Sonntag, 23. April 2017

20. März 2017 08:35 Uhr

Große Kreisstadt

Wann gibt es 20000 Donauwörther?

Die ersten Stimmen aus dem Rat sprechen bereits davon, dass die Große Kreisstadt aktuell diese Marke erreicht hat. Warum das – zumindest offiziell – aber nicht ganz richtig ist.

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Die Stadt Donauwörth ist zuletzt gewachsen. Ob die Zahl der Einwohner inzwischen die 20000er-Marke überschritten hat, kann man so oder so sehen. Offiziell ist es aber noch nicht so weit.
Foto: Wolfgang Widemann (Archivbild)

Die meisten Donauwörther antworten wahrscheinlich ähnlich. Auf die Frage in der Fremde, wie groß denn ihre Heimatstadt sei, folgt wohl der Satz: „So um die 20000 Einwohner.“ Tatsächlich könnte das bald stimmen. In den beiden vergangenen Jahren gaben Oberbürgermeister und Verwaltung bei den Haushaltsabschlüssen die Zahl der Bürger stets mit etwa 18500 an. Gleichzeitig hielt der Zuzug in die Große Kreisstadt uneingeschränkt an. Das Einwohnermeldeamt listet inzwischen 20072 Bewohner auf. Doch „20000-Einwohner-Stadt“ darf sich Donauwörth offiziell noch immer nicht nennen.

Konrad Nagl braucht mehrere Anläufe, um dem Laien das Phänomen zu erklären. Das Einwohnermeldeamt führt über 20000 Eintragungen, doch das Bayerische Landesamt für Statistik parallel nur 19721. Letztere ist die offizielle Zahl – und die spielt vor allem politisch eine nicht unbedeutende Rolle. Hätte Donauwörth nun bereits die zweite Zehntausend voll, so erweiterte sich, wie Oberbürgermeister Armin Neudert bestätigt, die Zahl der Stadträte auf 30, anstatt der aktuell 20. Doch woher kommt der Unterschied der bei den beiden Zahlenangaben? Nagl erklärt, dass es bei den im Einwohnermeldeamt gelisteten Angaben stets eine „statistische Unsicherheit“ von circa 300 gebe. Die Zahlen des Landesamtes beruhten hingegen auf dem sogenannten Zensusverfahren, also der letzten Volkszählung. Doch die wiederum sei tatsächlich bloß eine Teilerhebung, bei der eben nur über Stichprobenzählungen die ermittelte Zahl in einem mathematischen Verfahren hochgerechnet wird.

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Die Fehlerquoten, die in den Meldeämtern durchaus auftreten könnten, sie stammten, so Nagl, aus einer Zeit, in der die Daten zwischen verschiedenen Kommunen und Bundesländern noch nicht eins zu eins abgeglichen werden konnten. Will heißen: Nicht jeder, der im Laufe der vergangenen Jahrzehnte aus Donauwörth wegzog, hatte sich ordnungsgemäß abgemeldet. Nagl geht aufgrund dieser analogen Nachwirkungen auch im digitalen Zeitalter von sogenannten „Karteileichen“ aus. Nach und nach bereinigte sich diese Zahl – heutzutage sei eine ordnungswidrige Mehrfachmeldung über die digitale Vernetzung der Meldebehörden kaum mehr möglich. Indes veröffentliche das Statistische Landesamt in München zweimal im Jahr die Bevölkerungszahlen in den bayerischen Kommunen. Bis zu den nächsten Kommunalwahlen, so prognostizieren Neudert und Nagl, werde man die offizielle Zahl von 20000 wohl nicht erreichen. Jene Wahlen finden im März 2020 statt, es zählt also demnach die offizielle Zahl des Landesamtes von Juni 2019.

OB Neudert zeigt sich trotzdem optimistisch: „Wir gehen derzeit in Richtung 20000.“ Der Rathauschef gibt aber auch zu bedenken, dass eine all zu rasante Entwicklung schädlich sein könnte: „Große Sprünge tun einer Kommune eigentlich nicht gut, ein bedächtiges, stetiges Ansteigen ist gesünder.“ Die aktuelle Geschwindigkeit, kein bombiger Boom, aber eben jenes stillere Aufwärts, sei „ein guter Weg“.

Derweil bedeute die 20000 allem voran, wie Nagl und Neudert erklären, einen Imagegewinn. Die direkte Auswirkung sei in erster Linie die erwähnte Aufstockung des Stadtrates. Dort würde das Gremium in jeglicher Sichtweise pluraler, mehr Räte bedeuten mehr Meinungen, mehr Stimmen, die es zu überzeugen gilt.

Aber wirtschaftlich wäre die Schwelle, folgt man Neuderts Argumentation, kein Quantensprung. Scharfe Grenzen aus wirtschaftlicher Sicht, etwa was die Ansiedlung von Filialen überregionaler Unternehmen angeht, gibt es nicht wirklich. Neudert fügt hinzu: „Die Zahl ist keine Hürde, bei der man beispielsweise mehr öffentliche Zuwendungen und Fördergelder bekommen könnte.“

Ökonomisch ist Donauwörth dennoch ein Zugpferd in der Region. Die Zahl der im Stadtgebiet sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg zwischen 2011 und 2016 von 14350 auf 17637.

Indessen zeichnet sich tatsächlich ein Plus in der Bevölkerung Donauwörths ab. Zuletzt war es das Baugebiet Härpferpark, das einen Zuzug von 500 Personen innerhalb von zehn Jahren brachte. Ferner: Neu entstanden seien zuletzt 44 Wohneinheiten am Bahnhof, 27 Bauparzellen in Riedlingen sowie weitere elf im Bereich Berg.

Perspektivisch lässt die Umwandlung der Kaserne in der Parkstadt (Alfred-Delp-Quartier) weitere Neu-Donauwörther erwarten, wie auch die Neuerschließungen in Zirgesheim, Schäfstall und am Pappelweg/ Erlenweg.

Zusammenfassend lässt sich insgesamt festhalten: Die Wirkung der „20000“ ist wohl vor allem eine psychologische. Für das Donauwörther Selbstbewusstsein nicht unerheblich: Nachbar Nördlingen steuert ebenfalls zügig auf die 20000 zu. Wer wird (offiziell) Erster sein im ständigen Wettbewerb der beiden großen Landkreisstädte?

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth



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