Rennertshofen/Marxheim (clst) - Seit mittlerweile vier Wochen steht das umstrittene Windrad auf den Anhöhen von Ammerfeld - und seit vier Wochen ist die Stimmung bei den Anwohnern auf dem Tiefpunkt. "Die Rotoren der Anlage erzeugen einen permanenten Lärm, der nicht hinnehmbar ist. Ein Aufenthalt außerhalb des Hauses ist zum Alptraum geworden", schreibt Anton Helmer in einem Brief an den Rennertshofer Bürgermeister Ernst Gebert. Selbst bei geschlossenen Fenstern würde man das gleichmäßige Schwingen der Rotorblätter noch hören - und das rund um die Uhr. Die Nerven liegen blank.
Auch seine Nachbarin Karola Gentner ist "total erschrocken" über die Lautstärke, die der Rotor verursacht. "Meine Kinder sind aufgewühlt und können nicht mehr schlafen", erzählt sie. Außerdem ist sie sich sicher: Ihnen allen wurde der Besitz geraubt, ihre Häuser sind nichts mehr wert. "Wer will denn hier noch leben?", fragt sie sich.
Forderung: 600 Meter Abstand sind nicht genug
Nicht nur in Ammerfeld, sondern auch im benachbarten Burgmannshofen auf Donau-Rieser Seite brodelt es. "Selbst bei geschlossenen Fenstern und Rollläden ist es immer noch extrem laut", weiß Renate Roßkopf. Die Marxheimer Gemeinderätin hat eine Bürgerinitiative gegen das Windrad gegründet und sieht sich jetzt in ihren Befürchtungen bestätigt: Das Windrad sei einfach zu groß und zu nahe am Ortsrand. 600 Meter ist der Turm von Ammerfeld und Burgmannshofen weg. Laut Immissionsschutz ist genügend Abstand eingehalten, wenn die Distanz zwischen Windrad und Bebauung die dreifache Höhe des Turms einschließlich der Rotorblätter beträgt. In diesem Fall wären das 540 Meter. Für Renate Roßkopf ist klar: Hier stimmen die gesetzlichen Vorgaben nicht.
An diesem Umstand kann jedoch das Landratsamt in Neuburg nichts ändern, das Bürgermeister Gebert nach dem Beschwerdebrief von Anton Helmer auf den Plan gerufen hat. Viermal war Konrad Schneider, der bei der Behörde für den Immissionsschutz zuständig ist, schon in Ammerfeld und hat die Geräuschkulisse gemessen. Während an zwei Tagen der Wind so laut war, dass er das Geräusch des Rotors übertönt hat, herrschte am dritten Tag totale Stille - sowohl beim Wind als auch beim Windrad. Schließlich hat alles gepasst, so dass Schneider in Ammerfeld und in Burgmannshofen messen konnte. Das Ergebnis: 42 Dezibel bei voller Leistung der Anlage. Zulässig sind 60 Dezibel tagsüber und 45 Dezibel nachts.
Alle drei Dezibel verdoppelt sich der Lärm
Dass die Geräuschkulisse damit weit unter der zulässigen Grenze liegt, macht Betreiber Herbert Kugler an folgendem Rechenbeispiel klar: Alle drei Dezibel verdoppelt sich der Lärm. Wäre der Wert von 42 nachts gemessen worden, dürfte die Anlage nach den gesetzlichen Vorgaben demnach doppelt so laut sein. Tagsüber liegt die "Schmerzgrenze" entsprechend um ein Vielfaches höher.
Das ist den Menschen in Ammerfeld und Burgmannshofen allerdings kein Trost. Sie fühlen sich erheblich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt und sehen ihre Gesundheit ökonomischen Interessen geopfert. "So kann man mit uns doch nicht umgehen", macht Helmer seinem Ärger Luft.
Den bekommt auch Herbert Kugler von der Bavaria Windkraft GmbH zu spüren. Immer wieder bekommt er wütende Anrufe, dass er die Anlage abschalten oder zumindest zurückfahren soll. Dabei hat der Unternehmer aus Rennertshofen seinen Angaben zufolge gar keinen Einfluss auf die Technik des Windrades, denn noch gehört es der Firma Enercon GmbH. Erst wenn ein Institut die Anlage abschließend vermessen hat und die zulässigen Immissionswerte eingehalten werden, geht sie in den Besitz von Kugler über. Bis dahin wird Enercon nach den Worten von Kugler weiter an einer Schallreduzierung arbeiten.
Kugler räumt auch gleich mit einem anderen Missverständnis auf. Unabhängig von der Höhe des Turms seien die Rotorblätter immer gleich groß. Für die Lärmimmission sei es deshalb sogar besser, je höher die Anlage und damit der Rotor ist.
Der Landrat soll helfen
Davon merken die Menschen in Ammerfeld allerdings nichts. Sie wollen, dass wieder Ruhe in ihr Dorf einkehrt. Dafür soll jetzt Landrat Roland Weigert sorgen. Und wenn das nichts nützt, überlegen sie, Herbert Kugler anzuzeigen.
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