Zwei große Werke aus Barock und Romantik bildeten die Säulen des Orgelkonzerts, dass Friedbergs Kirchenmusiker Peter Schnur an der Metzlerorgel der Stadtpfarrkirche gab: Von Stefan Schmidt
Friedberg. Zwei große Werke aus Barock und Romantik bildeten die Säulen des Orgelkonzerts, dass Friedbergs Kirchenmusiker Peter Schnur an der Metzlerorgel der Stadtpfarrkirche gab: Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge e-moll BWV 548 und das etwa 25-minütige Werk "Der 94. Psalm" des viel zu jung verstorbenen Liszt-Schülers Julius Reubke.
Präludium und Fuge e-moll BWV 548 entstand in Bachs Leipziger Zeit und zeigt die spezifischen Merkmale des späten Stils des Thomaskantors: monumentale Anlage der Themen, Verschmelzung unterschiedlichster Formen und eine große Freiheit gegenüber traditioneller Kompositionsweisen.
Das Werk überrascht durch eine ungeheure Dramatik, hervorgerufen durch eine starke Chromatisierung von Harmonik und Melodie. Aber gerade hier zeigte sich die Friedberger Metzlerorgel von ihrer besten Seite. Ihr ungemein transparenter Klang beleuchtete alle Ecken der barocken Komposition, ohne jemals im Klangbrei zu verschwimmen. Peter Schnur erwies sich als adäquater Instrumentalist, mit mitreißender Leichtigkeit das barocke Großwerk musikalisch und technisch fein gestaltend.
Dass Julius Reubkes "Der 94. Psalm" wenig bekannt ist, ist nach Peter Schnurs Vortrag wenig verständlich, besticht die Komposition doch durch die ungeheure Tiefe ihres Gehaltes. Allein die immensen Schwierigkeiten, die sich dem Interpreten stellen, und die Länge des Werkes erklären indes, warum es nicht des Öfteren konzertant zu hören ist. Reubkes Komposition verlangt enorme virtuose Anlagen und ein Höchstmaß an Deutlichkeit in Ausdruck und manueller Beherrschung.
Peter Schnur kann dies. Zudem gelingt es ihm, die zahlreichen thematischen Bezüge in ihren eigenen Phrasierungen und Spannungsbögen darzustellen. Reubkes Werk ist eine Komposition von gewaltiger Wucht, die in Teilen auch die Metzlerorgel bis an ihre Grenzen und darüber hinaus fordert. Sie gehört in ihrer Intention und Anlage sicher zu den beeindruckendsten romantischen Werken für Orgel und fand in Peter Schnur einen kongenialen Interpreten.
Zum Durchatmen und Genießen setzte Peter Schnur zwischen die beiden monumentalen Werke zwei feine Choralbearbeitungen von Johann Pachelbel und Dietrich Buxtehude und bedankte sich für den begeisterten Applaus der etwa 100 anwesenden Zuhörer am Ende des Konzertes mit einer Zugabe.
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