Trotz der teilweise drastischen Kommentare einzelner Passanten waren die Reaktionen im Schlosshof überwiegend positiv und haben gezeigt, dass es einen erheblichen Informationsbedarf zum Thema Graffiti gibt. Für Kontraste sorgte eine Jazzband sowie der Augsburger Chor "Just for Fun" und begeisterte das Publikum.

Organisator Kambiz Kasravi und seine Mitstreiter hatten alle Hände voll zu tun: Dort, innerhalb des Schlosshofs, kamen auf Einladung des Meringer Podiums im Rahmen des Kunst- und Kulturfrühlings Graffitikünstler aus Mering und dem Raum Augsburg zum GraffitiKontakt zusammen. Die Gruppe nennt sich 2Die Bunten und setzt sich für die "Legalität der Spraykunst" ein. Auch Flo, ein noch junger Sprayer, ist dabei: "Eine solch große legale Fläche, das ist schon sehr interessant", meint er, "man hat Zeit und viel Platz, um professionell zu arbeiten." Mit Handschuhen und Atemmaske und einer ganzen Batterie Spraydosen ausgerüstet, beginnen auch André, Jonas, Stimpy, Bonsai und Christian, die zwischenzeitlich grundierte Wand mit Leben zu füllen.
Privateigentum ist tabu
Vorbehalte gegen Graffiti, so vermuten die "Sprayer", hingen nicht zuletzt mit dem zentralen Arbeitsmittel, der Spraydose, zusammen. "Würden wir mit dem Pinsel arbeiten, gäbe es vermutlich weniger Berührungsängste", meint Stimpy. Illegale Graffiti sind ihr Ding nicht. Dennoch sind die Sprayer überzeugt, dass härtere Strafen für Jugendliche, die private oder öffentliche Flächen besprühen, nicht der richtige Weg sind. "Ich glaube, dass bei vielen Sprayern gar nicht der Gedanke der Zerstörung dahinter steckt, sondern ein Gestaltungswille", ist Daniel Tröster überzeugt.
In Workshops gibt er sein künstlerisches Handwerkszeug an Jugendliche weiter und hofft, durch Aktionen wie das Treffen im Schlosshof auch Vorbild für "Illegale" zu sein. Seine selbst gefertigten Schablonen waren begehrte Vorlagen für Graffitientwürfe des interessierten Publikums. Auch Simon zeigte sich begeistert: "Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so etwas zu sehen und gar selbst zu machen?" Ein anderer, der seinen Namen nicht nennen wollte, weil er sonst zu Hause Ärger bekäme: "Meine Mutter nennt das eine widerliche Schmiererei." Auffallend fehlend waren zwölf- bis 20-jährige Besucher beim GraffitiKontakt.
Zu bewundern sind die Werke demnächst auf den landwirtschaftlichen Flächen von Martin Wenger.
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