Samstag, 21. Oktober 2017

13. Oktober 2017 06:36 Uhr

Aichach-Friedberg

Ein Schüler aus Kissing gerät in den Dunstkreis des Terrors

Er hatte Kontakt zu deutschen IS-Kämpfern in Syrien und half ihnen, sich im sozialen Netzwerk Facebook anzumelden. Ein 22-Jähriger aus Kissing steht deshalb vor Gericht. Von Jörg Heinzle und Gönül Frey

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Im Internet hatte der Schüler Kontakt zu IS-Kämpfern.
Foto: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Die jungen Männer, zu denen Berat N.*, ein türkischstämmiger Schüler aus der Gemeinde Kissing, Kontakte hatte, kennt man in der radikalen islamistischen Szene. Mouhannid M., 29, gehörte zu einer Islamistengruppe aus Wolfsburg. Er reiste im Mai 2014 nach Syrien aus und schloss sich dort den Terroristen des sogenannten Islamischen Staats – kurz IS – an. Es ist unklar, ob er heute noch lebt. Marvin R., 21, stammt aus dem Ruhrgebiet. Er konvertierte zum Islam, ging ebenfalls als IS-Kämpfer nach Syrien und starb vermutlich am 10. Juli 2015 bei Kämpfen im Irak.

Berat N.* sagt heute, er wolle mit dem IS nichts mehr zu tun haben. Vor gut zwei Jahren spielte er aber mit dem Gedanken, das Leben in der 11.500-Seelen-Gemeinde im Kreis Aichach-Friedberg hinter sich zu lassen und in den islamistischen Kampf zu ziehen. Getan hat er es nicht. Trotzdem ist Berat N., 22, jetzt angeklagt, weil er IS-Kämpfer unterstützt und brutale Terror-Propaganda weiterverbreitet haben soll. Vor dem Münchner Oberlandesgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen den jungen Mann begonnen.

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In Kissing ist der Fall des mutmalichen IS-Sympathisanten jetzt Gesprächsthema. Bürgermeister Manfred Wolf sagt, die Nachricht habe ihn wie aus heiterem Himmel getroffen. „Bei uns im Ort hat es nie Auffälligkeiten gegeben im Miteinander der Religionen oder bestimmter Volksgruppen.“ Kissing habe aber eine Größe erreicht, bei der nicht mehr jeder jeden kennt und im Blick hat. „Und wenn sich, wie in diesem Fall, die Aktivitäten großteils im Internet abspielen – da kriegt man so was gar nicht mit“, sagt Manfred Wolf.

Berat N. soll IS-Kämpfern geholfen haben, Facebook-Profile zu erstellen

Tatsächlich hatte Berat N. wohl ausschließlich virtuellen Kontakt zu anderen Islamisten. Über das soziale Netzwerk Facebook und über den Nachrichtendienst Whatsapp. Die Vorwürfe in der Anklageschrift beziehen sich auf einen Zeitraum zwischen Ende 2014 und Anfang 2015. Damals soll er auf Facebook unter anderem ein Video weiterverbreitet haben, das die Ermordung eines Menschen durch IS-Anhänger zeigt. Zu sehen ist, wie ein Mann einem Gefangenen mit einem Messer den Kopf abschneidet. Ein anderes Video, das Berat N. per Whatsapp an einen Bekannten sandte, zeigt die Verbrennung eines Gefangenen, der in einen Käfig gesperrt ist. Berat N. gehörte damals auch einer geschlossenen Whatsapp-Gruppe an, deren Mitglieder sich über eine mögliche Ausreise nach Syrien austauschten.

Ein weiterer Vorwurf: Berat N. soll drei IS-Kämpfern geholfen haben, neue Facebook-Nutzerprofile zu erstellen. Die IS-Anhänger stammten alle aus Deutschland und waren zu der Zeit bereits bei der Terrorgruppe in Syrien und im Irak. Der Wolfsburger Mouhannid M. meldete sich von Syrien aus über das soziale Netzwerk immer wieder zu Wort und hielt Kontakt zu deutschen Islamisten. Wohl auch deshalb wurde sein Zugang von Facebook gesperrt. Berat N. half ihm und legte von Deutschland aus ein neues Profil an. Auf dieselbe Weise half er auch zwei anderen IS-Kämpfern – mit dem Erstellen von Nutzerprofilen und Mail-Adressen.

Berat N. schäme sich für sein Verhalten: „Es tut ihm leid“

Als Ermittler den Schüler in Kissing aufsuchten, war er aber schnell geständig. Er rückte Passwörter für die Konten heraus und half mit Informationen. Sein Verteidiger Hermann Christoph Kühn sagt, Berat N. schäme sich für sein Verhalten. „Es tut ihm leid.“ Er habe damals als Schüler eine Phase des Misserfolgs erlebt. Dazu kam, dass er wütend gewesen sei über den Krieg in Syrien, über Fotos von Giftgas-Opfern. Berat N. habe den IS als einzige Kraft gesehen, die dem ein Ende macht. Und er habe wohl auch den Wunsch gehabt, irgendwo dazuzugehören. Heute sehe der 22-Jährige das anders, so sein Verteidiger.

Der Anwalt geht nicht davon aus, dass Berat N., der wohl nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, nach dem Prozess ins Gefängnis muss. Er sitzt auch nicht in Untersuchungshaft. Ein Ermittler beschrieb die Familie des 22-Jährigen am Donnerstag vor Gericht als „westlich orientiert“. Berat N. hat inzwischen eine Ausbildung angefangen. Er befindet sich im dritten Lehrjahr, hat gute Noten. Der Prozess soll bis Mitte November dauern. *Name geändert

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