Donauwörth (pm) - Einen Vortrag der besonderen Art erlebten die Schüler der 9. und 10. Klassen an der Ludwig-Auer-Schule Donauwörth. Auf Vermittlung von Hauptmann Michael Langlotz referierte Werner Ablaß, ehemaliger Verteidigungsstaatssekretär der DDR, in der Aula der Schule über das große Glück, Freiheit in verschiedenster Hinsicht erleben zu dürfen.

Gespannt lauschten etwa 150 Schüler den Ausführungen von Werner Ablaß. Vor allem die turbulenten Jahre von 1988 bis 1990, die gerne als die Zeit der Wende bezeichnet werden, standen im Mittelpunkt seines Zeitzeugenberichtes. Während das Ministerium für Staatssicherheit alles ausspionierte, was sich irgendwie gegen den Staat richten könnte, waren Erwachsene wie Schüler verunsichert, unzufrieden und verängstigt.
Keiner traute mehr dem anderen, alle hatten nur den Wunsch nach Freiheit, ein Ziel, das "23 alte Männer" in der Regierungsmannschaft aus Sorge um die eigene Zukunft vereiteln wollten.
Werner Ablaß, der 1985 nach seinem Übersiedelungsantrag sofort arbeitslos geworden war, schloss sich später dem Neuen Forum und dem demokratischen Aufbruch an. Dank seiner Sprachgewandtheit konnten sich die Zuhörer immer wieder in die Lage von Jugendlichen versetzen, die dann erstmals am 9. November 1989 die Ost-Westgrenze an der Berliner Mauer legal überwanden. "Erst jetzt, nachdem die DDR pleite war, gelang es uns, Reisefreiheit, Presse- und Meinungsfreiheit zu erkämpfen. Für uns alle ein unbeschreibliches Gefühl."
Der Referent, der im Jahre 1990 in die Politik berufen wurde, erzählte von seinen zahlreichen Gesprächen, die er als Stellvertreter des Ministers beim Austritt der DDR aus dem Warschauer Pakt führen musste.
Als Verhandlungsführer der Regierung für das Verteidigungsressort der DDR war er maßgeblich an der Gestaltung des Einigungsvertrages beteiligt. Letztlich war auch der Zusammenbruch der UdSSR eine Folge dieser Entwicklung.
Im Anschluss an den Vortrag stellten die Schüler zahlreiche Fragen, vor allem zu den Lebensbedingungen der Menschen in den heutigen Ostländern, die sich trotz hoher Arbeitslosigkeit ganz wesentlich verbessert haben. Immer wieder musste Werner Ablaß aus seinem Leben berichten, wobei er trotz mancher Kritik die Dankbarkeit für die deutsche Einheit unterstrich.
Rektor Werner Freißler bedankte sich bei Werner Ablaß und Hauptmann Michael Langlotz für einen Geschichtsunterricht, der die Reihe der Vorträge an der Ludwig-Auer-Schule vortrefflich ergänzte.
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