Horst Schroth bietet mit seinem neuen Soloprogramm gute Unterhaltung
Kaisheim Vergessen und vorbei oder doch eher erinnert und ersehnt? – Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Horst Schroths Kabarettstück „Was weg ist, ist weg“. Dabei ist der Ausgangspunkt seines Stücks die Fete zum 65. Geburtstag seines besten Freundes Fränkie. Geplagt von einem Zuviel an Exfreundinnen und einem Zuwenig an prognostizierter Lebenszeit, versinkt Fränkie in Larmoyanz, wird von seinen Freunden aber schlussendlich überredet, eine Party zu geben. Die endet jedoch wenig erfreulich auf dem Kantstein vor Hörbis Kneipe. Dort sitzend betrachtet Schroth die Überreste seines verbrannten Autos. „Brieftasche, I-Phone, Laptop – alles weg, nur weil ich zu faul war, die Sachen aus dem Kofferraum mitzunehmen.“ Natürlich hatte Schroth ein Back-up gemacht, zuletzt am 21. April – vor zwei Jahren: „Mein ganzes Leben ist weg, und ich muss alles wieder beschaffen“, fasst Schroth zusammen.
Dann erzählt er konsequent die Geschichte dieses Geburtstags und nützt sie als Folie, vor der er Befindlichkeiten aus Politik und Gesellschaft wiedergibt: Krankheitsängste, Versagensängste, Verlustängste. Eingehüllt in dieses Figurenkabarett offenbaren sich zögerlich politische Statements und Analysen. Alexis Sorbas als Antizipation der Griechenlandkrise, Außenminister Westerwelle „allein vor el-Alamein“ und eine angemahnte Nachsicht mit Merkels Agieren in der Bankenkrise, nachdem sie ja erst seit 1989 den „Umgang mit echter Währung“ kennengelernt hatte.
Aber politisch zu kritisieren, war nicht Schroths primäres Ziel. Er versteht die Kunst der Unterhaltung. So holt er die verschiedensten Charaktere auf die Bühne: Fränkies Verflossene – darunter die Kampfemanze Waltraud, Olga, das Jaguarweibchen auf Beutezug, den Kartoffel-Luigi und nicht zu vergessen die Autonomen, die die Feier stürmen und „Luxus für alle“ fordern. Er deutet dabei die Dialekte der Protagonisten an und lässt im Zusammenspiel mit einer veränderten Körperhaltung neue Figuren plastisch entstehen. Schroth bot im Kaisheimer Thaddäus eine kurzweilige Unterhaltung und amüsierte mit so manchem Wortwitz sein Publikum.
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