Samstag, 16. Dezember 2017

25. August 2013 15:26 Uhr

Friedberg

Fast so unsichtbar wie Lotti: Die Schildkröte im Friedberger See

Die scheue Schildkröte im Friedberger See hält sich die meiste Zeit versteckt. Im Gegensatz zum berühmten Reptil aus Irsee finden sich bei der Spurensuche aber einige Augenzeugen.

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Die Schildkröte im Friedberger See gilt als scheu. Gesehen wurde sie bisher nur von wenigen. (Symbolbild)
Foto: Alexander Kaya

Es ist ein kleiner Schock für den Wasserski-Fahrer Andreas Hillenbrand: Als er beim Kampf um den Schwabenpokal im Juni auf dem Friedberger See eine Rampe ansteuert, erblickt er auf dieser eine Schildkröte. Er schafft es, über sie hinwegzuspringen. Der Mensch landet sicher, das Tier verschwindet im Wasser. „Ich habe die Schildkröte bereits im vergangenen Jahr beim Training gesehen“, sagt Hillenbrand danach. Woher sie kommt und um welche Art es sich handelt, wisse er aber nicht.

Schildkröte zieht sich im Sommer zurück

Informationen über die Schildkröte besitzt kaum jemand. Einige Badegäste haben bereits gehört, dass sie seit zwei Jahren immer wieder mal auftaucht. Doch Augenzeugen sind rar. Auch Tierschutzverbände und Zoohändler wissen von nichts. Das Reptil wirkt fast so unsichtbar wie die Alligator-Schildkröte Lotti, die Experten im Oggenrieder Weiher bei Irsee suchen.

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Es sind wieder Wasserski-Fahrer, die Hinweise geben können. Der Betreiber des Wasserski-Lifts am Friedberger See, Jürgen Eiselt, sagt: „Ich habe die Schildkröte schon oft gesehen.“ Allerdings ziehe sie sich immer zurück, wenn der Badebetrieb im Sommer richtig losgeht. Sie sei wohl sehr scheu. Für mehr Informationen verweist Eiselt auf seinen Mitarbeiter Elias Erkan, der den Lift bedient.

Die Art wird bis zu 40 Jahre alt

Erkan besitzt selbst zwei Schildkröten und kennt sich daher aus. Das Reptil im Friedberger See hat er bei seiner Arbeit bereits mehrmals gesehen. „Anhand der roten Striche hinter den Augen des Tieres konnte ich die Art leicht erkennen“, sagt er. Er handle sich um eine Rotwangen-Schmuckschildkröte aus der Familie der Sumpfschildkröten. Die Art kommt aus Nordamerika und wird bis zu 40 Jahre alt. Das Exemplar im Friedberger See ist mit seinen rund 30 Zentimetern ausgewachsen. Markant für die Art ist auch der relativ flache Panzer.

Erkan betont: „Rotwangen-Schmuckschildkröten sind für den Menschen absolut ungefährlich.“ Da diese Art sehr scheu ist, werden die meisten Badegäste das Friedberger Exemplar nie sehen. Woher es kommt, weiß auch Erkan nicht. „Das Tier war von einem Tag auf den anderen da“, sagt er. Es habe wohl jemand heimlich ausgesetzt.

Überforderte Halter setzen Schildkröten oft aus

Dass Halter ihre Schildkröten irgendwann freilassen, kommt oft vor. Der Präsident des Augsburger Reptilienvereins, Jürgen Zerbe, sagt: „In zwei Dritteln der Seen in und um Augsburg leben wahrscheinlich Schildkröten.“ Ab einer Tiefe von 60 Zentimetern könnten die Tiere dort problemlos überwintern. Sie lassen sich dann einfach auf den Grund hinabsinken. Handlungsbedarf besteht laut Zerbe nicht. In einem so großen See könne die Schildkröte der heimischen Fauna keinen großen Schaden zufügen. „Sie frisst allerdings Libellen-Larven, die unter Artenschutz stehen“, sagt er. Zerbe macht den Zoohandel dafür verantwortlich, dass Halter so viele Schildkröten aussetzen. „Die Händler verkaufen sie in der Größe eines Fünf-Mark-Stücks“, sagt er. Dabei werde nicht genügend darauf hingewiesen, dass die Tiere in wenigen Jahren auf 30 Zentimeter und mehr heranwachsen. Auf einmal sei ein Terrarium von einem Quadratmeter Größe notwendig – weswegen die überforderten Halter die Schildkröten dann einfach aussetzten.

Ausführliche Beratung vor dem Kauf ist wichtig

In der Friedberger Zoohandlung stehen Schildkröten nicht zum Verkauf. „Eine ausführliche Beratung ist aber bei allen Tieren sehr wichtig“, sagt Inhaberin Nicole Menhart. Auch der deutsche Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) spricht von einer kompetenten Beratung bei seriösen Zoohändlern. „Die Kritik von Tierschützern beziehe sich nur auf schwarze Schafe in der Branche“, sagt Pressesprecherin Antje Schreiber.

Auch Schreiber sieht keinen Bedarf, die Schildkröte im Friedberger See zu fangen. Und so darf das Reptil dort wahrscheinlich weiterhin leben. Es stört wohl höchstens Wasserski-Fahrer, wenn es sich wieder auf deren Sprungschanzen sonnt.

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Ein Artikel von
Sascha Geldermann

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion


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