Sonntag, 20. August 2017

20. April 2017 19:34 Uhr

Donau-Ries-Kreis

Was die April-Kälte anrichtet

Bange Tage für die Landwirte und Hobbygärtner: Obstbäume, die in voller Blüte stehen, könnten leiden. Wie man die Pflanzen vor Nachtfrost schützen kann. Von Helmut Bissinger Und Philipp Wehrmann

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Wie viele Gartenbesitzer sorgt sich auch Thomas Löw aus Ebermergen wegen der Kälte um seine Obstbäume. Das Problem sind die Nachtfröste.
Foto: Helmut Bissinger

Noch gibt es keine Entwarnung. Die Gartenbesitzer müssen sich noch sorgen. „Die meisten Pflanzen sind aber auf späte Kälteeinbrüche gut eingestellt“, beruhigt Thomas Löw. Er leitet die Gärtnerei der Justizvollzugsanstalt Kaisheim. Wenige Handgriffe reichen, um Veilchen, Narzissen und Stauden sicher durch das Winter-Intermezzo zu bringen. „Aber kälter sollte es in den Nächten nicht werden“, schränkt Löw ein, der zu Hause in Ebermergen selbst Apfel-, Birnen- und Kirschbäume hat.

„Kleinere Bäumchen kann man mit einem Vlies umwickeln, um sie vor Frost zu schützen“, sagt Löw. Schwierig bis aussichtslos sieht es dagegen bei den Apfelbäumen aus, die in vielen Gärten bereits in voller Blüte stehen. „Leider kann man da gar nichts tun. Die Blüten sind teilweise schon erfroren“, sagt Karl-Heinz Bruckmoser, der Kreisverbandsvorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine. Bruckmoser malt bereits ein düsteres Bild. Er ist der Meinung, dass die letzten Nächte bereits deutliche Spuren hinterlassen hätten. Manche Apfelbäume hätten freilich noch keine Blüten entwickelt, sodass einige Besitzer möglicherweise doch keinen Ernteausfall hätten. „Aber Kirschbäume, die schon so wunderbar geblüht haben, werden in diesem Jahr keine Früchte abwerfen“, sagt Bruckmoser.

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Auch im Treibhaus wird es kalt

Beide Experten warnen Gartenbesitzer, zu meinen, dass ihre Pflanzen in Treibhäusern geschützt seien. „Sinkt die Temperatur unter zwei Grad, gibt es auch dort Schäden“, erklärt Bruckmoser. Thomas Löw verweist darauf, dass dann auch Balkonpflanzen gefährdet seien. Nur, wer die Möglichkeit habe, sein Treibhaus zu beheizen, könne beruhigt schlafen. Das schöne Wetter zum Monatswechsel habe die Menschen verführt, schon Geranien oder Begonien zu kaufen. Die meisten müssten wohl noch einmal in die Tasche greifen, denn die zu zeitig gekauften Pflanzen seien wohl kaum mehr zu retten.

Was können Hobbygärtner noch machen? Topfpflanzen von draußen nach drinnen stellen oder zumindest an die Hauswand rücken. Auch bereits ausgesäter Salat oder Radieschen sollten abgedeckt werden, so der Ratschlag. Würden die Nächte nun klarer, werden die Temperaturen noch weiter absinken. „Bisher hielt es sich mit den Frösten in Grenzen“, berichtet Manfred Faber. Der Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Nördlingen hat als Hobbygärtner die Temperaturen im Auge. In Donauwörth seien sie zuletzt bei weitem nicht so in den Keller gefallen, wie von den Meteorologen prophezeit. Er hat seine schon ins Treibhaus gestellten Tomaten wieder zurück ins Haus geholt. Im Treibhaus hat er eine Kerze angezündet. Das allein, bestätigt Karl-Heinz Bruckmoser, könnte schon helfen, den Frost abzuhalten.

Späte Kälteeinbrüche nicht selten

An späte Kälteeinbrüche kann sich Faber immer schon erinnern. Das sei keine Seltenheit. Vor 15 Jahren habe er in der Nacht vom 18. auf 19. April einmal minus neun Grad gemessen. „Damals war alles kaputt.“ Aus Erfahrung weiß er, dass Salatpflanzen im Treibhaus durchaus Minusgrade wegstecken können.

Und wie sieht es in der Landwirtschaft aus? „Wenn es nicht schlimmer wird, kommen wir mit einem blauen Auge davon“, fasst Faber zusammen. Die Kartoffeln sind noch nicht aus der Erde gekommen, der Raps beginne erst zu Blühen, „die Rüben sind da“ und das Getreide halte auch moderate Minusgrade aus. Gewerblicher Obstanbau werde im Donau-Ries kaum getrieben.

Wesentlich mehr Sorgen als die Kälte macht Michael Stiller die Trockenheit. Der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Donauwörth bezeichnet den Niederschlag der vergangenen Tage als zwar gut und notwendig, er habe aber bei Weitem nicht ausgereicht.

Thomas Murr baut in Rudelstetten Spargel an. Der Spargel könne bei Minusgraden zwar abfrieren, treibe jedoch anschließend nach, sagt er. Das führe zwar zu einem zeitlich begrenzten Gewinnausfall, im Vergleich zu den Obstbäumen sei der Schaden aber überschaubar. Kunden müssten sich nicht darauf einstellen, dass der Spargel nun umgehend teurer werde.

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