücksichtslos gegen andere, in übersteigertem Egoismus nur sich und seine Kunst allein gelten ließ.

Klaus Kowatsch und Paul Sonderegger rezitierten im dialogischen Wechsel und ließen dabei ihre Protagonisten fantastisch lebendig in Erscheinung treten. Dennoch kam der Musik bei dieser überzeugenden Art der Inszenierung der Briefe eine nicht minder bedeutende atmosphärische Rolle zu.

Mit Bearbeitungen von Wagners Musik aus dem Lohengrin-Vorspiel, der Trauermusik zu Romeo und Julia, mit Bearbeitungen von Carl Tausig (1841-1871) zu den drei Paraphrasen aus Tristan und Isolde, von Hugo Wolf aus der „Die Walküre“, von Gabriel Fauré (1845- 1924) aus den „Nibelungen“ und Liszt zu Wagners „Abendstern“ aus dem Tannhäuser, schufen J. Marc Reichow und Ralph Krause ein dichtes Beziehungsgewebe zwischen Wort und Musik, waren an der passenden Stelle ätherisch entrückt, dramatisch fordernd, versöhnlich einigend und immer extrem ausdrucksstark.

Zu Wagners Musik gesellten sich originale Werke von Liszt, wie der „Liebestraum“, die „Première Elegie“ für Cello und Klavier, die Venezianischen Impressionen („La lugubre gondola“ und „R.W. – Venezia“) und die „Consolation Nr. 3“, die in ihrer Gegensätzlichkeit zur Musik Wagners die Polarität der beiden Komponisten hervorragend unterstrichen und gleichzeitig auch die kompositorische Leistung Liszts ins rechte Licht rückten.

Pianistische Fähigkeiten

Exzellent die klavieristische Leistung von J. Marc Reichow und der Wohlklang des Cellos von Ralph Krause. Und selbst Paul Sonderegger ließ es sich nicht nehmen, seine pianistischen Fähigkeiten überzeugend beim vierhändigen Fauré einzusetzen.

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