Mittwoch, 19. Juni 2013

02. Mai 2012 12:09 Uhr

Vortrag

Zeichen des Protestantismus

Karl Martin Graß erläutert die 400-jährige Geschichte der St.-Barbara-Kirche Von Ralf Hermann Melber

Harburg Bei einer Veranstaltung zum 400. Jubiläum der St.-Barbara-Kirche referierte Karl Martin Graß über die Geschichte der Kirche. Von dem, was heute sichtbar ist, sind lediglich das Mauerwerk und der Turm, in gewisser Weise auch die Fenster, aus dem Bauzeitraum 1612/13 erhalten. Da die fürstlichen Archivquellen reichlich sprudeln, konnte der Referent in den letzten Ausgaben der Harburger Hefte die Geschichte von St. Barbara ausführlich darlegen. Kopien von Originalpetitionen der Harburger an Graf Gottfried von Oettingen-Oettingen (Regent von 1569 bis 1621) sowie von Bauplänen unterstützten den Vortrag.

Bis zur Reformation und der Errichtung der neuen Kirche stand an dieser Stelle eine kleine Kapelle, die der heiligen Barbara geweiht war. Ihre Kapazitäten reichten etwa bei Beerdigungen oder dem oftmals gemiedenen längeren Weg zur Schlosskirche St. Michael auf der Harburg nicht mehr aus. Wegen der Nähe zum Friedhof wurde die Kapelle möglicherweise bevorzugt für das Requiem genutzt. Doch auch bei Abendmahlsfeiern ging es unzumutbar eng zu.

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Nach drei Petitionen entschied sich Graf Gottfried, eine imposante Kirche anstelle der Kapelle am Fuß des Burgfelsens errichten zu lassen. Donauwörth war gerade nach seiner Reichsacht rekatholisiert worden, weshalb man dem Protestantismus nördlich davon ein deutliches Zeichen setzen wollte.

Mit vielen helfenden Händen, Spenden und einem Kostenvoranschlag über exakt 2212,07 Gulden ging es in Harburg ans Werk. Die Genehmigungswege waren kurz, denn Graf Gottfried war Bauherr, Baugenehmigungsbehörde und hauptsächlicher Zahlmeister in einem. Daher konnte er seine Entscheidung, einen viel größeren Turm zu errichten, verhältnismäßig rasch im Jahr 1613 umsetzen. Auch dadurch sollten sich die Schlusskosten auf das Doppelte erhöhen. Der Kirchturm steht erhöht auf dem Felsen und ist schwer zugänglich, während am Ostende der Kirche, unterhalb des Chors, ein markanter Bogen den Durchgang vom Marktplatz zum Strölinhaus ermöglicht. Ganz in der Nähe weist eine Gedenktafel auf Gefallene der Schlacht am Schellenberg hin. Es ist anzunehmen, dass der erste Gottesdienst vermutlich im Advent 1612 abgehalten wurde. Damals war der Harburger Superintendent Johann Spagmann für die örtlichen Protestanten zuständig. An ihn erinnert eine Gravur auf einem Oblatenteller aus dem Jahr 1629.

Erst 1685 erhielt die Kirche eine Orgel

Graß ging in seinen Ausführungen auf die Glocken, Abendmahlsutensilien und Bilder ein. Ein Deckengemälde aus dem 18. Jahrhundert ist noch heute von der abgetragenen Kirche des ehemaligen Lustschlosses Tiergarten bei Schrattenhofen erhalten. Von dort waren auch eine Altareinrichtung mit Kanzel und erste Kirchenbänke zugegangen. 1694 zog der Pfarrer von der Harburg zum Markt hinunter – ein weiterer Aspekt, der zeigte, dass St. Michael schleichend den Status als Pfarrkirche verlor. Erst 1685 erhielt die Kirche eine kleine Orgel. Nach vielen Reparaturen wurde 1888 die jetzige Orgel eingebaut. 1947 renovierten die Harburger ihre Marktkirche nach dem Krieg. 1988 erfolgten nochmals letzte Sanierungsarbeiten. Der kurzweilige Vortrag beeindruckte durch einen umfassenden Einblick in 400 Jahre Harburger Kirchengeschichte direkt am Ort des Geschehens.

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