Mittwoch, 3. September 2014

03. Februar 2013 10:37 Uhr

Führerschein

Durchfallerquote: Fahrlehrer weisen Kritik zurück

Der Automobil-Club Europa wetterte gegen deutsche Fahrschulen. Die Fahrlehrer wehren sich gegen die Kritik, sehen aber auch Verbesserungsbedarf. Von Christian Huber

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Die Kritik des ACE, Fahrlehrer in Deutschland wären schlecht ausgebildet, wollen diese nicht auf sich sitzenlassen.
Foto: Marcus Führer, dpa

Schwer wiegen die Vorwürfe, die der Automobil-Club Europa (ACE) gegen deutsche Fahrschulen erhoben hat. Angeblich würden diese ihre Schüler absichtlich zu schlecht auf die praktische Prüfung vorbereiten, um durch das Scheitern weitere Fahrstunden berechnen zu können.

Die Fahrlehrer in der Region reagieren darauf mit Unverständnis. „Man kann doch nicht mit der Gießkanne über einen gesamten Berufszweig gießen“, sagt Karl Buschek, Kreisvorsitzender des Fahrlehrerverbands in Aichach. „Die Vorwürfe sind unqualifiziert und unseriös. Damit hat sich der ACE ein Eigentor geschossen.“

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ACE ignoriert Themen wie Prüfungsangst

Seit 2004 besitzt Buschek eine eigene Fahrschule in Aichach. Er hatte teilweise schwierige Fälle. Ein Schüler brauchte gar acht Anläufe, bis er schließlich die Fahrerlaubnis erhielt. „Natürlich wirkt eine Durchfallquote von fast 30 Prozent auf den ersten Blick hoch. Aber eine Fahrprüfung ist eben immer noch etwas, das man in keinem Unterricht üben kann. Da passiert auch den richtig Guten mal ein Fehler“, sagt Buschek. Mit Gründen wie Prüfungsangst oder hohem Druck seitens der Schüler habe sich der ACE nicht auseinandergesetzt, kritisiert der Kreisvorsitzende.

Nicht alles auf den Fahrlehrer schieben

Monika Röhrle von der gleichnamigen Fahrschule in Friedberg hat sogar einen Brief an den ACE geschrieben. „Man kann doch nicht alles auf die Fahrlehrer schieben“, beklagt sie sich. „Die Fahrschüler sind heutzutage eben viel beschäftigter. Sie kommen nach acht Stunden Schule in den Fahrunterricht, sollen sich dann noch konzentrieren.“ Viele seien allerdings auch nicht mehr so belastbar wie früher oder schlichtweg noch nicht reif genug.

Einen Funken Wahrheit sehen die Fahrlehrer allerdings durchaus in der Kritik des ACE. „Schwarze Schafe gibt es in jedem Berufszweig“, sagt beispielsweise Karl Buschek. „Aber in unserer Region würde ich keiner Fahrschule zutrauen, ihre Fahrschüler absichtlich durchfallen zu lassen.“ Eine hohe Durchfallquote wäre Gift für das Geschäft. Schließlich spiele Mundpropaganda eine große Rolle.

Durchfallquoten in den letzten Jahren nicht gestiegen

Auch wirtschaftliche Probleme werden von den Fahrschulen nicht abgestritten. Bernhard Müller, der als Kreisvorsitzender der Fahrlehrer in Augsburg auch für Friedberg verantwortlich ist, weiß das nur zu gut. „In den letzten Jahren ist die Zahl der Fahrschüler deutlich gesunken, was mit der Alterung unserer Gesellschaft zusammenhängt.

Und es gibt immer mehr Fahrschulen, wodurch weniger für jeden Einzelnen abfällt“, erklärt Müller, der seit 28 Jahren Fahrlehrer ist. Verwundert über die Kritik ist er vor allem, weil die Durchfallquote der praktischen Prüfung in den letzten Jahren entgegen der Behauptungen des ACE nicht gestiegen ist.

Ausbildung könnte verbessert werden

Ein weiterer Kritikpunkt des ACE ist die angeblich mangelhafte Ausbildung der Fahrlehrer. Karl Buschek stimmt teilweise zu: „Im psychologischen Bereich kann sie sicherlich noch verbessert werden.“ Bernhard Müller dagegen sagt, die Ausbildung habe sich in den letzten Jahren enorm verbessert, vor allem im pädagogischen Bereich.

Nur die Zugangsbedingungen sollten seiner Meinung nach strenger sein. Das denkt auch Monika Röhrle: „Einen Laptop, einen Beamer, zehn Stühle. Mehr braucht man heutzutage nicht für eine Fahrschule. Da ist es doch klar, dass sich so viele Lehrer selbstständig machen.“

Um die Durchfallquote in Zukunft zu verringern, appelliert sie auch an die Eltern. „Wenn diese 17 Jahre lang kein gutes Vorbild im Straßenverkehr waren, können wir das in ein paar Wochen nicht aus den Köpfen der Schüler kriegen.“

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