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10. Juli 2009 17:25 Uhr

Hörbacher Montags-Brettl-Story

Die Kleinkunst-Saga aus dem kleinen Dorf

Es gibt Bücher, die sind zum Lesen da, die unterhalten. Und es gibt Bücher, die speichern Erinnerungen, zeigen Entwicklungen auf, bringen Meinungen zu Papier. Wie aber hält man 33 Jahre gelebten Wahnsinn fest? Wie hält man fest, dass der Wahnsinn noch weitergeht, möglichst weitere 33 Jahre? Die Antwort kann nur lauten: liebevoll. So ist sie aufgearbeitet, die Hörbacher Montagsbrettl-Story. Von Anton Schlickenrieder

Hörbach Es gibt Bücher, die sind zum Lesen da, die unterhalten. Und es gibt Bücher, die speichern Erinnerungen, zeigen Entwicklungen auf, bringen Meinungen zu Papier. Wie aber hält man 33 Jahre gelebten Wahnsinn fest? Wie hält man fest, dass der Wahnsinn noch weitergeht, möglichst weitere 33 Jahre? Die Antwort kann nur lauten: liebevoll. So ist sie aufgearbeitet, die Hörbacher Montagsbrettl-Story. Und mit ihr bekommt man einen Einblick in die Entwicklung der Kleinkunstszene über längere Strecken dieses Zeitraums. Viele der Künstlerinnen und Künstler, die später "groß" wurden, wagten ihre ersten Schritte auf den Brettern in Hörbach, im Gasthaus "Sandmeir" oder in Steinbach, Weyhern und Hofhegnenberg und Althegnenberg.

Ein Buch zum Schwelgen

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Was da auf 420 Seiten an Postkartengrüßen, Gastbeiträgen, Zeitungsartikeln und Zitaten zusammengetragen ist, garniert mit Fotos von uralt bis aktuell, Grafiken und Gedichten, das lädt ein zum Schwelgen. Es lässt sich nicht in einem Zug durchlesen, dieses Buch, dafür fehlt der Handlungsfaden. Die Dauerhaftigkeit allein gibt solch einen Strang nicht her. Zu vielfältig sind die Charaktere, Ideen, Einfälle, die Genres, die auf der Bühne geboten wurden, um in Buchform eine Einheit auszubilden. Aber Schwelgen-lassen, Umherstreifen, den Leser fesseln, darin ist dieses Buch großartig.

Drexler ist als Mensch zu bescheiden, um sich als Erzähler, als Wichtigmacher in den Vordergrund zu drängen. Er lässt andere sprechen, viele andere. Berufene wie die Zeitungsschreiber, deren täglich Brot das Formulieren ist. Auf vielen Seiten streut Drexler praktisch bloß die Überleitungen ein - wie er es ja auch beim Brettl selbst so gerne tut. Wiewohl an mancher Stelle durchaus aufblitzt, welch blitzgescheiter Kerl er ist und dass er es durchaus drauf hätte, den Leser selbst zu führen. Was aber wiederum der Kleinkunst und den vielen Menschen, die mit am Gesamtwerk "Montagsbrettl" bauten und bauen, nicht dienlich wäre. Wie schreibt Gastautor Harry Völk an einer Stelle: "Ist es für uns Brettl-Veranstalter nicht ein berauschendes Gefühl, wenn fast alle Bewohner eines Dorfes beim Auf- und Abbau unseres Festzeltes und bei der Durchführung der Kleinkunsttage freiwillig mithelfen?" Diese Basis macht das Hörbacher Brettl so stark und dauerhaft. Sie manifestiert sich auch im 187 Mitglieder starken Förderverein, der am 21. Januar 1993 gegründet wurde, als die Kleinkunst in der Krise steckte - und mit ihr die Veranstaltungen im "Sandmeir".

Von den Anfängen zur Gegenwart

Natürlich bietet das Buch alle geschichtlichen Details, etwa, wer wie oft sich dem Brettlpublikum stellte. Und auch von den Anfängen ist die Rede, vom 20. Oktober 1975, als Helmut Eckl, Edi Eisheuer, Uwe Kleinschmidt, die Sechs von da Schanz und Fredl Fesl zum Kirtag aufspielten. Sie waren die ersten Vertreter einer "Jugendkultur, die wild, frech, aufmüpfig, unausgegoren und deshalb ungeheuer lebendig" daherkam. Den Wandel während der gut drei Jahrzehnte fasst der Autor in die bedauernd wirkenden Sätze: "Heute ist vieles darunter subsummiert, was man auch auf Staatstheaterbühnen finden kann. Und auf allen Kanälen ist Kabarett, Comedy, schräge Musik und alles, was ehemals ,Klein'-Kunst war, zu hören und zu sehen."

Nach 33 Jahren ist nicht Schluss mit der ältesten noch existierenden Kleinkunstbühne Bayerns. Sogar die Dependance in Steinbach steht jetzt wieder zur Verfügung. Drexel ermutigt in einem Ausblick den Leser, falls er noch nicht oder länger nicht mehr dort gewesen war, Hörbach wieder einmal aufzusuchen, an einem Montag.

Info "Die Hörbacher Montagsbrettl Story" von Toni Drexler, erschienen im Verlag "via verbis bavarica", Wambach, 2009, ISBN 978-3-935115-27-8

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