Freitag, 31. Oktober 2014

Radtouren Augsburg und Umgebung

14. Juli 2011 15:32 Uhr

Radtour

Auf der Straße nach Süden

Ein schöner Ausflug zur Sonne: Zum Lech, zu einer Burgruine und mit einem alten Schlager im Gepäck

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Ohrwürmer sind hinterhältig: Sie nisten sich ein, tauchen aus dem Nichts auf und nehmen einen in Beschlag – ob man will oder nicht. Anfangs waren die Gedanken edel: Eine Fahrt in den Süden, dorthin, wo die Römer herkamen, wo der Lech seine Kraft tankt, mit der er einst die Stadt antrieb und dorthin, wo eine Ruine an die alte Zeit erinnert. Dann kam Tony Marshall: „Auf der Straße nach Süden...“ Und er ging nicht mehr. Das ist aber auch das einzige Risiko und die einzige Nebenwirkung der Tour.



Die kleine Reise in den Süden entfaltet schon nach wenigen Metern ihre wohltuende Wirkung: hinaus aus der Stadt, weg vom Lärm am Roten Tor – hinein in den Siebentischwald und weiter nach Siebenbrunn. Das ist wie Urlaub. Wasser plätschert, Vögel zwitschern. Und kleine Schilder verraten: Hier erholen sich Menschen. Den Weg in den Süden markieren die Schilder mit der Aufschrift „Romantische Straße“. Hier sollen Menschen ihre Ferien genießen. Noch ist keiner in Sicht. Doch im Ohr herrscht Leben. „Auf der Straße nach Süden“ – schon wieder!

An der Lechstaustufe 23 treiben zwei Frauen ihre Pferde ins Wasser. In der Staumauer treibt der gezähmte Lech Turbinen an. Der Fluss war und ist eine Lebensader für die Region. Er trieb Mühlräder an, an seinen Ufern rollten die Waren aus Italien nach Norden, die die Augsburger reich machten. Das ist längst vorbei, doch die Sehnsucht nach dem Süden bleibt.

Der Weg führt am rauschenden Lochbach entlang zur nächsten Staustufe. Dort halten zwei schwer bepackte Radler. Urlauber? Ja. Annette Herrmann und Hans-Georg Schulz waren im Süden, fahren in den Norden. „Wir wollen bis zur Donaumündung und dann bis nach Donaueschingen“, erzählt der Rheinländer. Als seine Mitradlerin von den Erlebnissen erzählt, kommt ein einzelner Radler an. „Darf ick mich mal einschalten?“, fragt er. Und noch zwei Männer steigen aus dem Sattel. „Moment mal!“ sagt er: „Berlin? Sachsen-Anhalt? Thüringen?“ Deutschland trifft sich an der Lechstaustufe 22. Er stammt und sein Mitradler stammen aus Eisleben in Thüringen, der einzelne Herr aus Berlin und Annette Herrmann aus Sachsen-Anhalt. „Und Du“, fragt er. „Augsburg.“ „Ah, ja“, antwortet er. Dann ruft wieder der Süden.

Auf der anderen Seite, auf dem Weg nach Prittriching, tauchen die Gipfel der Alpen auf. Zwischen Feldern und Wiesen rollen die Kilometer davon. In Prittriching lockt das Warmfreibad und am Ortsrand eine Sehenswürdigkeit: die Assisi-Kapelle. Gotteshäuser kennt Bayern viele, doch ganz aus Kupfer sind die wenigsten. Der Ohrwurm legt eine Pause ein. Die Straße nach Süden führt am Zollhaus vorbei, dann zeigt ein Schild nach Osten: „Ruine Haltenberg“. Es geht den einzigen Berg des Tages hinauf. Links haben die Biber ihr Revier, rechts rauscht Wasser und oben steht seit dem 13. Jahrhundert eine Burg.

Erst die Haltenberger, dann die Rehlinger und jetzt der Landkreis

Heute sind nur noch die Mauern und ein Turm übrig. Ein paar Arbeiter sorgen für Ordnung. „Auf den Turm können Sie leider nicht. Der Kammerjäger hat Wespen ausgeräuchert“, sagt einer. Er wird vom Landkreis Landsberg bezahlt, der heute Burgherr ist. Einst waren es die Haltenberger, dann kam unter anderem die reiche Augsburger Patrizier- und Handelsfamilie der Rehlinger. 1802 brach man das Schloss ab. Der Kreis bekam es später geschenkt. Wer auf den Turm will, muss sich führen lassen (siehe Infokasten). Wenn es das Laub zulässt, ist von dort der Lech zu sehen.

Der Fluss gibt den Weg vor: weiter „Auf der Straße nach Süden“, nach Landsberg? Oder zurück in den Norden? Heimwärts, sagt die Uhr. Am Zollhaus bei Scheuring trifft ein Augsburger auf zwei Thüringer, denn der Rückweg ist zunächst der gleiche wie der Hinweg. Ab dem Ende der Staustufe 23 geht es auf der anderen Lechseite zurück. Hier reihen sich die Badeseen wie Perlen an einer Kette auf.

Das ist die Rettung für jeden, den Tony Marshall nicht in Ruhe lässt. Was könnte einen lästigen Ohrwurm besser vertreiben, als eine Ladung kühles Wasser?

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