Donnerstag, 18. Januar 2018

09. Januar 2018 16:20 Uhr

Geschichte

Friedberg im Nationalsozialismus

Bei der Neujahrswanderung des SPD-Ortsvereins besichtigten die Teilnehmer wichtige Stationen der NS-Zeit. Was die Menschen aus der Vergangenheit lernen können. Von Aykut-Can Baytak

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Die Teilnehmer der SPD-Neujahrswanderung machten auch in der Bahnhofstraße halt: Sie wurde zu Ehren des italienischen Diktators von den Nazis in Mussolini-Straße umbenannt.
Foto: Aykut-Can Baytak

Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass die Stadt Friedberg den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden überstanden hat. Im Gegensatz zu Augsburg fielen hier historische Bauwerke nicht den Fliegerbomben zum Opfer. So steht auch der Marienbrunnen aus dem Jahr 1788 noch mitsamt Säule unbeschadet gegenüber vom Rathaus. Hier beginnt die Neujahrswanderung 2018 des SPD-Ortsvereins, der sich dem Thema „Friedberg zur Zeit des Nationalsozialismus“ widmet.

Erste Veränderungen im Rathaus begannen mit der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933. Referentin Tamara Greber beschreibt, wie das Innere des Gebäudes radikal umgestaltet wurde: „Tischdecken und Tücher mit Hakenkreuzen wurden überall im Sitzungssaal ausgelegt“, erklärt Greber. Die Farben der NSDAP schmückten neben einer Führerbüste von da an den Raum. Im Gebäude befand sich zudem das Wachlokal der Sturmabteilung sowie der Sitz der Sparkasse. Bei Trauungen im Rathaus gab es für die Paare ein besonderes Geschenk: eine Ausgabe von Hitlers Buch „Mein Kampf“.

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Marienplatz als Ort für Kundgebungen

Der Marienplatz selbst diente wegen seiner zentralen Lage als Ort für Propagandakundgebungen. Hitlers Rede vom November 1936 in Köln wurde direkt auf den Gemeinschaftsempfang hier übertragen. Ebenso stellte die Gaststätte Zieglerbräu einen wichtigen Versammlungsort für Nationalsozialisten dar. Bekannt ist, dass hier am 11. Februar 1930 eine Veranstaltung mit Heinrich Himmler und am 23. Februar 1938 ein „Generalappell“ der NSDAP zur Wahl zum Anschluss Österreichs stattfand.

An symbolischem Wert gewann in diesen Jahren auch das Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1923 in der Bahnhofstraße. „Aus der Niederlage im Ersten Weltkrieg war ein monumentaler Gefallenenkult entstanden“, so Referent Daniel Lichtenstern. Friedbergs Nationalsozialisten verstärkten diesen Kult vor allem bei öffentlichen Aufmärschen vor dem Kriegerdenkmal. Am „Heldengedenktag“ des Jahres 1937 wurde das Denkmal außerdem mit schwarzem Stoff bespannt, darüber frisches Tannengrün und der Schriftzug „Ihre Ehre hieß Treue“ angebracht und neben dem Denkmal Feuerschalen aufgestellt.

Frauen ermöglichten US-Soldaten friedlichen Einmarsch

Doch Friedbergs damaliger Bürgermeister plante weitere Veränderungen. Die heutige Ludwigstraße hieß ab dem 20. April 1939 offiziell „Straße der SA“. Während einer feierlichen Parade gab NSDAP-Mitglied Franz Xaver Schambeck bekannt: „Diese Straße gehört der SA, die Stadt Friedberg aber dem Führer!“ Drei Jahre später wurde dann auch die Bahnhofstraße in Würdigung des damaligen italienischen Diktators in „Mussolini-Straße“ umbenannt. Nach Kriegsende erhielten beide Straßen ihre alten Namen zurück.

Letzter Programmpunkt der Neujahrswanderung war der Film „Die mutigen Frauen von Friedberg“, in dem die Geschichte der Frauen erzählt wird, die den US-Truppen den friedlichen Einmarsch in die Stadt ermöglichten, indem sie die Panzerbarrieren abbauten. Angst vor dem „Feind“ hatten die Frauen an diesem Tag nicht.

Die Furcht des Volkes vor dem Fremden hingegen war das Mittel, welches das NS-Regime zu seinen Gunsten nutzte. „Auch heute geraten demokratische Strukturen in Gefahr, wenn die Emotionen vor der Vernunft stehen“, stellt Stadtpfarrer Steffen Brühl abschließend fest. „Es gibt eine rote Linie, die in einer pluralistischen Gesellschaft niemals überschritten werden darf: die Menschenwürde.“

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