Ja zu Anlage im Erlauholz. Weitere Standorte werden untersucht. Stadtwerke sollen eigenes Projekt prüfen Von Thomas Gossner
Friedberg Gegen zwei Stimmen von CSU und Freien Wählern hat der Planungsausschuss des Friedberger Stadtrats jetzt das Einvernehmen mit der geplanten Windanlage im Erlauholz bei Bachern erklärt. Und nicht nur das: Ein Gutachten soll Aufschluss über weitere geeignete Standorte für Windräder im Stadtgebiet geben. Zudem wurden die Stadtwerke beauftragt den Betrieb eigener Anlagen zu prüfen, eventuell mit Beteiligung der Bürger. Auch ein Beitritt zur neuen Energieagentur in der Region Augsburg steht zur Diskussion.
Die Stadträte schwenkten damit auf den Kurs von Bundes- und Staatsregierung ein, die als Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Anteil der erneuerbaren Energien erhöhen wollen. Die neuen Vollzugshinweise des bayerischen Umweltministeriums zu den Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen bieten der Stadt keine Handhabe mehr, um gegen das umstrittene Projekt vorzugehen, stellte Baureferent Carlo Haupt im Planungs- und Umweltausschuss dar.
Auch Bürgermeister Peter Bergmair (parteifrei), gab nun seinen Widerstand auf. „Ich fühle mich für die abrupte Kehrtwende von CSU und Staatsregierung nicht verantwortlich, habe sie aber zur Kenntnis zu nehmen“, sagte er. „Keiner kann annehmen, dass überall Anlagen entstehen sollen, nur nicht in Friedberg, das ein Viertel der Fläche im Landkreis ausmacht.“ Für ein Tabu der Windkraft in Friedberg stehe er nicht mehr zur Verfügung. Zusammen mit seinem Aichacher Kollegen Klaus Habermann will Bergmair eine Diskussion darüber anstoßen, ob die Gemeinden im Landkreis eine gemeinsame Planung von Windrädern angehen sollen.
Seine Fraktion habe sich gegen den Standort ausgesprochen, solange die Stadt etwas mitzureden hatte, sagte Wolfgang Rockelmann (SPD/Parteifreie Bürger). Jetzt gehe es um einen konkreten Antrag, und die Stadt müsse sich an die Gesetzeslage halten. Eine Ablehnung wäre aus Rockelmanns Sicht „absoluter Blödsinn und ein falsches Versprechen“. Dass die Stadt keine Möglichkeit habe, ihr Einvernehmen zu verweigern, betonte auch Thomas Kleist (CSU). Der komplette Stadtrat verstehe die Befürchtungen und Ängste der Betroffenen, aber der 11. und 12. März 2011 hätten die Welt verändert. Jetzt gehe es darum, vorwärts zu denken. Kleist befürwortete darum Bergmairs Vorschlag, die Stadtwerke mit einem eigenen Projekt zu beauftragen.
Grüne: Die Stadt hat den Zug verpasst
Die Diskussion der letzten drei Jahre zeige, dass die Stadt nicht bereit sei, an einem Aufbruch teilzunehmen, kritisierte Marion Brülls (Grüne). In diesem Zeitraum seien Dutzende von Gemeinden auf den Windkraft-Zug aufgesprungen – „wir haben ihn verpasst“. Widerstand kam vor allem aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Leo Büchler (CSU) aus Rohrbach forderte, die Entscheidung zurückzustellen und die Bedenken der Anwohner ernst zu nehmen. Auswirkungen, etwa durch Infraschall, seien zweifellos vorhanden, warnte er. „Wir sollten uns nicht so unterwürfig benehmen“, sagte Wally Walkmann (SPD) aus Bachern. Dass es nicht bei den jetzt beantragten drei Anlagen bleiben werde, befürchtete Johannes Hatzold (FW), der das Projekt „mit geballter Faust“ ablehnte.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: