Eines der größten Online-Seitensprung-Portale wird von einer Donauwörtherin betrieben. Mit Erfolg, aber auch Gefahr für manche Ehe. Von Steffi Schuster

Von Steffi Schuster
Donauwörth - Seitensprünge sind längst nicht mehr nur ein Phänomen der sündigenGroßstadt. Eines der größten Online-Seitensprung-Portale wird von einerDonauwörtherin betrieben. Über 200.000 Nutzer sind auf der Websiteangemeldet und haben schon so manche Ehe ins Wanken gebracht.
Im digitalen Zeitalter tun sich völlig neue Möglichkeiten auf - und mit ihnen ganze Geschäftszweige. Einer davon hat seine Wurzeln im beschaulichen Donauwörth, in einem frisch renovierten weißen Häuschen mit blauen Fensterläden. Wer durch die Gartentür tritt, das Plätschern des nahen Baches im Ohr, vermutet hier alles andere als eine Firma, die Suchenden online zum Seitensprung verhilft.
Auf dem Internetportal flirtpub.de tummeln sich etwa 220.000 Männer und Frauen, die irgendetwas zwischen einsamer Seele und erotischem Abenteuer suchen. "Früher haben sich die Seitenspringer im persönlichen Umfeld umgeschaut. Jetzt nutzen sie die Anonymität des Internets", sagt Geschäftsführerin Nicole Kleinhenz. Die Affäre mit dem Nachbarn fliege schließlich viel leichter auf.
Die 30-Jährige, die früher als Zahnarzthelferin arbeitete, ist auch nach sieben Jahren noch begeistert von ihrer Idee. "Ich war sozusagen der dümmste anzunehmende User und habe überlegt, nach was die Leute im Netz suchen könnten." Schnell war die Marktlücke gefunden. Inzwischen liege die Zahl solche Online-Kontaktbörsen im unteren dreistelligen Bereich, schätzt Thomas Schmidt. Er betreut das Portal seitenspung-fibel.de, für das er entsprechende Angebote unter die Lupe nahm. Das Fazit: Seriosität ist Mangelware. Nur vier Anbieter konnten den Anforderungen - dass etwa alle Profile echt sind und sich hinter den Antwortmails keine Animateure verbergen - gerecht werden.
Ein Kunde von Nicole Kleinhenz dürfte hingegen keine Sekunde an der Echtheit seiner Dating-Partnerin gezweifelt haben: Seine Ehefrau sei misstrauisch geworden und habe sich selbst auf dem Internetportal registriert, erzählt die Geschäftsfrau. Dann habe sie mit ihrem eigenen Mann ein Treffen vereinbart. "Das war natürlich ein großes Dilemma und wohl auch das Ende der Beziehung."
Damit es soweit gar nicht erst kommt, gibt Nicole Kleinhenz ihren Kunden bei Bedarf praktische Tipps. Treffe man sich zum Schäferstündchen nicht im Hotel, sondern in der eigenen Wohnung, sollte man vorher ein Foto machen, um nachher wieder alles an seinen Platz zu rücken. "Und niemals Kerzen anzünden, die brennen ab. Frauen merken so etwass." Die wiederum seien cleverer, planten den Seitensprung besser. "Bei Männern dagegen rutscht der Kopf früher in die Hose", sagt Kleinhenz.
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