Die Internetseite von Gemeinderat Dr. Helmut Wagner polarisiert Eurasburg. Ein bequemes Ende ist nicht in Sicht Von Catrin Weykopf

Wenn in Eurasburg eine Gemeinderatssitzung zu Ende geht, dann ist sie noch lange nicht vorbei. Dann kann jeder einige Tage später im Internet nachlesen, was umstritten war und wer in der Diskussion – oftmals zugespitzt – was gesagt hat. Platz für eigene Kommentare ist auch vorhanden. „Nagerat“ (Nachrichten aus dem Gemeinderat) heißt diese Plattform. Sie will Öffentlichkeit und Transparenz schaffen. Das Werk ins Netz gestellt hat Gemeinderat Dr. Helmut Wagner (SPD/Grüne/parteifrei). Doch die Form der Transparenz, wie Wagner sie versteht, hat längst nicht nur Sympathisanten in Eurasburg.
Anlass war für Wagner der umstrittene Neubau am Ortsrand, den der Gemeinderat nachträglich und im dritten Anlauf genehmigt hat (wir berichteten). Die Art, wie diese Entscheidung zustande kam, wie das „Baurecht hier gebeugt wurde“, so Wagner, verärgerte ihn so sehr, dass er fortan nicht mehr nur selber über die Hintergründe dieses Vorgangs nachdenken wollte. Wagner wollte, dass jeder sie nachlesen kann. Zumindest so, wie er sie sieht. „Ich wollte eine Möglichkeit schaffen, das, worüber bei uns in der Gemeinde entschieden wird, nachhaltig zu dokumentieren und zu kommentieren“, erklärt er. Wer nicht nur den Inhalt der Sitzungen nachlesen will, sondern auf „Allgemeines“ klickt, gelangt dementsprechend zur „Geschichte der Villa Hügel“.
Seine Gemeinderatskollegen vor dem Start der Webseite zu informieren, hielt Wagner nicht für notwendig, obwohl er sie auf der Seite namentlich sprechen lässt. Hingegen notwendig erscheint es ihm, mehrere Punkte, die zeitweise im Gemeinderat nicht öffentlich behandelt wurden, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erklärt er. „Es gibt klare Regelungen in der Gemeindeordnung, wann ein Punkt öffentlich ist und wann nicht“, sagt Wagner.
Einige Angelegenheiten, die im nicht öffentlichen Teil der Sitzungen besprochen wurden, obwohl es aus Wagners Sicht keinen Grund dafür gibt, finden sich seither auf der Internetseite. Konsequenzen hat das bereits nach sich gezogen, ist er überzeugt. „Seit es Nagerat gibt, passiert nicht mehr so viel hinter verschlossenen Türen“, sagt er. Aufwind gebe ihm zudem, dass sich in Eurasburg viele zu seinen Positionen bekennen. Nachzulesen ist das auch in den Kommentaren auf der Seite. Hier finden sich jedoch nicht nur Wagners Sympathisanten wieder – viele von ihnen verborgen hinter Pseudonymen statt Klarnamen. Hier haben auch Kritiker in deutlichen Worten niedergeschrieben, dass sie von Wagners Nagerat nicht viel halten.
Warum Wagner bei der Bürgerversammlung nicht auf die Wutrede von Bürgermeister Erwin Osterhuber antworten wollte, lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Friedberger Allgemeinen.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: