Wetter
Fr.
22°C
Wetter
Sa.
21°C

29. August 2008 18:50 Uhr

Der "Homo vulcanicus" lebt mitten unter uns

Der "Homo vulcanicus" ist keine neu entdeckte Spezies oder die nächste Evolutionsstufe des "Homo sapiens". Der Homo vulcanicus ist ein ganz normaler Mensch, äußerlich kaum von anderen zu unterscheiden. Wie man ihn erkennt? Zunächst einmal und vor allem an seinem Wanderungsverhalten. Von Sandra Lepper

Den Homo vulcanicus zieht es dort hin, wo es heiß ist und die Erde bebt. Dem kühlen Meer zieht er brodelnde Lava vor. Immer wieder verlässt er seine heimische Umgebung, um sich für kurz oder lang in der Nähe aktiver Vulkane auf der ganzen Welt einzunisten. Und obwohl er sich der Gefahr bewusst ist, geht der Homo vulcanicus kein unnötiges Risiko ein. Schließlich möchte er noch bis ins hohe Alter auf Abenteuerreise gehen. Tobias Luschner (33), der in Mering wohnt, ist ein Homo vulcanicus. Er interessiert sich für alles, was mit Vulkanen zu tun hat.

Dem Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie würde man auf den ersten Blick eine solche Leidenschaft nicht unbedingt zutrauen, macht er doch einen sehr bodenständigen und nicht unbedingt abenteuerlustigen Eindruck. Doch das täuscht. Wenn er beginnt, über seine Leidenschaft zu sprechen, sieht man ein Funkeln in seinen Augen.

ANZEIGE

Tobias Luschner hat als Hobby-Vulkanologe fast die ganze Welt bereist und seine Erinnerungen jedes Mal in einer Art Reisetagebuch festgehalten. "Ich schreibe schon immer unheimlich gerne, seit einiger Zeit auch über meine Träume", sagt er. Knapp zwei Jahre lang hat Luschner seine Tagebücher zu einem Buch zusammengefasst und versucht, es einem Verlag anzubieten. "Es ist nicht zu erwarten, dass die Verlage alle Skripte lesen, die sie bekommen. Man muss meist irgendwen kennen." Beim Medu-Verlag, auf den er durch einen befreundeten Musiklehrer aus seiner oberfränkischen Heimat Altenkunstadt aufmerksam wurde, hatte er schließlich Erfolg. Der Verlag veröffentlichte im März sein Erstlingswerk "Homo vulcanicus".

Die Leidenschaft für Vulkane hat Tobias Luschner von seinem Vater Hermann, dem er das erste Kapitel widmet. Dieser hat ihn als Kind mit auf Vulkane genommen. "Ich wurde sehr früh mit aktiven Vulkanen, vor allem dem Stromboli, konfrontiert und bekam dadurch einen ersten Eindruck von der Naturgewalt. Das hat mein Interesse geweckt." Seitdem hat Luschner einiges über Vulkane gelesen, sich Dokumentationen angesehen und ist zu aktiven Vulkanen gefahren. "Je mehr Ausbrüche man sieht, umso größer wird die Begeisterung." Sein "Lieblingsvulkan" ist der Ätna auf Sizilien. Hier war er viele Male und hat das Naturschauspiel beobachtet.

Der Beruf des Vulkanologen kam für ihn dennoch nie infrage. "Als Geophysiker muss man eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität durchlaufen. Ich wäre aber eher der Vulkanologe, der sein Leben lang den Ätna rauf und runter laufen will. Zudem muss man sehr gut sein und ist am Ende dann vielleicht doch arbeitslos." Als Studienfächer wählte er stattdessen Biologie sowie Chemie und bewahrte sich seine geliebten Vulkane als Hobby.

Informationen über aktive Vulkane holt sich Luschner aus dem Internet. Auf der Homepage eines geophysikalischen Instituts kann er wissenschaftliche Daten über bestimmte Vulkane - zum Beispiel deren "Erdbebenstärke" - nachlesen und daraus schließen, ob in nächster Zeit ein Ausbruch droht. "Man muss gut abwägen, ob es sich lohnt, hinzufahren. Vulkane warten nicht auf mich. Das sind meist sehr spontane Entscheidungen. Es kommt hin und wieder vor, dass man hinfährt und der Ausbruch vorbei ist."

Das Risiko bei einem Ausbruch kann Luschner gut abwägen. "Das ist nicht zu vergleichen mit einem Gewitter, bei dem man nicht weiß, wo der Blitz einschlagen wird. Man muss den Vulkan, dem man sich nähert, natürlich kennen und wissen, was an Aktivität zu erwarten ist." Ein gewisses Maß an Unberechenbarkeit kann er aber nie ausschließen. Über die dramatischen Darstellungen in Spielfilmen kann Tobias Luschner allerdings oft nur lachen: "Die sind hauptsächlich von unfreiwilliger Komik beherrscht. Sie vermitteln ein wenig realistisches Bild."

Der Hobby-Vulkanologe ist kein Schaulustiger. Das betont er auch in seinem Buch. "Ich bin kein Katastrophentourist. Ich fahre nicht wegen der Zerstörung und dem Elend der Menschen zu einem Vulkanausbruch, sondern weil mich die Naturgewalt fasziniert." Am liebsten sind ihm Vulkane in unbewohntem Gebiet.

Tobias Luschner plant bereits ein neues Buch, das "Meine dümmsten Aktionen" heißen soll. Dafür sammelt er Geschichten von Verwandten und Bekannten - aber auch ihm selbst ist schon das ein oder andere passiert. "In Costa Rica habe ich einen Käfer gesehen, den ich unbedingt einfangen wollte. Zwar hatten mich die Einwohner davor gewarnt, weil sein Biss unglaublich schmerzhaft sein soll. Doch mir ist es gelungen, ihn in eine Streichholzschachtel zu stecken. Die habe ich dann in der Hosentasche mit zum Essen genommen. Ich konnte allerdings nicht ahnen, dass sich dieser Käfer durch die Schachtel beißt. Man kann sich denken, wie das ausgegangen ist."

"Homo vulcanicus" von Tobias Luschner ist im Medu-Verlag erschienen. Auf 157 Seiten kann man die Abenteuer des Hobby-Vulkanologen nachlesen. Preis: 9,95 Euro.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung

Veranstaltungen vom 25.05.2012
Unkraut in Friedberg
Nimmt das Unkraut in Friedberg überhand?

Aktuell meist gesucht

Feuerwehr | Au | Augsburg | Fasching | Bilder | 2011


Adressen für Ihre Gesundheit

Adressen für Ihre Gesundheit

Partnersuche