Mit Farben, Tönen und Bewegung sollen Kissings Grundschüler mehr Zugang zu einem weniger beliebten Unterrichtsfach finden


Kissing Wie schwer ist ein Stein? Mit kleinen Gewichtssäckchen durften drei „Wiegemeisterinnen“ das an einer alten Waage austesten. Und sie waren ganz verblüfft, dass die „Gegengewichte“ kaum Platz fanden auf dem Waagenteller. Am Mathematiktag der Kissinger Grundschule zeigten sich auch die Mathemuffel begeistert und freuten sich an dem vielseitigen Programm, das auch für sportliche Abwechslung sorgte und so bis zum Schluss die Konzentration der Kinder sicherstellte.
Von der Schulmathemathematik ging es zwischendurch auf die Turnmatte. „Die Spiele in der Sporthalle sollen einfach eine kurze Unterbrechung des Denk- und Knobelspaßes darstellen“, sagt Hermann Kollmansperger, der Rektor der Schule.
Statt der üblichen Rechenhefte waren es heute 24 kurzweilige Workshops, die die Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse spielerisch an die Mathematik heranführen sollten. Jeder der Schüler hatte sich bereits im Vorfeld für eine Handvoll davon entscheiden können, sodass es kein Durcheinander geben konnte und die Stationen jeweils nach einer halben Stunde durchgewechselt wurden.
Gefragt waren vor allem Kreativität und Tüftelgeist, denn Angebote wie „Drucken mit geometrischen Formen“ und „Erleben von geometrischen Formen in der Musik“ zeigten, dass auch andere Fachbereiche mit der Mathematik verbunden seien. Die zehnjährige Gioia Busse und ihre Freundin Sarah Mayr, die sich beide mit Eifer über ihren Kartoffeldruck beugen, gehen in die vierte Klasse und lieben Mathe.
„Ich finde es aber toll, dass wir hier mal etwas ganz anderes machen, was trotzdem mit Mathe zu tun hat“, sagt Gioia. Das findet auch ihre Oma, die sie heute begleiten durfte und sich ebenfalls an einem Bild versucht.
„In der Schule hat mir ja eigentlich Deutsch mehr Spaß gemacht“, sagt sie und muss lachen. Viele Eltern und Großeltern haben ebenfalls das Angebot der offenen Tür angenommen und erleben nun zusammen mit ihren Kindern die Vielfalt des vielleicht einst so verhassten Schulfaches.
„Ziel des heutigen Tages ist es sicherlich, das negative Bild der Mathematik zu verändern und die Angst vor Zahlen zu nehmen. Häufig ist sie die Ursache für Probleme im Unterricht und wirkt sehr blockierend“, erklärt Christa Wenning, die an der Kissinger Grundschule Mathematik lehrt und die eigene Begeisterung für ihr Fach weitergeben möchte. Deshalb waren sie sowie viele ihrer Kollegen im vergangenen auf didaktischen Fortbildungen. So kommt in Wennings Workshop beispielsweise eines der neueren Schulmedien zum Einsatz, das ihrer Meinung nach jedoch nicht die altbewährte Tafel, sondern höchstens den Tageslichtprojektor ablösen wird. Auf einem der drei Whiteboards, die es an der Grundschule bereits gibt, dürfen die Kinder ein Rätsel lösen, das ähnlich wie Sudoku funktioniert.
Laut Wenning seien viele der kleinen Teilnehmer schon der Technik wegen sehr interessiert, aber das Ziel Begeisterung mit neuen Lehrmethoden zu wecken, sei erfüllt. „Der Mathetag ist allerdings nur ein Baustein dieses Weiterbildungsprojekts im Lehrerkollegium, ein Abschluss soll er nicht sein“, so Kollmansperger, der Schulleiter.
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