Nun hat sich der Bund Naturschutz in Bayern zur geplanten Trassenwahl der B-2-Umfahrung von Kissing zu Wort gemeldet und dem staatlichen Bauamt in Augsburg sein Vorgehen vorgeworfen. Von Jana Tallevi



Damit werde der Verdacht hervorgerufen, so der Bund, dass sich die Planungen nicht an ökologischen Kriterien orientierten, sondern die entsprechenden Umweltprüfungen an die Straßenbauplanungen angepasst würden. "Der Naturschutz wird bei einer solchen Vorgehensweise mit Füßen getreten" kritisiert Helmut Schenke, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Aichach-Friedberg.
Dem widerspricht Barbara Burkhard, im Bauamt Bereichsleiterin für den Straßenbau. Die ausgewählte Trasse sei die einzige, die eine wirkliche Entlastung zur jetzigen B 2 verspreche. Burkhard sagt auch, dass freilich im Hintergrund dennoch für alle möglichen Straßenführungen Untersuchungen auf ihre Umweltverträglichkeit durchgeführt würden; die müssten dann auch im weiteren Verlauf des Verfahrens vorgelegt werden.
Die vom Bauamt ausgewählte Variante verläuft zwischen dem europaweit bedeutsamen Naturdenkmal Bahngruben und dem Naturschutzgebiet Kissinger Heide und den Lechauen. Erst in den vergangenen Jahren habe man sehr erfolgreich versucht, diese Schutzgebiete mittels Ausgleichsflächen für den vierspurigen Ausbau der Bahn wieder zu verknüpfen. Diese Arbeit werde nun zumindest teilweise wieder zerstört, heißt es seitens des Bundes Naturschutz.
Doch nicht nur Tier- und Pflanzenarten sieht der Bund Naturschutz gefährdet, auch das Trinkwasser sei von dem Straßenneubau betroffen. In kurzer Entfernung am Weitmannsee befindet sich ein Trinkwasserschutzgebiet der Stufe zwei. Wasser benötigt dort nur etwa 20 Tage, bis es als Grundwasser in den Trinkwasserbrunnen fließt. Damit sich Oberflächenwasser von Schadstoffen befreien kann, rechnet man üblicherweise mit einer Frist von mindestens 50 Tagen. Gülle Ausbringen ist hier verboten, selbst ein Abschuss von geschützten Graugänsen wurde genehmigt, damit der Kot der Gänse nicht das Trinkwasser belastet. Der Verkehr mit seinen Emissionen würde erhebliche Risiken für die Trinkwasserversorgung mit sich bringen, ist sich die Naturschutzorganisation sicher.
Unterstützung vom Landesbund für Vogelschutz
Barbara Burkhard bezweifelt, dass es mit dem Bund Naturschutz zu einer Konsenslösung kommen kann. Und tatsächlich ist für den Naturschutzverband eine neue B 2 gar nicht notwendig. Die bis 2015 prognostizierte Verkehrsstärke von knapp 10 000 Fahrzeugen entspreche im bayernweiten Vergleich keiner überdurchschnittlichen Verkehrsbelastung. Sinnvoller sei es, die Kosten für Lärmschutzmaßnahmen der Anwohner zu finanzieren.
Der BN wird in seinen Bedenken von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) unterstützt.
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