Freitag, 22. September 2017

17. Juli 2017 14:00 Uhr

Natur

Es bohrt im Fichtenwald

Ausgetrocknete Bäume sind in diesem Sommer keine Seltenheit, Grund dafür ist der Borkenkäferbefall. Bei einem Besuch im Wald lernen Waldbesitzer alles über den Schädling. Von Julia Dusold

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Abgefallene Rinde, grüne Nadeln und braunes Bohrmehl liegen am Boden, daneben steht eine fast kahle Fichte mit halb nacktem Stamm - ein Bild wie man es in den Wäldern im Landkreis Aichach-Friedberg momentan leider viel zu häufig sieht, denn der Borkenkäfer ist wieder unterwegs.

Bei einer Waldbegehung zu einem Borkenkäfernest im Bereich des Derchinger Forsts konnten sich Waldbesitzer über den Befall informieren. Organisiert wurde die Informationsveranstaltung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg und der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Friedberg. Vertreter des Amts, der FBG sowie die Förster Rolf Banholzer (Forstrevier Affing) und Rudolf Brandl (Forstrevier Eurasburg) gaben den Waldbesitzern Tipps, wie sie befallene Bäume erkennen können.

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Harzende Stellen am Stamm, kleine Bohrlöcher und vor allem Bohrmehl an Rindenschuppen, am Stammfuß und am Boden sind Anzeichen des Buchdruckerbefalls. Unter der Rinde sehen die befallenen Fichten noch schlimmer aus: Die Käfer bohren ihre Gänge in das Holz und zerstören so die Leitbahnen, die Wasser und Nährstoffe transportieren - der Baum stirbt.

Käfer vermehren sich rasant

Der Buchdrucker ist der in den Fichtenwäldern des Landkreises am häufigsten vorkommende Borkenkäfer. Aufgrund des milden Winters und des warmen Wetters im Frühling und Sommer sind die Fichten geschwächt und leichte Beute für die Schädlinge. Es besteht die Gefahr einer Massenvermehrung und eines Absterbens von Fichtenbeständen. Das Problem ist die explosionsartige Vermehrung der Käfer: Haben sich einige Käfer erfolgreich eingenistet, werden mit Lockstoffen weitere Artgenossen herbeigeholt.

Zudem kommen auf ein Weibchen ungefähr 60 Nachkommen. Die Altkäfer schwärmen nach Befallsbeginn wieder aus und suchen sich einen neuen Baum für Geschwisterbruten. Da innerhalb eines Jahres bis zu drei Generationen schlüpfen und die Altkäfer mehrer Geschwisterbruten anlegen, kann die Nachkommenschaft eines Weibchens über 100 000 Käfer betragen.

„Um diese enorm schnelle Verbreitung zu stoppen, ist es besonders wichtig, dass Waldbesitzer die befallenen Bäume identifizieren und diese möglichst schnell aus dem Wald entfernen“, erklärt Ralf Gang vom AELF. Denn nur mit einer raschen Beseitigung des befallenen Holzes sei es möglich, die Käfer aufzuhalten. „Die Besitzer sind verpflichtet ihre Wälder abzusuchen und betroffene Bäume zu entfernen“, betont Rudolf Brandl. Dabei sei es besonders wichtig, nicht nur die offensichtlich befallenen Bäume zu fällen, sondern die betroffenen Stellen sorgfältig auszuarbeiten.

Gemeinsame Zusammenarbeit ist wichtig

„Mindestens noch zehn bis zwölf Wochen müssen die Walbesitzer sehr aufmerksam sein“, so Anton Wittmann von der FBG. Besonders vorherige Befallsstellen, Windwurfflächen und Auflichtungen seien akribisch zu kontrollieren. Danach sollten die Flächen noch einmal großzügiger ausgearbeitet werden. Ist der Bereich käferfrei, kann aufgeforstet werden.

Beim Ausarbeiten der betroffenen Bäume können sich die Waldbesitzer Hilfe bei der FBG holen. Bei Plänen für eine Wiederaufforstung beraten die Förster gerne. Denn mit den richtigen waldbaulichen Maßnahmen kann die Massenvermehrung der Borkenkäfer eingedämmt werden: Eine standortgerechte Baumartenwahl und Mischbestände mit einem höheren Anteil an Laubbäumen sind weniger anfällig für das wärmere Klima.

„Wichtig ist, dass wir alle zusammenarbeiten, um den Buchdrucker loszuwerden und unsere Wälder zu schützen“, betont Anton Wittman, Geschäftsführer der FBG Friedberg. „Es ist nicht die Schuld der Waldbesitzer, wenn Bäume befallen sind, daher sollte keiner Scheu haben, sich Hilfe zu holen.“ So sei es an allen, den Wald zu säubern und ihn zukunftssicher zu machen.

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Friedberg | Augsburg | Affing | Eurasburg

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